24.06.2014

Bistum beauftragt ehrenamtliche Gemeindeteams

Neu denken, nicht klagen

Wie kann es auch in Gemeinden größeren Zuschnitts gelingen, dass Kirche vor Ort lebendig bleibt? Nach Antworten auf diese Frage sucht das Bistum in drei Orten im Osnabrücker Nordkreis. Dort übernehmen Ehrenamtliche mehr Verantwortung.

 

Gregor von Wulfen (von links) gehört zu den Ehrenamtlichen, denen Daniela Engelhard (2.v.l.) demnächst die Beauftragung des Bischofs überreicht. Weiter im Bild: Hedwig Schulte, Günther Küthe, Angelika Wenker und Pfarrer Hubert Schütte. Foto: Matthias Petersen

Was denn in Zukunft seine Aufgabe sein werde, wird Günther Küthe aus der St.-Servatius-Gemeinde Berge derzeit oft gefragt. Die Antwort fällt ihm noch schwer. „Wir müssen erstmal auf den Heiligen Geist hören, damit wir wissen, was dran ist“, sagt er. Zusammen mit zwei Frauen bildet er für die nächsten drei Jahre das ehrenamtliche Gemeindeteam. Ihre Hauptaufgabe: Anwälte zu sein für die Wünsche, Sorgen und Nöte der Gemeindemitglieder, sie zu bündeln, zu gewichten, darüber zu urteilen, Veränderungen anzustoßen. Küthe sieht darin einen geistlichen Prozess: Die monatlichen Treffen des Teams beginnen mit der Bibellesung. Veränderungen hat Küthe bei sich selbst schon beobachtet: „Ich höre aus der Gemeinde jetzt Dinge, die ich vorher gar nicht wahrgenommen habe.“

Drei Priester gibt es in den fünf Gemeinden der Pfarreiengemeinschaft Fürstenau. Pfarrer Hubert Schütte weiß, dass er nicht mehr überall sein kann, dass die Gemeindemitglieder mehr Verantwortung übernehmen müssen, damit das kirchliche Leben weitergeht. Er wolle gar nicht den Mangel in den Mittelpunkt stellen, sagt er. „Den können wir beklagen. Mir ist es viel wichtiger, dass wir neu denken.“ Die Gemeindemitglieder sollten lernen, dass es an ihnen selbst liegt, ob die Kirche vor Ort „ein Gesicht behält“, wie er es ausdrückt. „Das ist nicht allein Aufgabe des Priesters.“

„Wer bei der Wahl scheitert, kann das Gesicht verlieren“

Lange Zeit haben sich die Gemeinden rund um Fürstenau mit diesen Fragen beschäftigt. In Berge, Schwags­torf und Hollenstede haben sich Teams gebildet, die jetzt beauftragt werden. In Grafeld will der Pfarrgemeinderat die Aufgabe übernehmen, in Fürstenau fand sich nur eine Einzelperson. „Das Modell lebt aber davon, die Beauftragung einem Team zuzusprechen“, sagt Pfarrer Schütte. Bei einem Einzelnen bestehe die Befürchtung, er könne sich profilieren. „Außerdem kann sich einer allein nicht um alle Grundvollzüge von Kirche kümmern.“ Das Gemeindeteam koordiniert die Aufgaben für Glaubensweitergabe, Liturgie, Verkündigung und Diakonie.

Ob die Aufgabe der Teams nicht auch vom Pfarrgemeinderat wahrgenommen werden könnte? Pfarrer Schütte will das demokratische Prinzip des Laiengremiums nicht missen, sieht aber für die Gemeindeteams darin einen entscheidenden Nachteil: „Wer bei der Wahl scheitert, der kann das Gesicht verlieren. Auch deshalb fällt es uns ja schwer, Kandidaten zu finden.“ Die Mitglieder des Gemeindeteams würden dagegen persönlich angesprochen und vom Bischof zeitlich befristet beauftragt. „Das ist eine andere Art der Verantwortung, die ich als Ergänzung zum Pfarrgemeinderat sehe.“

Die Beauftragung des Bischofs wird Seelsorgeamtsleiterin Daniela Engelhard in einem Gottesdienst überreichen. Sie macht deutlich, dass das Bistum große Hoffnungen in die ehrenamtlichen Gemeindeteams setzt und wünscht sich deren Entwicklung auch an anderen Orten. Dafür wolle das Bistum die Fürstenauer Erfahrungen der nächsten Jahre sammeln und auswerten. „Das ist ein Weg, der in die Zukunft weist“, sagt sie. „Denn dort, wo sich Menschen dafür einsetzen, dass es lebendige Glaubensgemeinschaften gibt, wird es auch weiterhin Gemeinden geben.“

Matthias Petersen

 

 

An drei Orten werden im Juli die ehrenamtlichen Gemeindeteams in einem Gottesdienst beauftragt:
– St. Bartholomäus Schwagstorf, Samstag, 5. Juli, 17 Uhr
– Maria Rosenkranz, Hollenstede, Sonntag, 6. Juli, 10.30 Uhr
– St. Servatius, Berge, Sonntag, 13. Juli, 10.30 Uhr