10.12.2015

Was uns glücklich macht

Ein glückliches Jahr!

Wir wünschen uns Glück – vor allem zu Beginn eines neuen Jahres. Doch was ist Glück? Kann man es überhaupt in Worte fassen oder gar messen? Für jeden Menschen bedeutet Glück etwas anderes. Vielleicht finden Sie anhand dieser Beispiele heraus, was Sie glücklich macht.


 

Schornsteinfeger, Kleeblatt, Pilz – es gibt viele Symbole für Glück. Foto: Stephan Barth/pixelio.de

Glückssuche im Netz
Die Suchmaschine Google im Internet antwortet mit rund 10,5 Millionen Einträgen auf die Frage „Wie werde ich glücklich?“. Seit über 20 Jahren boomt die Glücksforschung. Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachgebieten versuchen, dem Glück auf die Spur zu kommen. Glücksratgeber erreichen oft sechsstellige Auflagenhöhen, denn fast 80 Prozent der Deutschen meinen, sie könnten auf ihr Glücklichsein Einfluss nehmen.

 

Bruttonationalglück
Der kleine Himalayastaat Bhutan schreibt seit 2008 das Bruttonationalglück (BNG) in der Verfassung fest. Das Entwicklungsland kämpft noch immer mit Armutsproblemen, zählt zum Wohlstand aber nicht nur die Wirtschaftsleistung, sondern auch eine sozial gerechte Gesellschaft, Bewahrung und Förderung kultureller Werte des buddhistisch geprägten Landes, Schutz der Umwelt und gute Regierungs- und Verwaltungsstrukturen.

 

Glückshormone
Glück entsteht in unserem Kopf. Die kleinen Glücksboten werden in unseren Nerven und in unserem Gehirn gebildet. Ein ganzes Hormonorchester, die sogenannten Botenstoffe, stimmen uns wach, konzentriert und euphorisch und sorgen generell für eine positive Grundeinstellung. Wenn wir einen schönen Sonnenuntergang beobachten, eine hübsche Blume betrachten oder ein Kind streicheln – wann auch immer wir etwas Schönes sehen oder erfahren, setzen wir beispielsweise Dopamin frei. Glück und innerer Friede schießt durch uns hindurch.

 

„Glücklichmacher“ Schokolade?
Tatsächlich ist etwas vom Glückshormon Phenethylamin (PEA) in Schokolade enthalten. Dieses Hormon haben auch frisch Verliebte im Blut. Doch kommt der Stoff mit der Nahrung in den Körper, bauen Enzyme das Hormon schnell ab. Man müsste 100 Schokotafeln essen, damit eine wirksame Dosis in den Körper, ins Gehirn und ins Blut gelangt.

 

„Generation Glück“
Mit zunehmendem Alter werden wir immer glücklicher, und die Glücklichsten sind die 65- bis 70-Jährigen! Hätten Sie das gedacht? Entgegen der weit verbreiteten Meinung sind nicht die jungen Menschen glücklicher als die älteren, sondern genau umgekehrt. Die Glücksforschung hat erkannt, dass mit dem Älterwerden unser Glück und Wohlbefinden zunimmt.

 

Schwarzer Glücksbringer
Der tief verwurzelte Glaube an Schornsteinfeger als Glücksbringer ist Jahrhunderte alt und hat einen ernsten Hintergrund. Bereits im Mittelalter war der Dienst der Kaminkehrer überlebenswichtig. In den eng gebauten Häuserzeilen griffen Brände rasch um sich und vernichteten Leben, Hab und Gut. Grund waren häufig schlecht gereinigte Schornsteine: Über den brennenden Ruß konnte sich Feuer ausbreiten. War früher der Kamin verstopft, so bedeutete dies eine kleine Katastrophe für den betroffenen Haushalt. Der schwarze Mann kam da als Retter in der Not. Es konnte wieder gekocht und geheizt werden. Er bannte das Risiko, brachte das „Glück“ zurück und bekam so den Ruf als Glücksbringer.

 

Glücksatlas
Der Nordwesten der Republik liegt beim Glück im Bundesvergleich wieder ganz vorn – sagt der „Glücksatlas, den die Deutsche Post jedes Jahr bei Sozial- und Meinungsforschern in Auftrag gibt. Gemessen wird die Lebenszufriedenheit. Die wichtigsten Glücksbringer sind Gesundheit, Partnerschaft und Freude sowie Vertrauen. Scheidung, Tod des Partners und Arbeitslosigkeit sind die größten Hemmnisse für das Glücksempfinden. 2013 führte Schleswig-Holstein die Riege der Zufriedensten an, gefolgt von Hamburg und dem nördlichen Niedersachsen.
www.gluecksatlas.de

 

Geld und Glück
Geld macht glücklich – aber nur, wenn man wirklich arm ist. Sobald die Grundbedürfnisse befriedigt sind, flacht die Glückskurve ab, je mehr man verdient. Menschen, für die Luxus und Reichtum besonders wichtig sind, sind sogar eher unglücklich. Denn „Materialisten“ sind seltener mit Freunden zusammen. Das macht nicht glücklich, sondern einsam. Freunde machen glücklich und verhelfen sogar zu einem längeren und gesünderen Leben. Denn einsame Menschen stehen unter Stress, alleine mit allen Schwierigkeiten im Leben klarkommen zu müssen. Stresshormone wie Cortisol können die Wirkung des Immunsystems dämpfen.

 

Glück in der Bibel
Glück ist ein urbiblisches Thema: Die Seligpreisungen in der Bergpredigt, eine der meistzitierten Textpassagen des Neuen Testaments, sind kein Glücksratgeber. Man kann sie aber als „Glückspreisungen“ übersetzen. Glück ist nach den Worten Jesu nichts, was Menschen sich schaffen oder erwerben können. Glück ist ein unverfügbares Geschenk, Leiden wird dabei nicht ausgeblendet: „Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. (...) Selig sind, die da hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. (...) Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.“

 

Glaube macht glücklich
Gläubige Menschen sind in ihrem Leben zufriedener und kommen leichter mit Schocks wie Jobverlust oder Scheidung zurecht. Die gesammelten Daten Tausender Europäer lassen vermuten, dass Religion entscheidenden Einfluss auf das Glück eines Menschen haben könnte. Andrew Clark von der „School of Economics“ in Paris und Orsolya Lelkes vom „European Centre for Social Welfare Policy and Research“ nutzten Umfragen unter katholischen und evangelischen Christen, um deren Einstellung zu Zufriedenheit oder Themen wie Arbeitslosigkeit zu erkennen. Die Ergebnisse sprechen religiösen Menschen eine höhere Lebenszufriedenheit zu.

 

Schulfach Glück
Am wenigsten glücklich sind Kinder beim Zahnarzt – und in der Schule. Der Heidelberger Oberstudiendirektor Ernst Fritz-Schubert hat beschlossen, das an seiner Schule zu ändern. Er führte im Jahr 2007 das Fach „Glück“ ein und entwickelte zusammen mit einem Team von Experten einen Lehrplan. Seitdem hat sich das Schulleben grundlegend geändert: Schülerinnen und Schüler lernen Lebenskompetenz – und haben auf einmal Spaß am Lernen: Kreativität entwickeln beim Lösen von Aufgaben, Verantwortung übernehmen, andere Menschen für sich gewinnen und Konflikte lösen, Interessen und Begabungen entdecken und entfalten, Gesundheitsbewusstsein entwickeln. Seit 2007 führten mehr als 100 Schulen das „Schulfach Glück“ ein, auch die Bremer Oberschule Schaumburger Straße.