10.07.2014

Zwei junge Leute bloggen über ihren Freiwilligendienst

Reifen am Abenteuer Ausland

Über das Leben nachdenken, Toleranz lernen, an Schwierigkeiten wachsen: Ein Freiwilligendienst im Ausland ist eine fantastische Chance für junge Leute. Klara Kolhoff geht für ein Jahr nach Peru, Patrick Dillmann nach Russland. Über ihre Erlebnisse werden die beiden ab Mitte August beziehungsweise September exklusiv an dieser Stelle berichten.

 

„Wo sind meine Grenzen, was traue ich mir zu?“ Diese Fragen spielen beim Klettern eine Rolle, aber auch beim Freiwilligendienst im Ausland. Vor ihrer Abreise besuchten die Teilnehmer aus dem Bistum ein Seminar in Rulle – mit Ausflug in den Klettergarten Kalkriese. Foto: Thomas Osterfeld

Kurz vor ihrem Abflug Mitte Juli bringt Klara Kolhoff noch ein echtes Opfer: Sie lässt sich die langen blonden Locken abschneiden. „Ich weiß nicht, ob ich in Peru immer warmes Wasser habe. Es könnte schwierig werden, meine Haare richtig zu pflegen“, sagt sie. Und bleibt ganz gelassen: „Haare wachsen ja auch wieder.“ Die 18 Jahre alte Abiturientin fiebert ihrem Auslandsjahr entgegen. Den Freiwilligendienst, den das Bistum Osnabrück organisiert (siehe „Zur Sache“), leistet sie in einer Kindertagesstätte in einem Vorort von Cusco. Dort unterstützt sie eine Erzieherin.

Die meisten Freiwilligen wechseln von der Stadt aufs Land. Für Klara Kolhoff aber geht es vom ländlichen Hunteburg bei Osnabrück in die Großstadt. Cusco liegt mitten im peruanischen Andenhochland in etwa 3000 Metern Höhe. Als Ausgangspunkt zur Inkastadt Machu Picchu ist Cusco weltbekannt geworden.
 

Klara Kolhoff geht für ein Jahr
nach Peru. Foto: Anja Sabel

Die Kita befindet sich auf einem Klostergelände. Dort wird Klara Kolhoff wohnen und auch gemeinsam mit den Ordensschwestern essen. Spanisch hat sie in der Schule gelernt, deshalb hofft sie, mit der Sprache im Alltag schon gut zurechtzukommen.  Ein Sprachkurs nach der Ankunft in Cusco ist dennoch Pflicht.

An ihrem Einsatzort ist Klara Kolhoff die zweite Freiwillige. Ein Vorteil, weil ihr die Vorgängerin nützliche Tipps geben kann. Zum Beispiel, dass Wärmflaschen und eine Winterjacke unbedingt ins Reisegepäck gehören. Nachts kann es kalt werden.

Für einen Freiwilligendienst weit weg von zu Hause hat sich Klara Kolhoff ganz bewusst entschieden. Sie sei nicht nur ein Fan von „Reisen bildet“, sondern wolle nach dem Turbo-Abi nicht sofort an eine Universität wechseln, wieder sitzen, wieder zuhören, wieder mitschreiben. „Ich möchte zwischendurch etwas Praktisches tun“, sagt sie.

Wie sie mit den kleinen Kindern und der Höhenluft zurechtkommt oder wie sie sich als Vegetarierin verhalten wird, falls Meerschweinchenbraten auf ihrem Teller liegt – davon wird Klara Kolhoff ausführlich erzählen.

Mitten hinein in einen „sozialen Brennpunkt“

Ebenfalls auf Kinder, aber auch auf Jugendliche und junge Mütter muss sich Patrick Dillmann in Sibirien einstellen. Der 18-Jährige, der gerade sein Abitur an der Osnabrücker Ursulaschule gemeistert hat, leistet einen Freiwilligendienst in Nowosibirsk, der drittgrößten Stadt Russlands. Dort betreibt die Caritas ein Mutter-Kind-Zentrum, einen Kinderklub und ein Kinderheim. Und dort wird Patrick Dillmann seine Mithilfe anbieten. Keine leichte Aufgabe für den jungen Mann, denn was den Kindern nicht unbedingt anzusehen ist: Sie kommen aus traurigen und ärmlichen Familienverhältnissen. Oft trinkt der Vater, schlägt Frau und Kinder oder ist abgehauen; oft sind die Eltern arbeitslos, ist die Mutter überfordert, krank oder depressiv. Außerdem gibt es Migrantenfamilien, die kaum Russisch sprechen.
 

Patrick Dillmann leistet seinen
Freiwilligendienst in Sibirien.
Foto: Anja Sabel

Ein Vorteil ist, dass Patrick Dillmann Russisch schon ziemlich gut beherrscht. So kann er beispielsweise im Caritas-Büro Texte ins Deutsche übersetzen. Dillmanns Vater und Großeltern, Deutsche aus Kasachstan, wanderten in den 70er Jahren ein. Allerdings wuchs er nicht zweisprachig auf, sondern nimmt seit fünf Jahren privaten Russischunterricht.

Generell ist der 18-Jährige sehr an Sprachen interessiert, hat Englisch, Französisch und Spanisch in der Schule gelernt – und wird sich für das Russlandjahr ein Italienischbuch einpacken und sich somit gleich die nächste Sprache „erobern“. Denn Patrick Dillmann hat sein berufliches Ziel fest vor Augen. Er möchte „International Management“ studieren.

Auch der Freiwilligendienst im Ausland schwebt ihm schon lange vor. Es reizt ihn, dadurch selbstständiger zu werden, sich weiterzuentwickeln, ein fremdes Land kennenzulernen, Vorurteile abzubauen, andere Menschen und ihr Verhalten besser zu verstehen.

Auf einem Foto seiner Projektstelle hat Patrick Dillmann ein Klavier entdeckt und nimmt sich vor: „Da ich leidenschaftlich gern Klavier spiele, will ich das unbedingt für die Arbeit mit den Kindern nutzen.“ Zwar weiß er noch nicht, ob das Instrument einsatzbereit ist, aber er ist optimistisch – ohnehin eine gute Grundeinstellung für das „Abenteuer Freiwilligendienst“.

Anja Sabel

Informationen zum Freiwilligendienst: www.alltagshelden-gesucht.de
Informationen zur Russlandhilfe der Caritas im Bistum Osnabrück finden Sie hier