03.01.2012

Prophezeiung der Maya?

Rettet euch, die Welt geht unter

Willkommen im Jahr 2012 – dem Jahr, in dem die Welt untergeht. So jedenfalls wurde vor zwei Jahren der Hollywood-Blockbuster „2012“ angekündigt.

Weltuntergangsszenario: In zwei Milliarden Jahren wird die
Sonne beginnen, die Erde zu versengen.

In dem Katastrophenfilm von Regisseur Roland Emmerich, am 8. Januar erstmals im deutschen Fernsehen zu sehen, verschieben sich Kontinentalplatten, spülen Tsunamis und Lavaströme ganze Länder hinweg, werden wenige Auserwählte in gigantischen Archen gerettet. Emmerichs „2012“, ist nicht der einzige Film, der auf Basis einer vermeintlichen Prophezeiung der alten Maya den Weltuntergang inszeniert.

Tatsächlich hatten die mittelamerikanischen Maya unter ihren drei Kalendersystemen eine sogenannte Lange Zählung, die sich etwa alle 5125 Jahre wiederholt. Deren neuer Zyklus beginnt am 21. oder 23. Dezember 2012 unseres Kalenders. Esoterische Kreise erwarten dann eine neue Schöpfung oder die Rückkehr eines alten Maya-Herrschers. Zwar halten seriöse Forscher das für Humbug. Aber: eine neue Welt mit vorheriger Zerstörung der alten und Wiederkehr eines Fürsten – das kennen auch andere Kulturen.

Weltuntergangsszenen werden oft Apokalypse genannt; dabei bedeutet das griechische Wort nur „Enthüllung“ oder „Offenbarung“. Im Judentum und Christentum gibt es etliche apokalyptische Schriften, viele entstanden zwischen 200 vor und 100 nach Christus. Nur wenige sind in die Bibel aufgenommen: am einflussreichsten Daniel und die Offenbarung des Johannes. Sie erzählen meist, wie die letzten aufrechten Gläubigen unterdrückt und verfolgt werden, wie die Mächte der Finsternis – gemeint waren aktuelle politische Unterdrücker – von den Mächten Gottes besiegt werden und dann ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit anbricht.

Den bedrängten Christen Mut machen

So wollte Johannes auf Patmos den Christen Kleinasiens mit den bedrohlichen und trös-
tenden Bildern seiner Apokalypse Mut machen, durchzuhalten gegen römische Verfolgung und christliche Irrlehren: sehr bald schon käme Christus wieder. Frühchristliche Theologen wie Irenäus von Lyon († 202) hatten die anfangs weit verbreitete Erwartung des nahen Endes gar zum notwendigen Glaubensinhalt erklärt. Aber je länger die Wiederkunft des Messias ausblieb und je besser sich die Christen mit dem einst feindlichen Römischen Reich arrangierten, desto mehr beargwöhnten sie solche Endzeitpropheten. Schon im Jahr 431 disqualifizierte das Konzil von Ephesos apokalyptische Endzeitstimmung als Aberglaube.

Doch weil schaurig-schöne Bilder vom Weltuntergang Menschen zu allen Zeiten faszinierten, wurden sie weitererzählt. Mit Bildern und zusammengeklaubten Zahlen aus Bibel und Weissagungsliteratur kündigten Bußprediger und Sektenführer den Weltuntergang an, beschrieben den Kampf zwischen Christus und dem Antichrist. „Überall wird Blut sein, Seen von Blut, Ströme von Blut …“, drohte 1513 ein Franziskaner in Florenz, „zwei Millionen Dämonen werden am Himmel losgelassen.“ Vor allem zwischen 1430 und 1530 wurden Weltuntergangsberechnungen Bestseller, Albrecht Dürers „Apokalyptische Reiter“ die Ikone der Bewegung. Als den Bischöfen der Katastrophenschauder zu bunt wurde, verbot das 5. Laterankonzil (1512–17) private Enthüllungen von der Kanzel.

Wann der jüngste Tag kommt, weiß nur Gott

In fundamentalistischen Sondergruppen kreisen bis heute Gedankenspiele um das Datum des Weltuntergangs. Bisher waren alle Berechnungen falsch. Alles egal also? Wohl kaum. Mit Naturkatas-trophen müssen wir immer rechnen. Vor Gott verantworten werden wir Menschen uns an unserem individuellen Jüngsten Tag, nach dem eigenen Tod. Dass Christus wiederkommt und Gottes Herrschaft sich endgültig durchsetzt, gehört zum Credo. Wann das aber sein wird, weiß niemand, außer Gott allein. Sagte Jesus – und dem hat die Kirche nichts hinzuzufügen. Oder mit Dietrich Bonhoeffer: „Mag sein, dass der Jüngste Tag morgen anbricht. Dann wollen wir gerne die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.“

Roland Juchem