22.03.2017

Weihbischof Wübbe besucht Christen in Russland

Russische Freundschaft

„Vergessen Sie uns nicht, kommen Sie wieder…“, hört eine Reisegruppe aus dem Bistum immer wieder, als sie die Diözese Saratow verlässt. Weihbischof Johannes Wübbe ist von den Menschen und der Arbeit der Caritas beeindruckt.

Die russischen Gastgeber waren froh über die Begegnungen mit Gästen aus Deutschland. Foto: O. SteffanAls Weihbischof Johannes Wübbe in Moskau aus dem Flugzeug steigt, fällt sein Blick auf kyrillische Schrift. „In diesem Moment war mir klar, dass wir in einem fremden Land sind, mit anderer Schrift und anderer Kultur. Und das hat sich in den folgenden Tagen auch immer wieder gezeigt.“ Seit 1998 existieren Kontakte der Osnabrücker Caritas nach Saratow im Süden Russlands. Die Diözese St. Clemens ist viermal so groß wie Deutschland. Wübbe ist in Osnabrück Vorsitzender der Caritas-Stiftung, „da lag es nahe, jetzt auch einmal die Arbeit unserer Kooperationspartner vor Ort anzusehen“, sagt er. Ottmar Steffan, Osteuropareferent der Osnabrücker Caritas, nahm ihn an die Hand – und auch weitere Mitarbeiter aus dem Bistum.

Angefangen hat die Zusammenarbeit auf Bitte von Bischof Clemens Pickel in Marx an der Wolga. Und jene Stadt, in der die russische Regierung einst die deutschstämmige Bevölkerung ansiedelte, war auch dieses Mal das erste Ziel der Reise. Wie überall stieß die Gruppe auf große Gastfreundschaft. „Es ist sehr beeindruckend, das immer wieder zu erleben“, sagt Wübbe und denkt zum Beispiel an eine ältere Frau, die nur „Tante Beate“ genannt wird. „Sie hat schon viele Schicksalsschläge erlebt, trotzdem leuchtet aus ihrem Gesicht eine offene Freundlichkeit.“

Die Reisegruppe erlebte an vielen Orten, welch wertvolle soziale Arbeit Priester, Ordensleute, Mitarbeiter der Caritas und Ehrenamtliche leisten. In Marx existiert ein von Ordensschwestern betriebenes Haus für Mädchen aus den umliegenden Dörfern, damit sie eine weiterführende Schule besuchen können. Oder die ambulante Hilfe, ohne die gerade ältere Menschen verloren wären. In St. Petersburg betreibt die Caritas eine Behinderteneinrichtung und kümmert sich um Senioren, außerdem werden Menschen ausgebildet, selbst ambulante Hilfe leisten zu können. Hier und da werden Stellen mit Spenden aus Deutschland finanziert. „Wir haben erlebt, dass oft ganz einfache Mittel ausreichen, um Großes bewirken zu können“, so Wübbe. 

Ein weites Land und Kühe für Marx

Die Gruppe hat auch die Weite des Landes erlebt, in dem manche Flugreise nötig ist, um die großen Entfernungen überwinden zu können. Wübbe hat aber auch die typischen Schlafwagen in den Überlandzügen in Erinnerung. Für die Nacht werden die Sitze einfach umfunktioniert. Manche Russen sind tagelang in diesen Zügen unterwegs. Manchmal ging es für die Osnabrücker Gruppe auch mit dem Auto los. „Dann war ich froh, dass unsere Gastgeber den Weg fanden und sich nicht im Nirgendwo verloren haben“, sagt Wübbe lächelnd.

„Wir haben auf all unseren Stationen gesehen, dass unsere Hilfe ankommt“, sagt der Weihbischof. Seit vielen Jahren gibt es zum Beispiel das Projekt „Eine Kuh für Marx“, bei dem mit Geld aus Deutschland ein junges Tier gekauft wird, damit eine Familie Milch bekommt und diese weiterverarbeiten kann. 

Auch die „Klosterbauer“ sind in der Diözese gerne gesehen. Es handelt sich um Ehrenamtliche, die zum Beispiel beim Bau des Klosters in Marx sowie bei weiteren Bauten geholfen haben. „Beide Seiten haben davon einen Gewinn“, sagt Wübbe. „Die Einheimischen würden die Arbeit selbst nicht leisten können, und die ,Klosterbauer‘ fahren jedes Mal beschenkt wieder nach Hause.“ Auch junge Leute haben die Möglichkeit zum Engagement, seit einigen Jahren gibt es in zum Beispiel St. Petersburg Stellen für einen Freiwilligendienst im Ausland (FDA). Wübbe: „Es ist wichtig, dass wir über unseren Tellerrand hinaussehen und anderen helfen, denen es nicht so gutgeht.“

"Menschen im Blick" ist eine Ausstellung überschrieben, die die Arbeit der Caritas in Russland vorstellt. Zu sehen vom 5. bis 21. Mai im Forum am Dom in Osnabrück, Domhof 12. 

Matthias Petersen