20.12.2016

Über den Wert von Lebensmitteln

Salz kann nicht schlecht werden

Sie achten jetzt sehr darauf, weniger Lebensmittel wegzuwerfen: Osnabrücker Schülerinnen der Thomas-Morus-Schule befassten sich mit dem Thema Lebensmittelverluste. Sie gingen bewusst einkaufen und kochten etwas Leckeres.

 

In der Schulküche haben die Mädchen etwas Leckeres aus „Resten“ gekocht. Foto: Astrid Fleute

„Was bedeutet eigentlich das Mindeshaltbarkeitsdatum? Und woher weiß ich, ob der Joghurt an diesem Termin wirklich schlecht ist oder ob ich ihn noch essen kann?“ Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigten sich jetzt Schülerinnen der zehnten Klassen der Thomas-Morus-Schule in einer Projektwoche zum Thema „Ab in die Tonne?!?“. Verwundert, was alles aussortiert wird, besuchten sie auch den Frischemarkt „Brörmann“ in Osnabrück-Haste, interviewten Besucher und Verkäufer auf dem Wochenmarkt und kochten mit Hauswirtschaftslehrerin Insa Kissing aus Resten und aussortiertem Gemüse in der Schulküche eine schmackhafte Mahlzeit.

Am Ende waren sich alle einig: „Wir haben so viel gelernt, was uns vorher gar nicht so bewusst war.“ So erklärt Nina überzeugt: „Ich achte jetzt mehr darauf, dass ich nicht mehr so viel wegwerfe.“ Denn dass heute jedes fünfte Brot im Müll landet und jährlich über eine Tonne Lebensmitteln entsorgt werden, das seien „echt große Zahlen“, die sie vorher so nicht gekannt habe.

Wie man es vermeiden kann, Lebensmittel wegzuwerfen erfuhren die Schülerinnen im Osnabrücker Frischemarkt „Brörmann“. Inhaber Stefan Brörmann nahm sich viel Zeit für den Kurs und erklärte, worauf man achten kann: „Kocht nicht nach Rezepten“, riet er den Schülerinnen, „sondern experimentiert eher mit Resten.“ Bei den Angaben auf den Rezepten bleibe oft zu viel übrig, was dann früher oder später doch im Biomüll lande.

Wichtig sei es auch, den Einkauf zu planen und nicht einfach draufloszukaufen. So vermeide man überflüssige Ware im Einkaufswagen. Er selbst biete auch Kochkurse an und gebe die Reste aus dem Markt zur Tafel oder verwende sie im hauseigenen Mittagstisch. „Nur weil er es nicht mehr verkaufen darf, ist es ja nicht unbedingt schlecht“, erklärt Verena.
Das erlebten die Schülerinnen dann selbst: Brörmann stellte ihnen eine Obst- und Gemüsekiste zusammen, aus der sie sich am Ende der Projektwoche gemeinsam ein Mittagessen kochten: Porreesuppe, Paprikasalat, Kohlrabipuffer. „Es schmeckt alles viel besser, als gedacht. Erstaunlich, dass das alles aussortiert werden musste“, meint Sharon.

Besuch auf dem Wochenmarkt

Auch auf dem Osnabrücker Wochenmarkt machten die Schülerinnen wertvolle und für sie neue Erfahrungen: „Es hat viele Vorteile, hier einzukaufen. Es gibt keine überflüssigen Verpackungen, die Ware ist regional und man kann genau die Mengen kaufen, die man auch braucht. Außerdem ist es eine herzliche Atmosphäre und nicht so anonym“, haben Carolin und Verena erfahren. Viele  Schülerinnen kannten die Angebote des Wochenmarktes vorher nicht und waren positiv überrascht: „Später werde ich dort auch mehr einkaufen. Das hat mich sehr angesprochen“, erzählt Theresa.

Über das Mindesthaltbarkeitsdatum klärte die Schülerinnen dann Marktleiter Stefan Brörmann  auf: Anders als das Verbrauchsdatum sei es kein Wegwerfdatum. So wie bei frischem Obst und Gemüse auch sollten sie sich mehr auf das Aussehen und den Geruch der Ware verlassen. Bei manchen Produkten wie zum Beispiel Zahnpasta oder Salz und Pfeffer sei das aufgedruckte Datum sogar völlig überflüssig und sorge nur für zusätzlichen Müll.

Begeistert erarbeiteten die Schülerinnen am Ende der Projektwoche eine kleine Präsentation, die sie ihren Mitschülern vorstellten. „Diese Woche war wirklich sehr intensiv“, sagen auch Sozialarbeiterin Anita Tepe und Klassen- und Wirtschaftslehrer Michael Schwarzwald. Und planen bereits eine Fortsetzung zum Thema Lebensmittelverluste. „In diesem Thema steckt noch viel Substanz. Wir haben die Fachhochschule mit regionalen Lebensmitteln vor der Tür, in Haste gibt es einen öffentlichen Kühlschrank für Lebensmittelreste und die Tafel wollten wir eigentlich auch noch besuchen“, sagt Tepe. Schwarzwald betont: „Als katholische Schule sollte uns das interessieren.“

Das positive Echo gibt ihnen recht. So betont die Schülerin Verena am Ende der Projektwoche begeistert: „Mein Einkaufs- und Essverhalten hat sich wirklich verändert. Ich hätte nicht gedacht, dass man dabei so viel Sinnvolles lernen kann.“

Astrid Fleute