27.09.2016

Peter Winkeljohann aus Voltlage wird in Rom zum Priester geweiht

Schon Weltkirche kennengelernt

Ja, er sieht jung aus, und ja, er ist auch noch jung. Peter Winkeljohann wird am 10. Oktober in Rom zum Priester geweiht. Der 26-Jährige aus Voltlage hat aber durchaus schon ein bisschen von der Welt gesehen. Nach einem Aufbaustudium kehrt er voraussichtlich 2018 ins Bistum Osnabrück zurück und tritt eine Kaplansstelle an.

Wird am 10. Oktober in Rom zum Priester geweiht: Peter Winkeljohann, der zuletzt als Diakon in Ankum wirkte. Foto: Andrea Kolhoff

Nach dem Theologiestudium in Frankfurt am Main  – von 2009 bis 2011 – absolvierte Winkeljohann ein praktisches Jahr in der Mission in Argentinien. Von Oktober 2011 bis Juli 2012 war er dort in der Jesuitenmission tätig. Er arbeitete in einem Kinderheim und war außerdem in einem Projekt beschäftigt, das Mikrokredite an Kleinunternehmer vergibt. 

Die Tätigkeit für das Kreditprogramm sei mit ziemlich viel Schreibtischarbeit verbunden gewesen, sagt Peter Winkeljohann, aber andererseits habe er durch die Hausbesuche in den Familien, die einen Kredit beantragten, viele Menschen und ihre Schicksale kennengelernt. Dabei und bei der Arbeit im Kinderheim  habe er gemerkt, dass ihm das Spaß mache: für andere Menschen dazusein. „Und das gehört ja auch zu meiner Berufung.“

Nach dem Jahr in Argentinien, das auch eine Auszeit nach dem Grundstudium war, setzte Peter Winkeljohann sein Studium fort, aber nicht in Frankfurt, sondern in Rom. Dort studierte er am Collegium Germanicum et Hungaricum, das im 16. Jahrhundert von Ignatius von Loyola als Kolleg für Priesteramtskandidaten des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation gegründet worden war und später mit dem ungarischen Kolleg zusammengelegt wurde. Hier lernte er in der Gemeinschaft mit anderen Priesteramtskandidaten aus verschiedenen Ländern ein Stück Weltkirche kennen. Die Art, Liturgie zu feiern und Frömmigkeit auszuleben, sei in den Ländern verschieden. Diese Vielfalt empfindet er als sehr bereichernd. 

Mehr als die deutsche Sicht auf die Dinge

Mittlerweile wohnen im Kollegium Germanicum nicht nur deutsche und ungarische Studenten, sondern auch Kroaten, Slowenen und Slowaken. Es gebe ungefähr 70 Bewohner im Haus, davon seien etwa 20 schon Priester, die ein Aufbaustudium absolvieren. Es sind also nicht nur Seminaristen, sondern auch junge Priester aus mehreren Ländern vertreten. „Da lernt man schon, dass die deutsche Sicht auf die Dinge nicht die einzige ist“, sagt Winkeljohann.

Beim Wechsel von Argentinien nach Rom musste Peter Winkeljohann von der spanischen Sprache ins Italienische springen. Das sei anfangs gar nicht so leicht gewesen. Spanisch hatte er in der Schule schon gehabt, Italienisch musste er neu lernen. Dennoch konnte er sein Theologiestudium in Italien erfolgreich  abschließen. In der Abschlussarbeit beschäftige er sich mit dem gemeinschaftlichen Aspekt der Buße im Bußsakrament. Zu einem historischen Teil über die Entwicklung des Bußsakraments kam die Diskussion der aktuellen Formen des Sakraments. So werde heutzutage in Bußandachten das Gemeinschaftliche stark sichtbar, im Übrigen auch, wenn Gläubige im Gottesdienst das Schuldbekenntnis sprechen.

Die Arbeit konnte er auf Deutsch abgeben, da er einen Prüfer gefunden hat, der Deutsch kann. Nun schließt sich also das Aufbaustudium an. Im Juli 2018 wird er voraussichtlich ins Bistum Osnabrück zurückkehren und eine erste Kaplansstelle antreten.

Taufen, trauen, beerdigen

Wo das sein wird, ist noch ungewiss und außerdem noch zwei Jahre hin. Dennoch freut sich Peter Winkeljohann darauf, denn er hat während seiner Diakonatszeit Gefallen an der Arbeit in der Gemeinde gefunden. In den Wochen, in denen er in der Osnabrücker Gemeinde St. Joseph tätig war, konnte er Diakon Harald Niermann begleiten und erhielt  Einblicke in die vielfältige Arbeit in der Füchtlingsbetreuung.

In der Pfarreiengemeinschaft Ankum, Eggermühlen und Kettenkamp hatte er vielfältige Aufgaben. Dazu gehörten „taufen, trauen, beerdigen“, verbunden mit Gesprächen mit Taufeltern, Brautleuten und Angehörigen Verstorbener. Er erhielt Einblick in den Religionsunterricht der Grundschule, war als Diakon mit im Zeltlager und als Begleiter der Jugendgruppe beim Weltjugendtag in Krakau dabei. Durch seine Kleidung war er als Diakon erkennbar, das sei gut gewesen: „Man wird anders wahrgenommen.“ Diese Erfahrung hat er mit älteren Gemeindemitgliedern, aber besonders auch beim Weltjugendtag gemacht. „Als Diakon, der für die Kirche steht, kommt man anders mit den Leuten ins Gespräch.“

Jetzt freut er sich auf den Weihetag, am 10. Oktober ist es so weit. Bischof Stephan Ackermann aus Trier wird ihn und weitere Mitbrüder aus dem Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum zum Priester weihen. Die Weiheliturgie findet in der Kirche Sant’Ignazio di Loyola statt. Mit dabei sein werden Winkeljohanns Eltern, seine jüngere Schwester und eine Großmutter, die noch fit genug ist, um die Reise nach Rom anzutreten. Auch einige Freunde und Gemeindemitglieder aus Voltlage wollen dabei sein, sie verbinden den Besuch mit einer Pilgerfahrt nach Rom. 

Das Priestergewand hat Peter Winkeljohann in der Paramentenwerkstatt des Klosters der Benediktinerinnen der Ewigen Anbetung in Osnabrück anfertigen lassen. Und er hat sich einen schönen Weihespruch ausgesucht. Er lautet: „Der Herr ist wahrhaft auferstanden.“

Andrea Kolhoff

 

Am Sonntag, 23. Oktober, feiert Peter Winkeljohann seine Heimatprimiz in Voltlage, Beginn ist um 10 Uhr in der Kirche St. Katharina. Nachmittags Dankandacht mit Einzelprimizsegen, Beginn 15 Uhr.
Samstag, 29. Oktober, 17 Uhr, Primiz in St. Joseph Osnabrück, Miquelstraße 25.  
Sonntag, 30. Oktober, 10.30 Uhr, Primiz in St. Nikolaus Ankum.