15.09.2015

Wie Reisen im XXL-Format die Schulgemeinschaft stärken

Schule auf großer Fahrt

Von Klassenfahrten ist es schon lange bekannt, dass sie die Gemeinschaft stärken und zu einer lebendigen Klasse beitragen. Viele Schulen haben das Reisen für sich entdeckt – und kehren nachhaltig verändert zurück. Aktuell begleitet der Kirchenbote die Romfahrt der Osnabrücker Thomas-Morus-Schule und berichtet in einem Blog

 

„Man muss die Gemeinschaft erlebt haben, um sie beschreiben zu können“: Schulleiter Benno Haunhorst vom Josephinum Hildesheim ist begeistert von der Reise seiner Schulgemeinschaft nach Rom. Fotos: Edmund Deppe

„Wo willst du die denn alle unterbringen? In Zelten?“ Schmunzelnd erinnert sich Schulleiter Benno Haunhorst an einige ungläubige Blicke im Kollegenkreis, als er zum ersten Mal von seiner Idee erzählte, mit der gesamten Schule nach Rom zu fahren. Knapp 1300 Schüler, Lehrer und Eltern des Gymnasiums Josephinum aus Hildesheim sollten in der Ewigen Stadt eine unvergessliche Woche erleben. So sein Traum. 2014 war es so weit. Mit 20 Bussen machte sich die Schulgemeinschaft auf nach Italien. Die Fahrt war der Auftakt des Jubiläumsjahres zum 1200-jährigen Bestehen der katholischen Schule. „In Rom wollten wir die Ursprünge unserer katholischen Tradition besuchen und etwas für unsere Gemeinschaft tun“, so Haunhorst. Hohe Erwartungen, die noch bei weitem übertroffen wurden: „Es war spitze, wir zehren heute noch davon und ich könnte mir gut vorstellen, noch einmal zu fahren“, ist der Schulleiter nachhaltig begeistert.

Wie das Josephinum nehmen viele Schulen heute ein Schuljubiläum zum Anlass, einmal eine Schulfahrt zu machen – gigantische Unternehmen, die einen großen Organisationsaufwand erfordern. Busse, Fahrt, Unterkünfte, Verpflegung, medizinische Versorgung, die Programmgestaltung – alles muss im XXL-Format geplant und vorbereitet werden. Eine logistische Herausforderung, aber durchaus machbar. Manche Schulen waren sogar schon mehrmals gemiensam  unterwegs. So zum Beispiel das Gymnasium Leoninum aus dem emsländischen Handrup. Santiago de Compostela, Rom und Griechenland haben sie bereits erlebt. „Diese Fahrten haben einen ganz besonderen Charakter“, schwärmt Schulleiter Franz-Josef Hanneken. „Man muss diese Erfahrung von Gemeinschaft erlebt haben, um sie beschreiben zu können.“ Für die Schulgemeinschaft seien es unheimlich wertvolle Momente: „Wir begegnen uns heute anders, kennen uns besser, es wird anders gegrüßt.“ Die Kultur der Erinnerung an eine solche Fahrt schweiße zusammen. In sämtlichen Abschlussreden oder anderen Anlässen werde stets die Schulfahrt als besonderes Highlight von Schülern, Lehrern und Eltern betont.

Noch heute tragen Schüler das hellblaue Rombändchen

Natürlich, räumt Hanneken ein, müsse man eine solche Fahrt auch ganz bewusst wollen. „Die Organisation ist schon sehr aufwendig, verlangt allen etwas ab.“ Wie das Leoninum bereiten sich viele Schulen auch inhaltlich sehr intensiv auf eine solche Fahrt vor, setzen eigene Programmpunkte, sammeln Sponsorengelder, gestalten im Vorfeld Projektwochen und beantworten geduldig alle Fragen besorgter Eltern. So machte Benno Haunhorst in Hildesheim die komplette Organisation so transparent wie möglich, um Befürchtungen entgegenzutreten. Wer fährt in welchem Bus? Wer wohnt mit wem zusammen im Bungalow? Wer führt durch Rom? Wie sieht das Programm aus? Was geschieht bei Notfällen? „Wir hatten die Tage gut durchstrukturiert, es war eine gute Mischung aus Programm und Freizeit. Dann kamen noch die schönen Abende im Camp dazu – das war alles sehr gemeinschaftsfördernd.“ Noch heute tragen viele Schüler des Josephinums das hellblaue Rombändchen am Handgelenk, dazu gab es T-Shirts und Schals für alle in der gleichen Farbe: „Auch das ist Identitätsbildend“, betont der Schulleiter und berichtet vom zehnten Jahrgang, der ihm jetzt erzählte, sie seien in Rom „über Klassengrenzen hinaus zusammengewachsen“.
 

Papst Franziskus fängt während der
Audienz den Romschal einer Schülerin
des Josephinums.

Dass eine solche Fahrt „zusammenschweißt“, betont auch Sabine Müller, stellvertretende Schulleiterin der Domschule in Osnabrück. Gerade hat die Schulleitung zum dritten Mal für 2017 eine gemeinsame Romfahrt beschlossen . Vor allem der Gottesdienst im Petersdom und die Audienz beim Papst seien für viele Schüler sehr beeindruckend, meint Sabine Müller: „Wir erleben das gemeinsam und ich bin Teil dieser Gruppe“, erzählten ihr auch viele Schüler, die sonst eher kirchenfern seien. Das habe schon seine Bedeutung, gerade für eine katholische Schule. Ein ganzes Jahr lang planen Schüler und Lehrer die große Fahrt, sammeln Gelder, um die Familien finanziell unterstützen zu können, und starten fächerübergreifend Aktionen und Projekte, um sich inhaltlich auf die Fahrt einzustimmen. Auch das gehöre zum Erlebnis dazu, so Müller. „Es ist ein gemeinsames Ziel, auf das wir hinarbeiten und am Ende steht als Höhepunkt die gemeinsame Reise.“

Den Ideen auf diesem Weg sind dabei keine Grenzen gesetzt. Ein sehr kreatives Projekt hatte jetzt die Osnabrücker Ursulaschule, die im Oktober in die Ewige Stadt aufbrechen wird: Als „Beitrag fürs Klima“ haben sie mit einer Eisdiele eine eigene Eissorte entworfen und mit jeder verkauften Kugel Geld gesammelt für ein Klimaschutzprojekt. „Wenn wir mit so vielen Bussen nach Italien fahren, ist das ja schon eine Belastung“, betont Projektleiter Tobias Romberg. 500 Euro sind dabei  zusammengekommen – sicher gut angelegtes Geld.

Astrid Fleute

In diesen Tagen fährt die Osnabrücker Thomas-Morus-Schule mit knapp 700 Schülern, Lehrern und Eltern nach Rom. Der Kirchenbote begleitet die Reise im XXL-Format mit einem eigenen Blog. Alle Erlebnisse in der Ewigen Stadt werden dann in Wort und Bild festgehalten.