06.01.2015

Kommentar

So geht es nicht weiter

Von Andreas Kaiser

Es war ein wahrhaft hehres Ziel, das sich die Vereinten Nationen im Jahre 2000 setzten. Mit den acht, sogenannten Millenniumszielen wollten sie aus dieser Welt bis zum Jahr 2015 eine bessere machen. Zwar wurden auf dem Weg dorthin durchaus ein paar Fortschritte erzielt – so haben heute fast alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser, nur um ein Beispiel zu nennen.

Doch ausgerechnet bei ihrem wichtigsten Ziel, der Überwindung von Armut und Hunger, ist die Menschheit kaum vom Fleck gekommen. In einer Welt, die immer mehr auf Wohlstand und Konsum ausgerichtet ist, scheinen Werte wie Solidarität oder Nächstenliebe – dies zeigt auch die aktuelle Flüchtlingsdebatte – immer mehr aus der Mode zu kommen. Die Armut, vor allem jene weit weg, etwa in Asien oder Afrika, nehmen viele von uns doch längst so wahr, als gehöre sie zur Welt irgendwie dazu. Doch das gehört sie nicht!

Die Ursachen für das größte Leid auf dieser Erde, das mehr Menschen dahinrafft als alle Kriege und Seuchen zusammen, sind weitgehend hausgemacht. Nie zuvor hatten die Reichen so viel Geld wie heute. Nie zuvor war die Menschheit in der Lage, so viele Krankheiten zu heilen und so viele Nahrungsmittel herzustellen (und diese schnell von einem Ort zum anderen zu transportieren) wie heute. Eine Dürre muss keine Hungersnot mehr auslösen. Armut und Unterernährung haben andere, vielfältige, miteinander wechselwirkende Ursachen. Landraub etwa, Profitgier,  Nahrungsmittelspekulation oder Korruption. Oft ist es einfach nur unsere Lust auf preiswertes Essen und billige Massenprodukte, die dafür sorgt, dass ein Landarbeiter in Afrika oder eine Näherin in Asien so wenig Geld verdienen, dass es zum Leben kaum reicht.

Arme Menschen haben – anders als Banken oder Konzerne – keine Lobby. Und weil den Millenniumszielen jedwede Verbindlichkeit fehlte, konnten sich die „Geberländer“ immer wieder still und leise aus der Verantwortung stehlen. Statt der zugesagten 0,7 Prozent gab die Bundesrepublik nie mehr als 0,4 Prozent des Bruttonationaleinkommens für die Entwicklungshilfe aus. Das kann und darf so nicht weitergehen. Wenn die Staatschefs im September 2015 erneut zusammenkommen, müssen sie die neuen Entwicklungsziele, die Post-2015-Agenda, so verbindlich wie möglich formulieren. Die Armen müssen das Recht bekommen, sich die Zusagen der UN notfalls einzuklagen. Nur mit der Freiheit des Marktes lässt sich die Not der Welt nicht lindern.