02.12.2014

Ungewöhnliche „Gegenwartskrippe" in Meppener Innenstadt

Sogar die Brille stimmt

Eine ganz ungewöhnliche Krippe steht jetzt in der Meppener Fußgängerzone. Maria und Josef, der Engel und die Könige – sie sehen aus wie bekannte Bürger aus der Stadt. Auch Propst Dietmar Blank macht bei dem Projekt mit.

 

Fast wie der Propst: Dietmar Blank hat dieser Krippenfigur sein Gesicht geliehen – er  verkörpert einen der drei Könige. Gudrun Weber freut sich, dass der Pfarrer ihre „Gegenwartskrippe“ unterstützt. Foto: Petra Diek-Münchow

„Ihre Puppe ist schön geworden, Herr Propst.“ Gudrun Weber greift in die Tüte, holt eine große Figur heraus und reicht sie Dietmar Blank. Und sofort muss der Meppener Pfarrer schmunzeln, denn jetzt schaut er sich selbst an. Die freundlichen Gesichtszüge, die grauen Haare, die zum Segen erhobenen Hände, das rote Messgewand – die Puppe ähnelt dem Propst schon sehr. „Sogar die Brille stimmt“, sagt Blank lächelnd. „Ist schon komisch, wenn man sich so selber trägt.“

Die Figur gehört zu einer neuen, ungewöhnlichen „Gegenwartskrippe“, die Gudrun Weber für die Meppener Innenstadt initiiert hat. Gegenwartskrippe – das bedeutet, dass alle Figuren und Bilder in die heutige Zeit übersetzt sind. Auf dem Weg nach Betlehem stehen Maria und Josef an einer Bushaltestelle. Und statt auf einem Esel sitzen sie auch mal auf einem alten Fahrrad. Die Figuren selbst sind bekannten Bürgern aus der Stadt nachempfunden. Gastwirt Paul Schmidt leiht Josef sein Gesicht, Maria sieht aus wie die stellvertretende Bürgermeisterin Anne Ewers und der Verkündigungsengel gleicht dem Twistringer Kaplan Marc Weber, der Sohn von Gudrun Weber. Propst Blank hat sein Gesicht für einen der Heiligen Drei Könige hingehalten – genau wie Stadtbrandmeister Fritz Völker und Chefarzt Evariste Gafumbegete.

Dass der Propst als König keine Krone trägt und eher wie der Pfarrer im Sonntagshochamt ausschaut, ist gewollt. Auch die anderen Figuren tragen meist Kleidung von heute. Denn die „Gegenwartskrippe“ will die Bedeutung der Geburt Jesu für unsere Zeit deutlich machen. „Jesus lebt heute unter uns“, sagt Gudrun Weber. „Die konkrete Darstellung der Personen von damals durch Menschen von heute soll veranschaulichen, dass wir das Evangelium in unsere Herzen aufnehmen sollen – um durch uns alle in der Welt zu wirken.“ Auch deswegen unterstützt das Team der neuen Stadtpastoral um Sabine Kuper das Projekt (siehe auch Termine).

Ähnlichkeit mit 3D-Drucker erreicht

Dass die Krippenfiguren den Meppener Bürgern so ähnlich sehen, dafür hat Ralf Paehl gesorgt. Er kommt aus Melle, ist Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik und kennt sich bestens mit 3D-Druckern aus. Dieses Gerät kann computergesteuert dreidimensionale Objekte aus Kunststoff Schicht um Schicht aufbauen. Gudrun Weber musste dafür vorab die Meppener fotografieren und vom Haaransatz bis zum Augenabstand genau vermessen. Mit diesen Daten hat Paehl seinen Drucker gefüttert. Auch die Kleidung der Figuren ist maßgeschneidert. Umsonst ist das alles natürlich nicht. Mehrere Sponsoren dafür gibt es schon, aber Gudrun Weber braucht noch einige zusätzliche Spenden.

Die Krippe verändert sich Woche für Woche: Verkündigung, Herbergssuche, Geburt, die drei Könige. Im nächsten Jahr soll sie um weitere Figuren ergänzt werden. Für die Hirten hat Gudrun Weber bereits sechs Meppener gefunden. Aber das Jesuskind, das gibt es schon jetzt. Wer dafür das Vorbild war? Der kleine Günter Tonke, ein Enkel der Ratsfrau Juliane Große-Neugebauer.

Petra Diek-Münchow

 

 

Termine
Die „Gegenwartskrippe“ steht in einer Holzhütte in der Meppener Fußgängerzone in der Nähe des Windthorst-Platzes. Die Figuren sind bis zum 6. Januar zu sehen. An zwei Terminen erklärt die Initiatorin des Projekts, Gudrun Weber, die Idee der Krippe und die jeweiligen Szenen: am 7. Dezember geht es um die Verkündigung und am 20. Dezember um die Herbergssuche, jeweils um 16 Uhr. Parallel dazu steht von 16 bis 18 Uhr auch das Team der neuen Stadtpastoral „Kirche in Meppen“ neben der Krippe. Die Gruppe bietet Gespräche an und verteilt Streichholzschachteln – als Zeichen dafür, dass wir Licht brauchen und sein können.