26.09.2015

"Keine kurzfristige Aufgabe"

Solidarität mit Flüchtlingen

Die Hilfe für Flüchtlinge wird keine kurzfristige Aufgabe sein. Das haben die Räte und Gremien sowie die Leitung des Bistums Osnabrück in einer gemeinsamen Erklärung deutlich gemacht.

 

In der Erklärung rufen die Räte und Gremien sowie die Leitung des Bistums dazu auf, den in Deutschland ankommenden Flüchtlingen mit Offenheit und Solidarität zu begegnen. Die Hilfe für Flüchtlinge werde keine kurzfristige Aufgabe sein, heißt es in dem Papier, das am Wochenende auf einer Versammlung in Lingen verabschiedet wurde. An dem Treffen nahmen rund 150 Delegierte teil, darunter Vertreter aus den kirchlichen Verbänden, dem Katholikenrat und dem Priesterrat und der Bistumsleitung mit Bischof Franz-Josef Bode. Die Versammlung bildete den Auftakt zu einem bistumsweiten „Jahr des Aufatmens“.

"Sie werden unsere Nachbarn werden"

 "Wir können und dürfen es nicht hinnehmen, dass Menschen auf der Flucht vor Terror, Krieg und existenzieller Bedrohung an unseren Grenzen abgewiesen werden“, betonen die Versammlungsteilnehmer in ihrer Erklärung. Die politische Entscheidung, einer großen Zahl von hilfsbedürftigen Menschen Zuflucht zu gewähren, sei richtig gewesen. Viele von ihnen würden lange oder auf Dauer in Deutschland bleiben „und unsere Nachbarn werden“. Entscheidend sei die nachhaltige Bereitschaft der Bürger, eine „offene und sich wandelnde Gesellschaft“ zu sein, heißt es in der Erklärung. Integration gelinge dann, wenn sie von beiden Seiten gewollt und gestaltet werde. Besonders hervorgehoben wird in der Erklärung die „große Hilfsbereitschaft“ für die Flüchtlinge in den Kirchengemeinden, Verbänden und Einrichtungen des Bistums.

 

Die Erklärung der Diözesanversammlung
zum Auftakt des Zukunftsgespräches im Bistum Osnabrück im Wortlaut:

„Damit sie zu Atem kommen“ (Ex 23,12)
Erklärung zur aktuellen Flüchtlingssituation

An diesem Wochenende (25./26. September 2015) begehen 150 Personen in Lingen den Auftakt eines einjährigen Zukunftsgesprächs im Bistum Osnabrück. Dieser Dialogprozess steht unter dem biblischen Leitwort „Damit sie zu Atem kommen“ (Ex 23,12). Was können wir einer „atemlosen“ Gesellschaft an Alternativen bieten?

In diesen Tagen berühren uns ganz besonders die dramatischen Flüchtlingsbewegungen. „Damit sie zu Atem kommen“ – das muss auch gelten für die vielen Menschen, die aus verschiedenen Krisengebieten in unser Land kommen und darin Zuflucht suchen. Das Exodus-Buch, das uns durch das „Jahr des Aufatmens“ begleitet, legt uns gerade die Fremden ans Herz „Ihr wisst doch, wie einem Fremden zumute ist … ihr selbst seid Fremde gewesen“ (Ex 23,9).

Eine große Mehrheit der Bevölkerung heißt die Flüchtlinge bei uns willkommen. Seit einigen Wochen gibt es nicht nur die erschütternden Nachrichten über die Flucht und ihre Gefahren, sondern auch bewegende Bilder großer Hilfsbereitschaft. Dieses Engagement zeigt einen guten Geist der Offenheit und  Solidarität. Sorgen und Ängste in der Bevölkerung nehmen wir ernst. Aber wir treten jeder Form von Fremdenfeindlichkeit entschieden entgegen.
 
Verantwortliche Politikerinnen und Politiker haben entschieden, einer großen Zahl von Menschen, die Hilfe brauchen, Zuflucht zu gewähren. Das war richtig. Wir leben in einer demokratisch verfassten europäischen Union, deren Werte wesentlich auf christlichen Wurzeln gründen. Wir können und dürfen es nicht hinnehmen, dass Menschen auf der Flucht vor Terror, Krieg und existenzieller Bedrohung an unseren Grenzen abgewiesen werden.

In vielen Kirchengemeinden, Verbänden und Einrichtungen unseres Bistums gibt es bereits jetzt eine große Hilfsbereitschaft, auch in ökumenischer und interreligiöser Zusammenarbeit. Fachpersonen, etwa aus dem Caritasverband und seinen Mitgliedsverbänden, stehen Engagierten für Beratung und vielfältige Unterstützung zur Verfügung. Zudem ist ein bischöflicher Hilfsfonds für Sachmittel in der Begleitung von Flüchtlingen eingerichtet worden. Mit seinen Beratungsstellen bietet das Bistum auch muttersprachliche Lebensberatung für Migrantinnen und Migranten, insbesondere für traumatisierte Menschen an.

Schon jetzt ist absehbar, dass die Hilfe für Flüchtlinge in Deutschland keine kurzfristige Aufgabe sein wird. Viele von ihnen werden lange oder auf Dauer in Deutschland bleiben und unsere Nachbarn werden. Ihnen soll die Chance gegeben werden, mit ihren Familien ein Leben in Sicherheit und gleichberechtigter Teilhabe in unserem Land zu führen. Dazu bedarf es langfristiger Bemühungen staatlicher Organe und der Wirtschaft. Entscheidend ist die nachhaltige Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, eine offene und sich wandelnde Gesellschaft zu sein. Integration gelingt dann, wenn sie von beiden Seiten gewollt und gestaltet wird. Dabei werden Bildungs- und Sozialeinrichtungen eine wichtige Rolle spielen. Den damit verbundenen Herausforderungen stellen wir uns als Kirche im Bistum Osnabrück. Von Herzen danken wir allen, die sich für Flüchtlinge einsetzen und bitten Sie: Lassen Sie in diesem Engagement nicht nach!