22.05.2017

Anfrage

Soll man für Verstorbene Messen bestellen?

Warum werden Seelenämter und Jahrtagsmessen bestellt und wie lange sollte das praktiziert werden? Für mich ist das selbstverständlich, aber es löst oft Diskussionen aus, sogar mit der Bemerkung: „Das ist Geldmacherei.“ R. S., 36103 Flieden


Für Verstorbene zu beten ist eine sehr alte und sehr gute Tradition. Dahinter steht der Glaube, dass Verstorbene nicht einfach getrennt von uns sind. Es gibt eine „Gemeinschaft der Heiligen“, zu der alle Getauften gehören, Lebende wie Verstorbene. Füreinander da zu sein, füreinander einzustehen endet nicht mit dem Tod.

Beten, dass Verstorbene zu Gott gelangen, kann man immer. Seit der Frühzeit der Kirche gibt es aber auch die Tradition, dies ganz besonders in der Messe zu tun. „Zögern wir nicht, den Verstorbenen Hilfe zu bringen und unsere Gebete für sie aufzuopfern“, schrieb Johannes Chrysostomos vor 1500 Jahren. „Kraft der Gemeinschaft der Heiligen empfiehlt die Kirche die Verstorbenen der Barmherzigkeit Gottes an und bringt für sie Fürbitten dar, insbesondere das heilige eucharistische Opfer“, heißt es im Katechismus (Nr. 1055). „Messe bestellen“, ist dabei eine etwas missverständliche Ausdrucksweise. Man „bestellt“ ja nichts, sondern bittet um das besondere Gebet der Gemeinde in einer Eucharistiefeier.

Ja, diese Tradition wurde auch zur Geldmacherei missbraucht, besonders beim Ablasshandel. Auch heute wird ein Entgelt erwartet, dessen Höhe jedes Bistum festlegt – oft liegt es bei fünf Euro. Ursprünglich sollte damit zum Unterhalt der Gemeinde beigetragen werden, aber dafür sorgt heute die Kirchensteuer. Die sogenannten „Messstipendien“ werden deshalb – über die Pfarrbüros – meist weitergeleitet in „die Mission“: Die „Messintentionsstelle“ in Solingen verteilt die Gebetsanliegen in alle Welt – und trägt damit auch zum Unterhalt von Priestern bei, die kaum Einkommen haben.

Und was bringt das? Nach der Lehre der Kirche helfen die Gebete den Verstorbenen, aus der Phase der „Läuterung“ in die Schau Gottes einzutreten. Allerdings wissen wir nichts über diese Läuterung. Sie ist auch nicht nach menschlichem Zeitmaß zu rechnen, so dass man sagen könnte: Jetzt ist es genug. Messen „zu bestellen“ hält dauerhaft die Verbindung – und das ist gut für die Toten wie für die Lebenden.

Von Susanne Haverkamp