26.09.2012

Jugendliche bauen Spielplatz in Russland auf

Soziales Lernen beim Arbeitseinsatz

Eine Gruppe von 20 Jugendlichen aus dem Bistum Osnabrück errichtete während eines Jugendworkcamps einen Spielplatz für ein Kinderzentrum im russischen Orenburg. Das Projekt ist eine Kooperation der Caritas und des Sozialen Seminars.
 

Beim Bau des Spielplatzes packten die Jugendlichen kräftig
an. Foto: privat

Im russischen Orenburg steht jetzt ein neuer Spielplatz. 20 deutsche Jugendliche reisten in diesem Jahr nach Russland und bauten dem Kinderzentrum „Kasper“ die ersehnten Geräte. Zum zweiten Mal fand das Jugendworkcamp statt. Es ist eine Kooperation der Caritas und des Sozialen Seminars.

Im Jahr 2010 wurde ein Kinderspielplatz in Orsk, einer Stadt im Süden Russlands, errichtet. Eigentlich war das Workcamp damals als eine einmalige Aktion gedacht, allerdings war die Rückmeldung sowohl der deutschen Jugendlichen als auch der russischen Partner so positiv, dass das Projekt fortgeführt wurde. Deshalb besuchte 2011 eine Delegation aus Russland Osnabrück, um die Kommunikation der Partner zu stärken.

In diesem Jahr wurde das Kinderzentrum der Stadt Orenburg um einen Spielplatz erweitert. Im Gegensatz zum ersten Workcamp, bei dem die Teilnehmer bis nach Orsk geflogen waren, schloss sich in diesem Jahr an den Flug nach Moskau eine mehrtägige Zugfahrt an. „Wir hatten eine super Atmosphäre“, sagt Teilnehmerin Elke Möllenkamp über die Gruppe. Beim Bau des Spielplatzes wurden sie von drei „Klosterbauern“ unterstützt. Das sind deutsche Handwerker, die ehrenamtlich in Russland soziale und kirchliche Einrichtungen sanieren. Auch einige junge Russen halfen freiwillig beim Spielplatzbau mit.

„Wir haben auch viel Unterstützung von den Jugendlichen vor Ort erhalten“, sagt Felizitas Heet, die ebenfalls beim Workcamp dabei war. Manchmal sei die Kommunikation zwischen deutschen und russischen Jugendlichen jedoch schwer gewesen. Denn die russischen Unterstützer sprachen kaum oder gar kein Englisch. „Zum Glück hatten wir einige Russlanddeutsche in der Gruppe, die die Kommunikation übernommen haben“, erläutert Heet. Und trotz der Sprachbarriere habe sich eine gute Arbeitsatmosphäre entwickelt. Auch nach der Arbeit saßen die Jugendlichen oft zusammen und unterhielten sich oder unternahmen etwas. „Alle waren sehr motiviert und wollten richtig gute Arbeit machen“, ergänzt Möllenkamp.

Einen festen Bauplan gab es nicht

Das Arbeitsmaterial für den Spielplatz kam aus Russland und musste selbst bearbeitet werden. „Die Jugendlichen haben zum Beispiel das Holz erst selbst gehobelt und laminiert, bevor es verarbeitet wurde“, sagt Ottmar Steffan, der das Projekt für die Caritas betreut. In diesem Jahr war außerdem eine Architektin aus Russland am Projekt beteiligt. Denn einen festen Bauplan für die Spielgeräte gab es nicht. „Wir müssen immer überlegen, wie wir den Spielplatz aufbauen wollen. Dabei spielen das Gelände und natürlich unsere Materialien eine große Rolle“, erklärt Steffan.

Wie schon beim ersten Camp war die mediale Aufmerksamkeit in Russland groß. Mehrere Zeitungen und ein Fernsehteam berichteten über das soziale Engagement der deutschen und russischen Jugendlichen. Eine Besonderheit, denn die katholische Gemeinschaft ist in Russland eine Minderheit. Bei einer Bevölkerungsanzahl von 142 Millionen bekennen sich nur eine Million Russen zum römisch-katholischen Glauben.

„Sie haben hier vielerorts mit Vorurteilen oder Ausgrenzung zu kämpfen“, erläutert der Caritas-Beauftragte Steffan. Durch das Projekt werde also auch mit Vorurteilen aufgeräumt, weil orthodoxe Russen Interesse zeigen und so mit den Katholiken ins Gespräch kommen.

Die Einweihung des fertigen Spielplatzes wurde groß gefeiert.  Am meisten freuten sich natürlich die Kinder. „Die konnten es gar nicht erwarten und sind,  gleich nachdem das Band zerschnitten war, auf den Spielplatz gerannt“, sagt Steffan strahlend.

Dass der Zuspruch der Kinder so groß bleiben wird, davon konnte sich die Gruppe bei einem Besuch des russischen Katholikentages in Orsk überzeugen. Dort wurde vor zwei Jahren der erste Spielplatz gebaut. „Auch nach zwei Jahren waren viele Kinder am Spielen und Toben. Das war für uns das beste Kompliment für das Projekt“, sagt Steffan.

Franz Ernst