28.11.2014

Wie Gemeinden neue Finanzquellen erschließen

Spender als Freunde gewinnen

Die historische Orgel muss saniert, die alten Kellerräume des Pfarrzentrums sollen zum Jugendtreff umgebaut, der verwilderte Außenbereich des Kindergartens soll ein Spielgelände werden. Doch für Extraprojekte reicht das Geld der Gemeinde nicht. Wie vorgehen, um Spender zu finden?

Ein Beispiel für eine gelungene Spendenaktion: Im Erzbistum Freibrg wurde für kirchliche Ferienfreizeiten gesammelt – und am Ende gab es eine medienwirksame Geldübergabe mit Erzbischof Robert Zollitsch. Foto: kna-bild

 

Immer mehr Pfarreien stehen vor der Herausforderung, Baumaßnahmen oder besondere Vorhaben in der Kinder-, Jugend- oder Seniorenarbeit nicht mehr mit eigenen Einnahmen bestreiten zu können. Oft macht dann ein Wort die Runde: Fundraising. Der Begriff kommt aus dem Englischen und meint Mittelbeschaffung.

„Fundraising bedeutet nicht nur, Spenden zu sammeln. Es ist die Kunst, Förderer und Freunde langfristig zu gewinnen“, meint Udo Schnieders, Leiter der Stabsstelle Fundraising im Erzbistum Freiburg. Das funktioniere nicht durch „planlosen Aktionismus“, sondern nur durch gezielte Pflege der Beziehung zum Geldgeber und ein darauf ausgerichtetes Konzept. Obschon es kein Patentrezept gibt, nennt der Theologe einige Schritte für eine erfolgreiche  Fundraisingstrategie.

1. Transparenz: Bevor eine Kirchengemeinde anfängt, aktiv Spenden zu sammeln, sollte sie offen über ihre Finanzen sprechen. Bei einem konkreten Fundraisingprojekt sei die Offenlegung der Einnahmen und Ausgaben in einem Finanzplan unerlässlich. Schnieders: „Transparenz schafft Vertrauen. Nur wer weiß, wieso Spenden nötig sind und wofür sie verwendet werden, spendet wieder.“ 

 

Konkrete Summen nennen für konkrete Spendenziele

2. Projektwahl: Für den Start eignet sich am besten ein Projekt, das die breite Öffentlichkeit interessiert. Es sei ratsam, sich in die Sicht der möglichen Förderer  hineinzuversetzen: Wo deckt sich der Bedarf mit dem, was die Spender gern mit ihrem Geld ermöglichen möchten? Es gelte, Emotionen zu wecken: So könnte die Orgelsanierung mit dem Slogan „Lust auf Klang“ oder die Umgestaltung des Kellers zum Jugendzentrum mit „Schenken Sie unserer Jugend einen Treff“ beworben werden. Der Experte: „Das signalisiert: Die Kirche setzt sich dafür ein, dass unser Gemeinwesen besser funktioniert. Das motiviert zu solidarischem Handeln.“

3. Teambildung: Ein Team von mindestens drei Personen übernimmt die Steuerung der Fundraisingaktion. Hier laufen die Fäden zusammen – von der Planung über die Öffentlichkeitsarbeit und die Ansprache der Spender bis hin zum Abschluss des Projektes. Der Theologe: „Das Team braucht das Vertrauen und den Rückhalt von Pfarrgemeinderat und Pfarrer.“ 

4. Auswahlliste: Anhand der Kostenvoranschläge für das jeweilige Projekt ist die „Einkaufsliste“ zu erstellen. Dabei werden konkrete Summen für konkrete Spendenziele genannt. Zum Beispiel: 20 Euro für eine Wandfliese oder 75 Euro für die Bodenplatten. Schnieders: „Für viele ist es ein schönes Gefühl, zu wissen: Das Fenster oder die Leuchte habe ich mitfinanziert.“ 

5. Sponsoren und private Großspender: Königsweg ist hier das persönliche Gespräch. Vorab sollte eine Mappe mit den wichtigsten Projektdaten und Fotos erstellt werden. Im Austausch mit Sponsoren geht es um ein Geben und Nehmen: Für seine Spende erwartet das jeweilige Unternehmen eine Gegenleistung – etwa eine Scheckübergabe vor der Presse oder die Erwähnung auf einer Sponsorentafel. 

 

Herausfinden, was sich die Unterstützer wünschen

Im Austausch mit einer vermögenden Privatperson ist neben Überzeugungskraft wichtig, herauszufinden, was sich der Unterstützer wünscht. Nicht jeder möchte in der Öffentlichkeit genannt werden. Viele wollen eingebunden werden – bei einer Besichtigung mit dem Architekten oder bei den Planungen und Fortschritten des Projektes. Der Theologe: „Diese  Gespräche sind auf Augenhöhe zu führen. Großspender sind keine Goldesel, sondern Partner.“

6. Spendenbriefe: Erst nach dem Kontakt zu Sponsoren und Großspendern werden Spendenbriefe in der Gemeinde verschickt – mit Namensansprache und nicht allgemein mit „Liebes Gemeindemitglied“. Der Experte: „Je persönlicher die Kontaktaufnahme, desto wirksamer die Aktion.“

7. Dank: Bevor man um den ersten Euro bittet, sollte die Gemeinde wissen, wie sie sich dafür bedanken will. Es empfiehlt sich, allen Spendern zeitnah mit Zusendung der Spendenquittung einen lieben Dank zukommen zu lassen. Ab einer bestimmten Höhe sollte sich der Pfarrer persönlich oder per Telefon bei den Spendern bedanken. Ein Gruß zu Weihnachten, dem Geburtstag oder Namenstag sei eine gute Möglichkeit, um die Beziehung zu pflegen. Schnieders: „Im Idealfall habe ich dann nicht nur Freunde für ein Projekt, sondern für die Arbeit der Kirchengemeinde überhaupt gewonnen. Und darum geht es ja eigentlich.“

Von Heike Sieg-Hövelmann