21.01.2014

Familienforschungsstelle Meppen verrät mehr über die Vorfahren

Spurensuche im Kirchenbuch

Wollen Sie mehr über Ihre Vorfahren wissen? Dann schauen Sie sich in der katholischen Familienforschungsstelle in Meppen alte Kirchenbücher an. Ehrenamtliche helfen dabei, Spuren zu finden und zu entziffern. 

 

Was steht da? Josef Brunklaus (v.l.), Werner Janning und Reinhard Cloppenburg entziffern ein altes Kirchenbuch aus Groß Hesepe – eine wichtige Fundgrube für Familienforscher. Fotos: Petra Diek-Münchow/fotolia

Das ist mal eine schöne Handschrift. Ganz akkurat hat Pfarrer Johannes Nikolaus Bödiker im Jahr 1755 aufgeschrieben, wer am 4. Februar in Hesepe geboren ist: die kleine Anna Maria, Tochter von Gerardus und Maria Thesen. „Das kann man wirklich gut lesen“, sagt Reinhard Cloppenburg. Entziffert gleich die Namen der Paten und weiß, dass es den Namen Thesen noch immer gibt.

Reinhard Cloppenburg gehört zu dem ehrenamtlichen Team in der Familienforschungsstelle der St.-Vitus-Gemeinde. Er könnte der Familie Thesen helfen, wenn sie mehr über ihre Ahnen erfahren will. Denn in Meppen kann sie alle Kirchenbücher unseres Bistums ansehen: Taufbücher bis 1893, Heirats- und Sterbebücher bis 1913. Danach sind die Eintragungen noch geschützt. Das älteste Kirchenbuch von 1612 stammt aus Groß Hesepe; die anderen beginnen meist um 1650, weil viele im 30-jährigen Krieg (1618-1648) vernichtet worden sind. Historische Fundgruben sind sie alle, weil neben Namen oft Daten wie Wohnort, Beruf oder sogar Todesursachen angegeben werden. „Familienforschung ist auch Heimatgeschichte“, sagt Cloppenburgs Mitstreiter, Bernhard Wermes.

Hilfe bei krakeligen Handschriften und ungewohnten Abkürzungen

Natürlich liegen die Kirchenbücher nicht im Original vor. Vor Jahren sind sie auf Mikrofiche verfilmt worden – transparente Filmblätter für spezielle Lesegeräte. Seit dem vergangenen Jahr ist der Zugriff auf die Daten aber viel leichter, denn jetzt gibt es neben zwei solcher Lesegeräte auch vier Computer in Meppen. Bei der Umstellung hat das 15-köpfige Team mitgeholfen. „Die Arbeit hat sich gelohnt“, sagt Propst Dietmar Blank. 255-mal haben die Besucher die Forschungsstelle im Jahr 2013 genutzt – seit der Eröffnung vor zwölf Jahren kamen 4000 Menschen hierher, die meisten aus dem Emsland und der Grafschaft.

Und warum kommen sie? „Die meisten, weil sie zum Beispiel einen Stammbaum anfertigen und verschenken möchten“, erzählt Josef Brunklaus. Mit Reinhard Cloppenburg, Werner Janning und Bernhard Wermes hilft er den Gästen bei der Spurensuche. Zeigt, wo und wie sie forschen müssen, hilft, krakelige Handschriften und ungewohnte Abkürzungen zu entziffern. Diese Ehrenamtlichen machen die Arbeit der Familienforschungsstelle erst möglich, sagt Blank. Er dankt dafür ausdrücklich besonders Pfarrer Johannes Underbrink und Bernhard Hüsers, die jetzt ausscheiden.

Angefangen haben viele Helfer, weil sie selbst passionierte Familienforscher sind. Brunklaus und Wermes durchforsten seit 40 Jahren Kirchenbücher nach ihren Vorfahren. „Ich habe mit einem Blatt angefangen, jetzt sind es 26 000 Namen“, erzählt Wermes. Janning führt die Ahnentafel seines Vaters weiter. „Ein wunderbares Hobby“, sagt er. Mittlerweile kennen sie sich bestens aus. Manchmal reicht ein Name – und schon fachsimpeln die Männer, können sich kaum vom Computer lösen. Wie vom Heseper Kirchenbuch aus dem Jahre 1755. „Was steht da?“, fragt Reinhard Cloppenburg und schaut sich die nächste Seite ganz genau an.

Petra Diek-Münchow

 

 

Hintergrund

Die Familienforschungsstelle der St.-Vitus-Gemeinde in Meppen befindet sich im Obergeschoss des „Hauses für soziale Dienste“ am Domhof 18. Ein Aufzug ist vorhanden. Die Einrichtung ist donnerstags und freitags von 8.30 bis 12.30 und 13.30 bis 16 Uhr geöffnet – zusätzlich an jedem ersten Samstag eines Monats von 8.30 bis 12.30 Uhr und freitags davor von 8.30 bis 12.30 sowie 13.30 Uhr bis 18.00 Uhr.

Interessierte sollten sich unbedingt vorher im Pfarrbüro (Telefon 0 59 31/1 24 44) anmelden, damit sie einen der Computer bzw. Lesegeräte nutzen können. Die Gebühr pro Tag beträgt sieben Euro. Auch wer ehrenamtlich mithelfen möchte, kann sich gern dort melden.

Außerdem sind schriftliche Anfragen zur Familienforschung per E-Mail möglich. Dafür muss dann allerdings eine Gebühr von 20 Euro pro Stunde gezahlt werden. Weitere Infos zu dem Thema: fam.archive@kgverband-meppen.de