22.05.2015

Seligsprechung von Oscar Romero

"Stark im Wort, aber nie aggressiv"

Am Samstag wird Oscar Arnulfo Romero in El Salvador seliggesprochen. Auftragsmörder hatten den Erzbischof von San Salvador am 24. März 1980 erschossen. Im Interview ordnet der Hauptgeschäftsführer von Adveniat, Bernd Klaschka (68), die Seligsprechung ein und erinnert sich an den Kirchenmann.  

 

Oscar Romero
Foto: kna-bild

Herr Klaschka, was bedeutet die Seligsprechung von Oscar Romero, insbesondere, nachdem Sie so lange umstritten war? 
Die Seligsprechung eines Menschen bedeutet zunächst einmal, dass die Kirche sein Leben als Vorbild anerkennt; dass dieser Mensch insbesondere von Gott her eine Sendung bekommen hat und diese Sendung in Treue gelebt hat. 

 

Was heißt das konkret im Fall Romero? 
Insbesondere als Erzbischof von San Salvador hat er sich eingesetzt für die Armen, eingesetzt gegen Unterdrückung. Als dann sein Land in den Bürgerkrieg schlitterte, wurde er zu einem Fürsprecher des Friedens - und hat sich damit Feinde gemacht. 

 

Inwiefern?
Vor allem in Bezug auf die damalige Regierung. Er hat die Soldaten aufgefordert, die Waffen niederzulegen und nicht auf die eigene Bevölkerung zu schießen. Das war im Grunde eine Kriegserklärung gegen das herrschende System. 

 

Womit begründete Romero diesen radikalen Schritt? 
Mit dem Evangelium - und mit dem Glaubenszeugnis, das er geben wollte. Denn der Glaube beinhaltet, sich für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen. 

 

Das klingt wie ein Vorgriff auf eine der zentralen Botschaften von Papst Franziskus. 
Die Seligsprechung macht deutlich, dass Romero weiterwirkt in die Kirche hinein. Auch wenn das Verfahren aufgrund mancher Widerstände lange gedauert hat, weil das Attentat als rein politische Tat gewertet wurde. Die Kirche sagt nun: Romero ist aus dem Glauben heraus für die Armen eingetreten, und das hat sein Märtyrertum besiegelt.

 

 

Bernd Klaschka nimmt an der Seligsprechung teil. Foto: kna-bild

Sie kannten Oscar Romero persönlich. Was war das Besondere an ihm?
Dieser ungewöhnliche Kirchenmann war stark im Wort, aber nie aggressiv. Er war stark in seiner Haltung, aber nie einfordernd. Er war nahe bei den Menschen, insbesondere nahe bei denen, die in Not waren.

 

Verbinden Sie das mit konkreten Erlebnissen? 
Ich kann mich gut erinnern, dass sein Name nach der Ermordung seines Landsmanns und Freundes, des Jesuiten Rutilio Grande 1977, sehr schnell in der Kirche Lateinamerikas bekanntgeworden ist. Wir haben damals seine Predigten sehr aufmerksam verfolgt; auch die Art, wie er sich den Armen genähert hat. Persönlich kennengelernt habe ich ihn 1979 bei der dritten Generalversammlung des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM in Mexiko. 

 

Wie haben Sie 1980 von der Ermordung Romeros erfahren? 
Ich betete damals mit meiner Gemeinde in Mexiko den Kreuzweg. Und an der fünften oder sechsten Station flüsterte mir jemand zu: "Romero ist umgebracht worden." Und ich habe diese Nachricht sofort weitergegeben. Alle waren sehr betroffen. Aber im Grunde genommen hatten wir befürchtet, dass so etwas eines Tages geschehen würde.

 

Welche Impulse erhoffen Sie sich von der Seligsprechung für die Menschen in El Salvador? 
Ich erhoffe mir für die Menschen in El Salvador, dass sie dem Vorbild Romeros folgend vereint gegen die Armut kämpfen. Denn die Mehrheit der Salvadorianer lebt in prekären Verhältnissen. Armut, diese Botschaft hat uns auch Romero hinterlassen, ist immer wieder etwas Menschenunwürdiges.

 

Die Beerdigung von Oscar Romero, der
1980 am Altar ermordet wurde. 
Foto: kna-bil
Oscar Romero wird vom Volk verehrt.
Zur Seligsprechung werden 280.000 Menschen
erwartet. Foto: kna-bild

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hintergründe zur Seligsprechung

Feiertag: El Salvadors Politik hat die Weichen gestellt, dass möglichst viele Menschen am Samstag die Seligsprechung von Erzbischof Oscar Romero miterleben können. Das Parlament des mittelamerikanischen Landes entschied, dass alle öffentlichen Institutionen sowie die Schulen am Freitag und Samstag geschlossen bleiben.

Prominenz und Sicherheit: Ranghohe Politiker aus ganz Lateinamerika werden erwartet. Zugesagt haben unter anderen die Staatspräsidenten von Ecuador, Panama und Honduras. Aus Costa Rica, Kuba und Belize haben die Vizepräsidenten zugesagt. Mexiko, Brasilien, Kolumbien, Chile, USA, Italien, Nicaragua und Uruguay senden Delegationen. Rund 3.700 Polizisten und Militärs sind im Einsatz. Mehr als 45.000 Menschen, darunter ehrenamtliche Helfer, Feuerwehrleute und Sanitäter, sind am Sicherheitskonzept beteiligt. 1.400 Jugendliche haben sich als Freiwillige zum Dienst gemeldet. 
 

Kardinal Angelo Amato, Leiter der
Heiligsprechungskongregation, führt die Selig-
sprechung durch. Foto: kna-bild

Weltkirche: Auch zahlreiche Kirchenvertreter kommen nach San Salvador: Neben den Kardinälen Oscar Rodriguez Maradiaga (Honduras), Leopoldo Brenes (Nicaragua), Jose Luis Lacunza (Panama) und Jaime Ortega (Kuba) könnten "eventuell noch zwei weitere Kardinäle aus den USA nach El Salvador kommen", berichten die Organisatoren. Insgesamt werden rund 100 Bischöfe sowie 1.500 Priester erwartet, überwiegend aus Mittelamerika und Lateinamerika. Aus Deutschland sind der emeritierte Weihbischof und frühere Hauptgeschäftsführer des Hilfswerks Misereor Leo Schwarz sowie Adveniat-Hauptgeschäftsführer Bernd Klaschka angereist. Die Seligsprechung führt im Auftrag von Papst Franziskus Kardinal Angelo Amato durch, der Leiter der Heiligsprechungskongregation. 

Lange Anreise: Zwei Franziskaner-Schwestern aus Costa Rica haben eine der längsten Anfahrten auf dem Landweg auf sich genommen. Maria Inmaculada Zulay Garita y Etilma und Maria Oviedo Viquez saßen insgesamt 22 Stunden ununterbrochen im Bus, um rechtzeitig nach San Salvador zu gelangen. 

Kritik: Eine Gruppe von Aktivisten sozialer Bewegungen kritisiert die Inszenierung der Seligsprechung als einen "Romeroismus ohne Romero". Viele, vor allem junge Romero-Anhänger seien deshalb enttäuscht. Die "Stiftung Monsenor Romero" warf den Verantwortlichen vor, nur einen "Romero light" präsentieren zu wollen, der "für die Oligarchen und die konservative katholische Kirche nicht zu unbequem ist". 

Wiederaufnahme: Die Staatsanwaltschaft El Salvadors prüft laut einem Bericht der Tageszeitung "La Prensa" unter Berufung auf Rechtsanwalt Alejandro Diaz den Antrag auf Wiederaufnahme der Ermittlungen im Mordfall Romero. Die Menschenrechtlerin Maria Elena Sanabria: "Eine Rücknahme des Amnestiegesetzes könnte die Tür für die Aufarbeitung nicht nur dieses, sondern auch vieler anderer bislang ungeahndeter Fälle öffnen." Zahlreiche Organisationen der Zivilgesellschaft schlossen sich der Forderung an. 

Flughafen Romero: Zu der Zeremonie auf dem Platz "El Salvador del Mundo" in San Salvador werden nach offiziellen Angaben mehr als 280.000 Teilnehmer erwartet. Die Feier soll laut Medienberichten in mehreren Landesteilen auf Großbildschirme übertragen werden. Auf dem Internationalen Flughafen in San Salvador, der den Namen Romeros trägt, werden Sonderschichten eingelegt, um die zahlreichen Besucher und Pilger aus der ganzen Welt abzufertigen. Der Flughafen "Arzobispo Oscar Arnulfo Romero" ist zugleich eines der wichtigsten Drehkreuze für Flüge innerhalb Mittelamerikas. 

Prozession: Mit einer Lichterprozession beginnen die Feiern an diesem Freitagnachmittag (Ortszeit). Am Abend schließt sich ein Gottesdienst mit dem honduranischen Kardinal Rodriguez an. Nach einer Gebetswache, die von 21.00 Uhr bis 5.00 Uhr morgens dauern soll, beginnt am Samstag (Ortszeit) das eigentliche Programm.

kna