05.05.2016

Vorbild für Angebot in Havanna ist die Osnabrücker Wärmestube

Suppenküche soll bald starten

Sie sind ein eingespieltes Team: Heike und He-Jo Jünemann bieten vor den Weltgebetstagen Infoabende zu dem Land an, das im Mittelpunkt steht. 2016 war dies Kuba. Und Jünemanns sammelten Spenden, die an die kubanische Partnergemeinde von Christus König gehen.

 

He-Jo und Heike Jünemann (v.r.) sammelten Geld für die Kirchengemeinde St. Nicholas in Havanna. Deren Partner aus Christus König, Sabine Hülsmann (v.l.) und Jutta Erpenbeck, freuen sich über die Spende. Foto: Roland Juchem

Das macht Heike Jünemann Spaß: Im Vorfeld eines Weltgebetstages lässt sie sich über das jeweilige Land informieren, das im Mittelpunkt steht, und gibt ihr Wissen in der Region Osnabrück weiter. Sie besucht die Bundeswerkstatt, die Landeswerkstatt im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen und vermittelt in Osnabrück die Informationen an Frauen aus den Gemeinden. Denn viele Gemeinden bieten Abende zum Weltgebetstag an, in denen mehr erzählt werden kann als später im Gottesdienst. Kultur, Glaube, der Alltag der Menschen und die Lage der Frauen – all das fließt in die Informationen über ein Weltgebetstagsland ein.

In diesem Jahr stand Kuba im Mittelpunkt. Heike Jünemann ist oft eingeladen worden, selbst über ihre Eindrücke aus dem Land zu berichten, das sie zuvor auch bereist hat, gemeinsam mit ihrem Mann Hermann-Josef, genannt He-Jo. Er ist bei den Vorträgen zuständig für die Technik, für Beamer, Diashow und Musikbeispiele per CD. Es trifft sich gut, dass der frühere „Weltgebetstag der Frauen“ zwar nach wie vor Frauen in den Mittelpunkt stellt und von Frauen vorbereitet wird, aber ausdrücklich alle Gläubigen an dem Tag teilnehmen können.

Heike Jünemann, die in der evangelischen Michaelisgemeinde zu Hause ist, stellt bei den Info-Abenden stets eine Sammeldose für Spenden auf. Diese fließen dann in ein Projekt im Weltgebetstagsland. Beim Stichwort Kuba hat Jünemann dann gleich an die Partnerschaft der Christus-König-Gemeinde mit der St.- Nicholas-Gemeinde in Havanna gedacht. Und so spendeten die Zuhörer Geld, das jetzt der katholischen Gemeinde in Havanna für die Finanzierung eines Mittagstisches für Senioren und Arme zur Verfügung gestellt wird. 1400 Euro kamen zusammen.

Ein Arzt verdient etwa 30 Euro im Monat

Jutta Erpenbeck ist froh, dass der Freundeskreis Kuba der Christus-König-Gemeinde den Katholiken in Havanna diese große Summe spenden kann. Die Kubaner seien bei ihrem Besuch in Osnabrück vom Projekt Wärmestube sehr angetan gewesen, erzählt Erpenbeck. Nun solle in Havanna eine Art Suppenküche aufgebaut werden, in der arme und alte Menschen eine Mahlzeit umsonst erhalten.
Die Verarmung der kubanischen Bevölkerung sei groß. Wer keine Gelegenheit habe, in der Tourismusbranche Geld zu erwirtschaften, müsse mit großen Einschränkungen leben. „Ein Arzt verdient etwa 30 Euro im Monat“, erzählt Erpenbeck, die vor eineinhalb Jahren zu Gast in Kuba war. Besonders treffe die Armut aber die alten Menschen. 

Wie stark die Bevökerung Kubas sich einschränken muss, hat auch Heike Jünemann erfahren. Zusammen mit ihrem Mann hat sie 2015 das Land bereist. Sie war mit einer Reisegruppe unterwegs, die einen staatlichen Reiseführer zur Seite gestellt bekam. Vieles habe an die DDR erinnert. Der Reiseleiter sei ständig kontrolliert worden, zu essen gab es Reis und Bohnen. Es habe sonst fast nichts zu kaufen gegeben, die Menschen müssten mit Lebensmittelkarten einkaufen gehen. Kontakt zu Ausländern sei nicht erwünscht. Auch wenn inzwischen Fidel Castros Bruder Raul das Sagen habe, so sei der politische Kurs in dem kommunistischen Land doch gleich geblieben.

Dass man nicht offen über alles sprechen könne, sei auch in den Unterhaltungen mit den kubanischen Freunden zu spüren, sagt Erpenbeck. In St. Nicholas hat inzwischen auch der Pfarrer gewechselt. Einige Mitglieder der kubanischen Kirchengemeinde haben einen „Freundeskreis Osnabrück“ gegründet, um die Partnerschaft weiterzuführen.

Andrea Kolhoff