12.09.2016

Anfrage

Trägt nur der Papst ein weißes Scheitelkäppchen?

Ein weißes Scheitelkäppchen (Pileolus) ist doch eigentlich dem Papst vorbehalten. Nun habe ich zum wiederholten Male gesehen, dass der Abt der Zisterzienserabtei Heiligenkreuz bei Wien zu besonderen Anlässen ebenfalls ein solches trägt. Gibt es dafür eine Erklärung? P. L.,  Würselen

Dass neben Bischöfen auch Ordensleute – seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil jedoch sehr selten – ein baumwollenes Scheitelkäppchen in unterschiedlichen Farben tragen, ist ein Relikt aus früheren Zeiten, als es noch die Tonsur (ausrasierte Kopfstelle) für Mönche gab. Hier war dieses Scheitelkäppchen – etwa seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar – in unterschiedlichen Größen ein Schutz für den blanken Kopf. 

Die Farbe dieses Käppchens war die des Ordensgewandes, also etwa bei Zisterziensern, Prämons-tratensern oder Paulinern auch weiß, jedoch nicht aus der Moiré-Seide, aus der der Pileolus des Papstes gefertigt ist – und auch nicht in Gegenwart des Papstes getragen. Einzelne Äbte und Ordensobere, etwa der Abt von Einsiedeln oder der von Wettingen-Mehrerau, die als „Territorialabtei“ quasi ein bistumsähnliches Gebiet leiten, und weitere Generaläbte (zum Beispiel Zisterzienser oder Augus-tiner Chorherren) und Hochmeister (zum Beispiel Deutscher Orden) tragen dieses Scheitelkäppchen wie Bischöfe in violett. 

Der heute vor allem übliche Gebrauch des Pileolus – jedoch anders als das „Tonsurkäppchen“ – ist: für den Papst in weißer Seide, für Kardinäle in scharlachroter Seide (früher Purpur), für Bischöfe in violetter Farbe.

Der Pileolus wird auch „Soli Deo“ genannt. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass dieser Hut „nur vor Gott“ gezogen wird, also von den Zelebranten der Eucharistie-feier zum Sanctus vor der Wandlung bis nach der Kommunion, bei eucharistischen Prozessionen und Anbetungen sowie in Gegenwart des Papstes als Stellvertreter Christi auf Erden. Er heißt auch „Submitrale“ oder „Subbiretum“. Das rührt daher, dass der Pileolus „unter der Mitra“ sowie „unter dem Birett“ getragen wird und ursprünglich ein Schutz für diese Kopfbedeckungen vor Schweiß oder Schmutz ist. Der Pileolus wird auch außerhalb der Liturgie zur Soutane getragen und ist nicht zu verwechseln mit der jüdischen Kippa als Kopfbedeckung, die gerade in der Gegenwart Gottes aufgesetzt – und nicht abgesetzt – wird.

Von Michael Kinnen