06.06.2014

Akademieabend der Caritas im Forum am Dom

Über Waffenhandel und Solidarität mit Afrika

Kleinwaffen aus Fabriken in Europa landen trotz Ausfuhrbeschränkungen in Krisengebieten in aller Welt. Auch aus Deutschland verbreiten sie sich so weltweit. Beim Akademieabend "Welche Solidarität? – Zwischen Waffenhandel und Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika" der Caritas im Forum am Dom standen die Opfer und Profiteure im Mittelpunkt.

 

Die Podiumsgäste standen beim Akademieabend "Welche Solidarität? – Zwischen Waffenhandel und Entwicklungs- zusammenarbeit mit Afrika" Rede und Antwort und diskutierten rund um die Problematik des Waffenhandels.

"Was haben Konflikte in Afrika mit uns zu tun?", fragte der Caritasratsvorsitzende Diakon Dr. Gerrit Schulte bei seiner Begrüßung. Ein Blick auf unser Handy, in dem Coltan aus Afrika verarbeitet wurde, gebe uns die Antwort. Denn der Zugang zu Rohstoffen wird häufig mit Waffengewalt erkämpft. "Ein wesentliches Problem ist, dass Waffen in den afrikanischen Ländern verheerend einfach und billig zu bekommen sind", ergänzte Hannes Stegemann.

"Kleinwaffen sind die Massenvernichtungswaffen unserer Zeit, über 100 Menschen kommen schätzungsweise täglich durch Waffen ums Leben, die von der deutschen Firma Heckler&Koch gefertigt wurden", erläutert Ralf Willinger von terre des hommes. Als "Kleinwaffen" werden auch Maschinenpistolen und tragbare Raketenwerfer bezeichnet. Durch die Vergabe von Lizenzen zum Bau von Waffen laufen deutsche Waffen auch in Saudi-Arabien vom Band. Illegale Verbreitungswege und die Tatsache, dass Kleinwaffen eine "Haltbarkeit" von 30 bis 50 Jahren haben, mache das ganze Ausmaß deutlich, so Willinger.

Der Bau und Verkauf von Waffen auf der einen Seite, die Benutzung der Waffen auf der anderen Seite führte schließlich zu der Frage: Was sind die Ursachen für Konflikte in Afrika, in denen diese Waffen zum Einsatz kommen? Prof. Dr. Ulrich Schneckener wies dabei auf den Charakter lokaler Konflikten hin. "Häufig haben diese Konflikte eine Eigendynamik, in der Gewalt eine stehende Größe ist. Waffen sind daher nicht der Grund für Konflikte". Allein durch einen Waffenlieferungsstopp seien Konflikte folglich nicht einfach aus dem Weg geräumt. Es gehe viel mehr darum, die politische und zivilgesellschaftliche Realität vor Ort in den Blick zu nehmen. Die Unterstützung von Staatsbildungsprozessen könne langfristig helfen, Konflikten vorzubeugen.

 

Medien müssen über die Hintergründe informieren
 

Doch häufig werden Konflikte durch die Interessen europäischer Staaten in Afrika instrumentalisiert, ergänzte Stegemann am Beispiel von Mali, wo bis vor Kurzem ein Bürgerkrieg tobte. "Bei diesem Konflikt geht es eindeutig um das französische Interesse, den Zugang zu Ressourcen zu sichern. Hier wurde eine bewusste Destabilisierung der Region von außen vorgenommen."

"Eine einseitige Betrachtung der Situation, auch gefördert durch die Medien, wird den verschiedenen Konflikten nicht gerecht", sagte Kückmann. Die Aufgabe der Medien sei es, möglichst hintergründig zu informieren, um den Lesern so die Möglichkeiten zu geben, Krisen und Konflikte einzuordnen. "Unsere Werte und unser Verantwortungsgefühl dürfen nicht an den Grenzen Europas enden."

Zum Hintergrund: Anlass für den Akademieabend war das Projekt "Symbiosis" von Caritas international. Dabei wurden Bürgerkriegswaffen aus Burundi unschädlich gemacht und von den Künstlern Peter Zizka und Matthias Rettner zu Exponaten umgestaltet. Der Caritasverband für die Diözese Osnabrück e.V. hat im Rahmen der Caritas-Kampagne "Globale Nachbarn – Weit weg ist näher, als du denkst" eines der Exponate erworben und unterstützt damit die Caritas-Friedensarbeit in Burundi. Bis zum 18. Juni ist das Exponat noch im Forum am Dom ausgestellt.