15.07.2015

Bibel und Bildhauerei – Angebot zum Atemholen in Frenswegen

Und wo ist die Macke?

Aufatmen kann anstrengend sein: Frauen aus der Osnabrücker Gemeinde St. Johann werkelten im Kloster Frenswegen an eigenen Skulpturen. Die Arbeit im Freien und Momente der Besinnung ließen die Anforderungen des Alltags vergessen.

 

Auf dem Klostergelände arbeiten die Hobbybildhauerinnen mit Fäustel, dem Hammer aus Eisen (l.), und Knüpfel. Foto: Andrea Kolhoff

„Da hast Du ’ne Macke“, sagt Gerd Wieners und zeigt auf die Stelle im Stein. „Ach ja, danke schön, ich schätze ein offenes Wort“, antwortet Andrea Stuckenberg-Egbers und lacht. Dann schaut sie sich an, was Wieners meint. Die Skulptur, die sie anfertigt, hat am Rand eine unschöne Delle, weil sie hier zu kräftig Sandstein weggemeißelt hat.

Kursleiter Wieners ist schon wieder weitergegangen, um das nächste Werk in Augenschein zu nehmen. Doch Stuckenberg-Egbers’ Nachbarin an der Werkbank weiß Rat. Anja Christiane Heller  reicht ihr eine Feile, mit der man grob den Rand bearbeiten kann. „Ach, das ist ein guter Tipp“, sagt Andrea Stuckenberg-Egbers, „dann kann ich damit auch die Macken wegmachen.“ Und sie legt los. Jetzt ist nur noch das Feilen und Klopfen zu hören.

Die zwei Frauen, die so emsig an ihren Objekten aus Gildehauser Sandstein arbeiten, gehören zu den Teilnehmerinnen eines Wochenendseminars, das unter dem Motto „Atemholen“ steht. Es findet unter Anleitung von Gerd Wieners im Kloster Frenswegen bei Nordhorn statt. Fünf Frauen aus der Osnabrücker Pfarrei St. Johann haben sich auf den Weg gemacht, um von Freitagabend bis Sonntagmittag zu beten und zu arbeiten.

Am Freitag haben sie sich einige Skulpturen angeschaut, die rings um das Kloster stehen, dann konnten sie sich einen passenden Stein für ein eigenes Werk aussuchen. Und so stehen sie am Samstag am Heuerhaus im Freien und legen los. Schnell haben alle den richtigen Dreh raus: Mit einem Hammer – dem Fäustel – schlagen sie auf das Spitzeisen ein. Wenn sie ein Flacheisen verwenden, kommt der Knüpfel aus Holz zum Einsatz 

Tipps zur Bearbeitung des Steins kommen nicht nur von Gerd Wieners, Gemeindereferent, geistlicher Begleiter und geübter Hobbybildhauer, sondern auch von Ferdi Santel aus Nordhorn. Er bildhauert ebenso begeistert wie Wieners und steht den Anfängerinnen an diesem Tag geduldig zur Seite.

„Ich guck' erst mal, was sich entwickelt"

Andrea Lienkamp möchte aus ihrem Stein einen Brunnen machen, der auf der Terrasse stehen soll – Ferdi Santel bohrt das Loch für den Wasserschlauch. Petra Herrmann arbeitet an einer Skulptur, die ein Teelicht fassen kann – Santel hilft dabei, eine gleichmäßige Vertiefung hinzukriegen. Er packt mit an, wo jemand mal was halten muss und ist auch mit der Flex zur Stelle. „Ich bin heute der Mann fürs Grobe“, sagt er und lacht.

Im Laufe des Nachmittags entstehen Skulpturen, die so unterschiedlich sind wie die Frau, die sie anfertigt. Andrea Stuckenberg-Egbers, Gemeindereferentin in St. Johann, fertigt eine Figur an, die an einer Mauer lehnt. Beate Schwarzkopf hat sich für ein handliches Deko-Objekt mit einem Blattmotiv entschieden und dekoriert es am Schluss mit Rinde und Blüten. Anja Christiane Heller arbeitet dreiteilig: auf eine Platte, die als Standfläche dient, setzt sie den massiven Rumpf einer Figur und steckt eine schwere Platte als Kopf hinein. „Ich guck’ erst mal, was sich entwickelt“, sagt sie, „der Weg ist wichtig“.

Heller und Schwarzkopf  schätzen es, dass sie sich heute mit etwas Handfestem beschäftigen. „Man macht sonst so viel mit Reden und Denken“, sagt Beate Schwarzkopf. „Das kreative Tun hilft, den Kopf abzuschalten“, meint Heller. Für die Frauen ist es optimal, dass der Kurs in Frenswegen stattfindet und man nicht in die Situation kommt, mal eben dies oder jenes erledigen zu wollen. Ja, erzählt Wieners, zum Kursauftakt hätten alle Frauen gesagt, sie seien „hier zum Atemholen“.

Das ist offenkundig gelungen. Petra Herrmann, Erzieherin im Kindergarten St. Pius, ist mit ihrem Objekt als Erste fertig und sagt: „Die Zeit ist wahnsinnig schnell herumgegangen und man hat an nichts gedacht.“

Andrea Kolhoff