22.10.2015

Auszeichnung für Väter-Erzähl-Werkstatt

Viele Ideen und Tipps für Papa

Wie können wir die Väter besser erreichen? Und wie können wir die religiöse Kompetenz der Eltern stärken? Kindergärten suchen nach Projekten für solche Fragen. St. Jakobus in Sögel hat für beide eine Antwort gefunden – und bekommt dafür einen Preis.

Freunde sind wichtig: Über Themen wie dieses spricht Irmgard Welling bei der Väter-Erzähl-Werkstatt mit den Kindern und ihren Papas. Foto: Petra Diek-Münchow

„Wollen wir hinübergehen?“ Mit einladender Geste bittet Irmgard Welling die Papas und Kinder nach nebenan. Bunte Tücher liegen auf dem Boden, eine Kerze brennt in der Mitte. Rundherum liegen Bücher, Fotos und Bilder: von Jungen und Mädchen beim Spielen, von Jugendlichen beim Eisessen, von Senioren beim gemütlichen Plausch. Die Leiterin der Kindertagesstätte St. Jacobus in Sögel will heute über Freunde und Freundschaft sprechen – das sehen Markus Resing und Thomas Gorniak, Jürgen Nortmann und Andreas Keller gleich. Und auch die Kinder haben das schnell erkannt. Lenja und Anna, Klara und Emilia, Hanna, Tom und Merve hören aufmerksam zu, als Irmgard Wellig erzählt, wie wichtig Freunde sind.

Wozu sich die Papas und Kinder hier treffen, das ist die „Väter-Erzähl-Werkstatt“ des Sögeler Kindergartens. Seit 2009 lädt das Kita-Team einmal im Jahr alle Papas dazu ein. „Das ist oft eines der bestbesuchten Elternangebote“, sagt Irmgard Welling. Väter und Kinder sitzen im Stuhlkreis um die Jesus-Kerze, hören biblische Geschichten und singen Lieder, betrachten religiöse Bilderbücher und passende Fotos.

Die Themen bereitet Irmgard Welling vor. Sie sollen den Vätern Gedankenanstöße auch für Gespräche in den Familien liefern. Über das Beten mit Kindern. Über Angst und wie man damit umgeht. Über Danken und Staunen über Gottes Schöpfung. 30 Minuten dauern diese religiösen Impulse, danach ist noch Zeit für einen gemütlichen Austausch. Bei der Stiftung „Gottesbeziehung in Familien“ ist das Projekt so gut angekommen, dass der Kindergarten im Dezember einen Preis als „Leuchtturmprojekt für religiöse Elternkompetenz in Kindertagesstätten“ erhält (siehe auch „Zur Sache“).

Die Kinder genießen es, den Papa einmal ganz für sich zu haben

Die Auszeichnung bestärkt Irmgard Welling darin, die Eltern als Partner in die Arbeit einzubeziehen. „Vor allem die Väter wollen mehr als früher am Kindergartenleben ihrer Kinder teilhaben“, sagt die Leiterin. Deshalb planen sie einmal im Jahr auch ein Vater-Kind-Zelten: mit Kirchturmführung, mit Stockbrot am Lagerfeuer, mit Spiel und Spaß. „Die Kinder genießen es, den Papa einmal ganz für sich zu haben.“

Sie findet es aber sehr wichtig, diesen intensiveren Kontakt zum Kindergarten mit religionspädagogischen Angeboten zu verknüpfen. Denn vielen Eltern fällt es zunehmend schwerer, mit ihren Kindern über religiöse Themen zu sprechen und ihren Glauben weiterzugeben. Das Gebet am Mittagstisch oder am Abend, das kleine Kreuzzeichen morgens auf die Stirn sind schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr. Die „Erzähl-Werkstatt“ will den Vätern ohne erhobenen Zeigefinger zu mehr religiöser Kompetenz verhelfen und bei Erziehungsfragen zur Seite stehen. „Einmal habe ich einfach erklärt, dass sie auch selbst ihre Kinder segnen können und das vorgemacht“, erzählt Irmgard Welling. Die Männer nehmen solche Tipps genauso dankbar wie unkompliziert an.

Bei den Vätern kommt das Angebot gut an. „Die Treffen sind immer super interessant. Da konnte ich viele Gedanken und Ideen  mit nach Hause nehmen“, sagt Jürgen Nortmann. Die anderen Väter nicken und erzählen, dass sie manchen Tipp und Impuls erhalten haben, den sie sonst nicht bekommen – wie über das Thema Beten oder wie man Märchen religiös verstehen kann. „Das behält man dann auch und vergisst es nicht gleich wieder“, sagt Thomas Gorniak. Genauso gut finden sie, dass Zeit bleibt für einen Plausch. „Ganz ehrlich – so oft haben Männer heute keine Gelegenheit nur unter sich einfach mal zu reden“, meint Nortmann. Und auch das gehört zu der Erzählwerkstatt.

Petra Diek-Münchow

 

 

 

Zur Sache

Die Stiftung Gottesbeziehung in Familien, eine Initiative von Theologen der Universität in Tübingen, will die religiöse Kommunikation zwischen Eltern und Kindern zu Hause und in Kindertagesstätten stärken. Deswegen hatte sie im vergangenen Jahr einen Wettbewerb gestartet, um beispielgebende Projekte zu sammeln.

Eins dieser „Leuchtturmprojekte “ ist das Väterprojekt in St. Jakobus in Sögel. Die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung soll im Dezember offiziell überreicht werden – verbunden mit einem Vortrag des Tübinger Professors und Stiftungsgeschäftsführers Alfred Biesinger. Internet: www.stigofam.de
Der Kindergarten ist in Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde St. Jakobus.