09.08.2016

In Venhaus ist ein "Schöpfungsweg" entstanden

Was Gott uns geschenkt hat

Aufatmen und auftanken – die Pfarreiengemeinschaft Spelle setzt das Bistumsmotto mal ganz anders um. Viele Menschen haben dort gemeinsam Skulpturen für einen „Schöpfungsweg“ gebaut.

„Wo ist die schwarze Farbe?“ Lena legt den Pinsel weg und schaut sich suchend um. Sie will die Punkte auf ihren Marienkäfer malen. „Warte, ich gebe sie dir“, sagt Maria Kampel, reicht die Tube hinüber und sieht mit einem Schmunzeln zu, wie das Mädchen sich eifrig ans Werk macht.
Genau wie die anderen sieben Jungen und Mädchen, die sich auf dem Hof Kampel in Venhaus getroffen haben. Zusammen mit Katechetin Maria Kampel und Gemeindereferentin Johanna Weßel modellieren sie Pappmasché-Tiere für einen „Schöpfungsweg“: Delfine, ein Hund und ein Pferd, eine Taube und ein Schmetterling, ein Schwein und ein Kaninchen. Ein schönes Bild für den fünften und sechsten Tag aus dem Buch Genesis: „Gott füllt das Meer mit Fischen und den Himmel mit Vögeln....“

Lauter bunte Tiere: Die Kinder basteln Pferde und Fische, Marienkäfer und Schmetterlinge für den neuen „Schöpfungsweg“ neben der Kirche in Venhaus. Foto: Petra Diek-Münchow

 

Der „Schöpfungsweg“ ist eine von mehreren Ideen in der Pfarreiengemeinschaft Spelle zum „Jahr des Aufatmens“. Fast in jedem Monat gibt es dabei in Spelle, Lünne, Schapen oder Venhaus Angebote zum Innehalten und Auftanken. Zum Beispiel, in dem man gemeinsam etwas (er)schafft und dadurch neu zu Atem kommt. „Wir können in der Natur wunderbar betrachten, was Gott uns geschenkt hat – und wodurch uns der Atem geschenkt worden ist“, erklärt Kampel.

 

Skulpturen aus Stahl, Stein und Glas

 

Die Katechetin hat sich viele Gedanken über den „Schöpfungsweg“ gemacht und die passenden Schriftstellen in der Bibel intensiv gelesen. Für jeden der sieben Schöpfungs-Tage hat sie Modelle entworfen, die in große Skulpturen aus Stahl, Stein und Glas umgesetzt werden. Vieles liegt in Händen von Maria Kampel und Johanna Weßel. Aber auch Frauen aus der katholischen Frauengemeinschaft, Firmlinge, Zeltlagergruppen und Kinder packen mit an. Einige ortsansässige Firmen unterstützen das Projekt mit Materialien und Konstruktionen. Und mit einem Zuschuss fördert sogar der „Andere-Zeiten-Missionspreis“ das Projekt – als originelle Aktion zur Festigung des christlichen Glaubens.

Was es im Burgpark in Venhaus zu sehen gibt? Ganz verschiedene Interpretationen der Schöpfungs-Tage, begleitet von den Texten aus der Bibel und dem Sonnengesang des Franziskus. Eine Gruppe baut eine Solaranlage, eine andere sägt aus Porenbeton Fische und Vögel heraus. Maria Kampel zeigt eine hohe Stahlplatte, die noch auf ihrem Rasen steht: ein Schlüsselloch ist dort ausgefräst worden – als Sinnbild für den Anfang. Ein paar Schritte weiter liegt eine Platte, beklebt mit Spiegelsteinen. Wer hineinschaut, sieht sich selbst – den von Gott erschaffenen Menschen. „Jeder ist einmalig und wertvoll“, sagt Johanna Weßel. Entstanden ist diese Station beim „Fest der Kulturen“, mit Menschen aus vielen Ländern.

Und dann steht unter einem schützenden Dach hinter der Scheune auch noch ein überdimensionaler Globus: 1,40 Meter im Durchmesser, tonnenschwer, die Kontinente und Meere zusammengesetzt aus hunderten kleiner Mosaikteilchen. „Eine Welt für alle“, fasst Maria Kampel die Idee dahinter zusammen. Was gibt es für den siebten Tag, den Sonntag? Johanna Weßel schmunzelt und sagt: „Da stellen wir einfach zwei Bänke auf, die ebenfalls selbst gefertigt werden.“ Auf ihnen kann jeder Gast Platz nehmen und sich ausruhen. „Ich wünsche mir, dass man dort den eigenen Atem spürt, den wir von Gott haben und dass wir in der Natur Gott wahrnehmen“, sagt Maria Kampel.
Sind die beiden Frauen bei der Produktion selbst mal zu Atem gekommen? Die Gemeindereferentin lacht und beobachtet, wie einige Kinder schon auf dem Rasen herum toben und andere noch an ihren Tieren malen. Sie nickt mit dem Kopf. „Ich habe bei dieser Arbeit manchmal einfach die Zeit vergessen  – und das war dann sehr entspannend.“

Petra Diek-Münchow

 

Der neue „Schöpfungsweg“ wird im Burgpark in Venhaus aufgebaut, direkt bei der katholischen Kirche. Die verschiedenen Skulpturen werden am Sonntag, 14. August, ab 17 Uhr vorgestellt und gesegnet. Jeder kann dann, begleitet von geistlichen Impulsen, selbst über den „Schöpfungsweg“ gehen.

Die Präsentation ist die letzte Station bei der „Tour de Turm“, zu der die Pfarreiengemeinschaft Spelle im „Jahr des Aufatmens“ einlädt. Wer mag, kann dabei am 14. August eigenverantwortlich die vier Kirchen besuchen: von 14 bis 15 Uhr gibt es im Wöhlehof ein Modell der alten Speller Kirche und eine Kreuzausstellung zu sehen, von 15 bis 16 Uhr sind Gäste nach Schapen und von 16 bis 17 Uhr nach Lünne eingeladen.