26.09.2016

Anfrage

Was wurde aus dem Katakombenpakt?

Was ist aus dem Katakombenpakt geworden? Warum macht man solch ein Geheimnis daraus? K. B., 49565 Bramsche

 

Der Katakombenpakt erlebt seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus sicher eine Wiederbelebung, auch wenn er nie tot war. Franziskus repräsentiert und fordert pointiert das, was damals beschlossen wurde. Nicht jeder Bischof – oder Christ allgemein – mag laut daran erinnert werden; ein Geheimnis ist der Pakt aber nicht.

Zur Erinnerung: Kurz vor Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils, im November 1965, trafen sich rund 40 Bischöfe aus allen Erdteilen in der römischen Domitilla-Katakombe und verpflichteten sich auf eine dienende und arme Kirche. Der Pakt griff das Leitwort Johannes’ XXIII. von einer „Kirche der Armen“ auf. Nach der Rückkehr vom Konzil wollten die Bischöfe ihr Leben ändern. Dem schlossen sich später weitere 500 Bischöfe an.

Sie verpflichteten sich, „so zu leben, wie die Menschen um uns her üblicherweise leben, im Hinblick auf Wohnung, Essen, Verkehrsmittel“; Bischöfe sollten nicht „als Reiche erscheinen“. 

Die Finanz- und Vermögensverwaltung ihrer Bistümer wollten sie in die Hände fachkundiger Laien legen und sich nicht mehr „mit Titeln … anreden lassen, in denen gesellschaftliche Bedeutung oder Macht ausgedrückt ist (Eminenz, Exzellenz, Monsignore …)“. 

Ausdrücklich verpflichteten sie sich zum „Dienst an den wirtschaftlich Bedrängten, Benachteiligten und Unterentwickelten“. „Gott helfe uns, unseren Vorsätzen treu zu bleiben“, endet das Schreiben.

Nach dem Konzil geriet der Pakt öffentlich unterschiedlich stark in Vergessenheit. Viele Bischöfe haben ihn sicherlich umgesetzt; ebenso etliche ihrer Nachfolger. Wie Menschen aber sind: Vorsätze halten mal länger, mal kürzer.

Gleichwohl: In fast allen Ländern werden Kirchenfinanzen inzwischen von fachkundigen Laien verwaltet. Die meisten Bischöfe hierzulande lassen sich mit „Herr Bischof“ anreden und nicht mit Exzellenz. Die „vorrangige Option für die Armen“ ist in Seelsorge und Theologie weltweit ein fester Begriff.

Fazit: Der Katakombenpakt zeigt Wirkung, auch wenn – wie im christlichen Leben üblich – jeder Mensch ein Sünder bleibt und in der Nachfolge Jesu stets besser werden kann.

Von Roland Juchem