19.12.2012

Heiligabend in der Wärmestube

Waschwannenweise Kartoffelsalat

Die Osnabrücker Wärmestube lebt von Spenden und dem Engagement der Ehrenamtlichen. Eine der Unterstützerinnen ist Barbara Hahnheiser. Heiligabend wird sie in der Wärmestube kochen.

 

Zusammen mit anderen Ehrenamtlichen kocht Barbara Hahnheiser (l.)
an Heiligabend in der Osnabrücker Wärmestube. Foto: Astrid Fleute

„Jedes Leben hat seinen Sinn, jeder Mensch hat seine Aufgabe“. Im Eingangsbereich der Wärmestube im ehemaligen Franziskanerkloster an der Bramscher Straße hängt ein Bild mit dieser Aufschrift. Barbara Hahnheiser hat sie zu ihrem Lebensprinzip gemacht: „Ich habe mich schon immer sozial engagiert“, erzählt sie. „Es ist doch sinnvoll, etwas zu tun.“ So war die 66-Jährige bereits ehrenamtlich als Schöffin aktiv, hat lange Zeit Kranke im ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus begleitet, pflegt zwölf Obdachlosengräber und kocht seit vier Jahren für bedürftige Gäste in der Wärmestube.

Alle 14 Tage ist die Rentnerin dienstags im Einsatz. 50 bis 70 Menschen kommen täglich zum Mittagessen in die soziale Einrichtung. „Da ist viel zu tun.“ Viele der Gäste kennt Barbara Hahnheiser mit Namen, sie freut sich, etwas für sie tun zu können.

Auch Heiligabend ist sie im Einsatz. In diesem Jahr zum vierten Mal. „Das ist eine unglaubliche Erfahrung“, erzählt sie. Etwa 450 Menschen kommen an diesem Tag in die Wärmestube. Menschen, die das Weihnachtsfest nicht zu Hause feiern können – weil sie kein Zuhause haben, weil sie zu wenig Geld haben, weil sie alleine sind. „Das ist sehr bewegend für mich. Ich könnte weinen, wenn ich daran denke“, erzählt Barbara Hahnheiser.

Heiligabend, erinnert sie sich, „war früher einfach wunderbar. Wir hatten ein Zuhause und Weihnachten in der Familie – mit meinen Eltern und meinen sechs Geschwistern. Mit dem Weihnachtsbaum im Wohnzimmer. Und diese Menschen kommen zu uns. Familien, die nicht genug Geld haben, um den Kindern an Heiligabend ein warmes Essen zu servieren“, ist sie erschüttert. Gerne helfe sie an diesem Feiertag. „Ich bin alleinstehend, die Familie ist weit weg, hier werde ich gebraucht, hier habe ich eine sinnvolle Aufgabe.“

450 Schnitzel müssen für die Weihnachtsfeier gebraten werden, dazu wird in Waschwannen Nudelsalat und Kartoffelsalat vorbereitet. Viele Ehrenamtliche helfen mit, dieses Fest für Einsame, Obdachlose und Bedürftige auf die Beine zu stellen. „Heiligabend herrscht hier ein ganz besonderes Flair“, sagt   Diakon Jochen Meyer, der Leiter der Wärmestube. „Viele Ehrenamtliche kommen ganz spontan, einfach so“, ist er vom selbstlosen Einsatz begeistert. (afl)