25.03.2015

Tanzverbot um Karfreitag: Leise Kritik, aber viel Verständnis für die „stillen Tage“

Wie eine lange Schweigeminute

Das Tanzverbot rund um Karfreitag sorgt jedes Jahr für Diskussionen. Doch die Menschen aus dem Bistum, sowohl Christen als auch Nichtgläubige, respektieren das Verbot.

Von Gründonnerstag bis Karsamstag müssen die Füße stillgehalten werden. Zumindest beim Tanzen. Nach dem niedersächsischen Feiertagsgesetz darf in den Karfreitag weder am Donnerstag hineingetanzt noch am Samstag hinausgetanzt werden. „Die Feiertage gelten nach dem Grundgesetz als sogenannte Tage der Arbeitsruhe und seelischen Erhebung“, erklärt Felix Bernard, Leiter des Katholischen Büros Hannover. Der Karfreitag sei für Christen ein besonderer Tag zum Gedenken der Todesstunde Jesu am Kreuz, sagt Bernard. „Das ist wie eine ausgedehnte Schweigeminute, geprägt von Trauer. Eine ausgelassene Tanzstimmung würde da nicht passen.“
Viele Christen und auch Nichtgläubige akzeptieren das Tanzverbot. Kritik und Unverständnis gibt es trotzdem alle Jahre wieder, vor allem von politischen Parteien. Sie fordern eine Aufhebung des Tanzverbots. Das sei in einer modernen, multikulturellen Gesellschaft einfach nicht mehr zeitgemäß, gibt Bernard die Meinung der Kritiker wieder.

Kreuztracht an Karfreitag statt Tanz: In Meppen nehmen jedes Jahr viele Menschen daran teil.                        Foto: Archiv

 

 

 

 

 

 

 

Das Verbot ist trotzdem gesetzlich vorgeschrieben. Die Stadt Osnabrück schreibt die großen Diskotheken jedes Jahr an, um auf das Tanzverbot hinzuweisen. Das scheint auszureichen. „Dieses Jahr haben wir bis jetzt keine geplanten Veranstaltungen entdeckt“, sagt Gerd Lindke aus dem Fachbereich Bürger und Ordnung. Dechant Bernhard Stecker hält eine Kritik für sinnlos: „Wir erinnern an diesem Feiertag an den Tod Jesu. Ohne diesen Sinn wäre auch kein freier Feiertag mehr nötig.“ Auch in den Osnabrücker Gemeinden sorge das Verbot nicht für Diskussionen. Im Gegenteil: „Gerade Betreiber kirchennaher Gaststätten kamen immer wieder auf uns zu. Ein Wirt hat mich mal gefragt, wie er den Feiertag in seiner Kneipe gestalten kann. Wir haben uns dann auf ein Karfreitagsessen geeinigt“, erzählt Stecker.

Stadt Meppen hat bisher nur gute Erfahrungen gemacht

Auch im Emsland ist das Verständnis für das Tanzverbot groß. Die Stadt Meppen informiert Betreiber und kontrolliert an den Feiertagen Veranstaltungen. „Wir haben bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht. Es läuft so, wie eine Stadt es sich wünscht“, sagt Florian Jürgens, Pressesprecher der Stadt Meppen. Der Dechant für die Region Emsland-Mitte, Johannes Bartke, glaubt, dass viele Gemeindemitglieder die Feiertagsabende traditionell mit der Familie verbringen, anstatt das Tanzbein zu schwingen. „Hier kommen an den Feiertagen besonders viele Menschen zu den Gottesdiensten“, sagt Bartke. „Es gibt genug Angebote, vor allem die Kreuztrachten sind beliebt.“

In Ostfriesland führt das Tanzverbot aus einem anderen Grund nicht zu Diskussionen. Die Stadt Emden informiert die Betreiber im Vorhinein über die Tagespresse, das funktioniert. Früher habe es einzelne Verstöße gegen das Verbot gegeben, sagt Martina Kiy vom Fachdienst für öffentliche Sicherheit und Ordnung. „Heute gibt es immer weniger Diskotheken, das Angebot an Veranstaltungen ist einfach sehr eingeschränkt“, sagt Kiy. Außerdem verhängt die Stadt Emden das ganze Jahr über eine zweistündige Gaststättensperrzeit. Die umliegenden Landkreise seien als Feierziel eventuell beliebter. „Früher haben die Landkreise sogar für eine Karfreitagsdisco geworben. Aber auch solche Angebote werden weniger“, sagt Kiy. Jens Albers, Sachbearbeiter im Bereich Gewerbe und Gaststätten der Stadt Aurich, kennt einen weiteren Grund für die oft nur leise Kritik. „Es ist schwer, die Grenzen auszumachen. Ein Konzert kann erlaubt sein, auch wenn dort ein DJ auftritt.“ Johannes Ehrenbrink, Dechant für das Dekanat Ostfriesland, kann ebenfalls keine Konflikte oder Kritik einzelner Kirchenmitglieder zum Tanzverbot aufzählen. „Es ist wichtig, diese Tage persönlich zu gestalten und mit Inhalt zu füllen“, sagt Ehrenbrink.

Den Tag der Ruhe bewusster schätzen

Felix Bernard beobachtet trotzdem, dass das Tanzverbot in den vergangenen Jahren vor allem von den Betreibern mehr in Frage gestellt wird. Ob sich der Konflikt in Zukunft also doch verstärken wird, Christen ihren Feiertag vehementer rechtfertigen müssen oder das Tanzverbot abgeschafft wird, kann er noch nicht abschätzen.Ein gutes Argument für das Tanzverbot kann er dennoch liefern: „In der schnelllebigen Zeit unserer Gesellschaft sind die Menschen vielleicht irgendwann froh über einen Tag der Ruhe, den sie bewusster zu schätzen wissen.“

Lisa Mathofer

 

 

Zur Sache

Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag sind die einzigen drei Feiertage, die bundesweit einem Tanzverbot unterliegen. An anderen Feiertagen unterscheiden sich die landesspezifischen Regelungen teils stark. An Aschermittwoch beispielsweise ist lediglich in Bayern das Feiern ganztägig untersagt. Auch zu Ostersonntag oder Heiligabend ist nicht in allen Bundesländern die Ruhe gesetzlich vorgeschrieben.

In Bremen handelt es sich eher um ein „Teilzeit-Tanzverbot“. Mit einer Novelle des Feiertagsgesetzes hatte die Bremische Bürgerschaft vor zwei Jahren beschlossen, den Schutz der „stillen Feiertage“ zu lockern. Am Volkstrauertag und am Totensonntag gilt das Verbot im Land Bremen von 6 bis 17 Uhr, am Karfreitag von 6 bis 21 Uhr. Mit diesem Gesetz blieben die „stillen Feiertage“ im Kern geschützt, sagen die Kirchen. Sie warnen jedoch vor einer weiteren Lockerung. Nicht ohne Grund: Im Jahr 2018 sollen die Tanzverbote im Bremischen Feiertagsgesetz gestrichen werden.