04.03.2015

Streit zwischen Landwirten und Misereor

Wieder zueinanderfinden

Die Enttäuschung sitzt tief. Viele Landwirte im Raum Weser-Ems fühlen sich durch Misereor an den Pranger gestellt, als wären sie für den Klimawandel verantwortlich. Beide Seiten müssen miteinander reden. Und das tun sie jetzt auch.

 

Landwirt Bernhard Barkmann in seinem Schweinestall in Messingen, in dem rund 1700 Tiere leben. Foto: Matthias Petersen

Bernhard Barkmann ist einer von 4500. So viele eigentständige Landwirte gibt es nach seiner Schätzung in den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bent­heim. Sie gelten als klein strukturierte Familienbetriebe. Auch der Hof der Barkmanns in Messingen, der drei Generationen ernährt. 1700 Mastschweine stehen im Stall, daneben leben hier 150 Bullen. Außerdem bewirtschaften Vater und Sohn einige Hektar Land. Was für die einen Massentierhaltung ist, ist für die Barkmanns Alltag. Und der ist im Moment empfindlich gestört. Anlass ist das Engagement von Misereor für eine Demonstration im Januar in Berlin. Tausende Menschen gingen auf die Straße und forderten eine Agrarwende, weil die jetzige Form der Lebensmittelproduktion Umwelt- und Klimaschäden verursacht, unter denen Menschen in anderen Teilen der Welt leiden.

Es waren aber auch extreme Organisationen dabei, von deren Aussagen sich Landwirte schwer getroffen fühlen. Da werden sie auf Plakaten in die Nähe von Nationalsozialisten gerückt, da treten militante Tierschützer auf, die sich unverhohlen über Unfälle mit tödlichem Ausgang auf Höfen freuen. Landwirtschaftliche Verbände forderten von Misereor eine Distanzierung.

Misereor-Chef: Landwirte sind keine Sündenböcke

Im Februar schlagen die Wogen hoch. Einzelne Gruppen der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) entziehen dem Fastenmarsch im Dekanat Emsland-Nord ihre Unterstützung. Erst die Aussage von Misereor-Chef Pirmin Spiegel, Landwirte seien keine Sündenböcke, sorgt für Beruhigung. „Es ist wichtig, dass wir jetzt in den Dialog kommen“, sagt Michael Engbers, Diözesanvorsitzender der KLJB. Das will auch Bernhard Barkmann, denn auch nach der Aussage von Misereor „bleibt uns die grundsätzliche Thematik ja erhalten“, meint er. Landwirte fühlen sich von vielen Seiten bedrängt, seit sie als Folge der BSE-Krise vor rund 15 Jahren kein Tiermehl mehr verfüttern dürfen. Seitdem werden mehr und mehr Pflanzen angebaut, um Futter zu produzieren. Landwirtschaftliche Fläche, die für die Nahrungsmittel fehlt. „Nicht nur dadurch ist im Laufe der Zeit eine Kette von Problemen entstanden, die der Landwirt alleine nicht lösen kann“, sagt Johannes Buß, Leiter der LandvolkHochschule Oesede. Aber er werde vielerorts für die Folgen verantwortlich gemacht. Einfache Antworten gebe es nicht.

Die LandvolkHochschule könnte der ideale Ort sein

In den letzten Jahren seien Unterstützer für die Landwirte weggefallen, sagt Buß. „Und jetzt glauben viele Landwirte, auch die Kirche würde ihnen in den Rücken fallen.“ Nachdem die gegensätzlichen Auffassungen deutlich geworden sind, bemühen sich inzwischen alle Beteiligten um Schadensbegrenzung. Misereor-Chef Spiegel sagte am Rande einer Pressekonferenz, sein Hilfswerk distanziere sich von extremen Organisationen. Das hören die Landwirte gerne, indes erwarten sie jetzt Konsequenzen – zum Beispiel, dass Misereor bei der Demonstration nicht weiter als Veranstalter auftritt.

In der LandvolkHochschule, in der Landwirte seit über 80 Jahren ein- und ausgehen, sehen viele Beteiligte den idealen Austragungsort für die Gespräche, der jetzt folgen sollen. Johannes Buß ist dazu bereit. Er wünscht sich einen positiv-kritischen Dialog, den er an der Seite der Landwirte führen möchte.

Reden will auch Michael Engbers, der Verständnis hat für die Lage der KLJB-Gruppen, die in diesem Jahr dem Fastenmarsch fernbleiben, den sie aber keinesfalls boykottieren wollten. Denn Einsatz für kirchliches Gedankengut sei für die KLJB selbstverständlich.

Matthias Petersen

Bernhard Barkmann betreibt einen Blog: blogagrar.de

 

 

Beim Fastenmarsch im Dekanat Emsland-Nord
können die Teilnehmer auch mit dem Rad
unterwegs sein. Foto: Jürgen Eden

Fastenmarsch

Der Fastenmarsch im Dekanat Emsland-Nord hat eine seit über 30 Jahren bestehende Geschichte. Beginn war in Papenburg mit einem Solidaritätsmarsch, im Jahre 1983 wurde die Aktion an das Hilfswerk Misereor angedockt, die an jedem dritten Fastensonntag stattfindet, in diesem Jahr am 8. März. Mittlerweile ist es bundesweit die größte Veranstaltung ihrer Art, so ein Sprecher des Hilfswerks.
Jeder Starter sucht sich im Vorfeld der Aktion Sponsoren, die ihn für jeden gefahrenen Kilometer unterstützen. Mit dem Rad können dann Stationen im Dekanat angefahren werden. In den vergangenen Jahren waren bis zu 3000 Starter dabei, dazu kommen Stationshelfer und Sponsoren. Mit den Geldern wird jedes Jahr ein Projekt von Misereor unterstützt. Ebenfalls am 8. März gibt es auch Aktionen im Dekanat Emsland-Mitte sowie in einzelnen Pfarreien des Dekanats Emsland-Süd.