20.10.2016

Anfrage

Wird alles gewandelt, was auf dem Altar steht?

Wenn bei einer thematisch gestalteten Messfeier, zum Beispiel zum Erntedankfest, als Symbol oder Schmuck ein Laib Brot und eine Schale Weintrauben auf dem Altar stehen, werden diese dann gemeinsam mit den Hostien und dem Wein im Kelch in den Leib und das Blut Christi verwandelt? M. L., Bad Köstritz

Nein, das wird nicht passieren. Die Eucharistiefeier kann ja nicht mit einem wie auch immer gearteten „Zauber“ verwechselt werden, der alles, was auf dem Altar steht – oder zumindest nicht weit genug davon entfernt – in etwas anderes „verzaubert“. 

Dann wäre ja auch zu fragen, wie groß der Abstand vom Altar sein muss, um aus dem Wirkungskreis des „Zaubers“ zu kommen; was also zum Beispiel mit dem restlichen Wein, der im Kännchen auf dem Kredenztisch neben dem Altar steht, passiert. Auch der wird nicht in das Blut Christi verwandelt. 

Die Theologie begründet das so: Um das Sakrament zu vollziehen, werden drei Voraussetzungen benötigt: 

1. Die Materie: Es muss sich also um die vorgeschriebenen Gaben (naturreiner Wein, aus Weizenmehl bereitetes ungesäuertes Brot) handeln. 

2. Die Form: Die liturgischen Vorschriften sind zu beachten und die entsprechenden Messtexte zu verwenden, hier insbesondere die Einsetzungsworte „Das ist mein Leib – das ist mein Blut“ und so weiter. Die Konsekration darf auch nur innerhalb einer Eucharistiefeier geschehen und nur von beiden Gaben zusammen. 

3. Die Intention: Der Sakramentenspender muss die Absicht haben, zu tun, was die Kirche tut. 

Fehlt eine dieser drei Voraussetzungen, wird das Sakrament nicht vollzogen. Im genannten Beispiel ist also weder die „passende“ Materie gegeben – hier: Weintrauben statt Wein, Laib Brot statt ungesäuertes Brot –, noch würde der Priester in der Absicht handeln, die vorausgesetzt ist: Es geht ja nicht darum, den Schmuck oder die Symbole zu konsekrieren, sondern die vorbereiteten Oblaten und den Wein, vermischt mit Wasser, in Leib und Blut Christi.

Von Michael Kinnen