29.06.2016

Im Ludwig-Windthorst-Haus Lingen steht Heimat auf dem Programm

Wo sind wir wirklich zu Hause?

Rekordzahlen meldet das Lingener Ludwig-Windthorst-Haus (LWH). Deutlich mehr Menschen als in den Jahren zuvor haben die katholische Akademie 2015 besucht. Das neue Halbjahresprogramm soll diesen positiven Trend fortsetzen.

 

Mitten im Grünen stellt das Team des Ludwig- Windthorst-Hauses das neue Programm vor. Es geht um Heimat. Foto: Petra Diek-Münchow

Zufriedene Gesichter gibt es bei LWH-Direktor Michael Reitemeyer und seinem Mitarbeiterteam. Knapp 26 000 Gäste haben im vergangenen Jahr 38 000 Tage in dem Lingener Bildungshaus verbracht: fast 25 Prozent mehr als in 2014. „Das war wirklich ein sehr gutes Jahr für uns“, sagt Reitemeyer. Besonders gefragt war das LWH unter anderem als Kompetenzzentrum in der Lehrerfortbildung. Und auch für dieses Jahr ist er mit dem Blick auf die ersten Zahlen sehr zuversichtlich. Bis jetzt stehen bereits 186 Veranstaltungen in den Monaten August bis Dezember auf dem Programm.

Das Schwerpunktthema überrascht dabei nur auf ersten Blick. „Meine deine Heimat“ heißt es. Und Michael Reitemeyer weiß, dass dieser Begriff manchmal verstaubt und kitschig erscheinen mag. Er versteht ihn anders: „Es geht um unsere Wurzeln, um Herkunft, um Identität.“ Und der Begriff ist in diesen Tagen sogar hochaktuell, denn Millionen von Flüchtlingen haben ihre Heimat gerade verloren und suchen ein neues Zuhause. Auch im Garten des LWH gibt es eine Unterkunft für Menschen aus Syrien, Irak und dem Iran. Sehr gut, unaufgeregt, mit schönen Begegnungen verlaufen die Kontakte zwischen ihnen und den Seminarteilnehmer. „Viele Besucher sehen das positiv“, sagt der stellvertretende LWH-Leiter René Kollai.

Wo wir wirklich zu Hause sind und was unsere Identität ausmacht – darum drehen sich eine Reihe von Akademieabenden, Ausstellungen und literarischen Lesungen im LWH. Es geht um die Beheimatung im Kirchenraum und in der plattdeutschen Sprache, um die Zukunft der Heimatvereine und die digitale Heimat im Internet, um die Entwurzelung der Kriegskinder und die Suche nach familiärer Heimat. Inmitten einer zunehmend dichteren Welt erkennt Reitemeyer in diesem Begriff auch eine Sehnsucht vieler Menschen „endlich irgendwo anzukommen, endlich anerkannt und ernst genommen zu werden, ohne sich verstellen zu müssen.“

Im weiteren Programm des LWH gibt es zahlreiche Seminare und Diskussionsabende zu Theologie, Politik, Wirtschaft und Pädagogik. Da bekommen zum Beispiel neugewählte Kommunalpolitiker eine Einführung in ihre Arbeit, da können Eltern und Erzieherinnen „Babyzeichen“ lernen, da beschäftigen sich Grundschullehrer mit dem Spracherwerb für Kinder ohne Deutschkenntnisse. Und natürlich gibt es auch einen Abend zum Reformationsgedenken aus katholischer Perspektive. Wer außerdem Lust hat, die spannende Wahlentscheidung in den USA live mitzuerleben, ist am 8. November ebenfalls ins LWH eingeladen. (pd)

Neues Programm des Ludwig-Windthorst-Hauses