05.02.2014

Hauptamtliche Mitarbeiter im Beerdigungsdienst

Würdige Trauerfeier kann trösten

Eine würdige Trauerfeier kann den Angehörigen den Abschied erleichtern. Elf pastorale Mitarbeiter im Dekanat Osnabrück-Süd dürfen künftig Beerdigungsgottesdienste gestalten. Das könnte auch neue Formen des Gedenkens etablieren.

 

Eine christliche Beerdigung folgt bestimmten Vorgaben, geht aber auch
auf die Wünsche der Angehörigen ein. Eine Eucharistiefeier ist nicht
zwingend mit der Bestattung verbunden. Foto: fotolia

Die Bestattungskultur hat sich gewandelt. Bei der bisher oft gewählten Erdbestattung gehörte zur Beerdigung meistens eine Totenmesse. Inzwischen ist die Zahl derer, die ein Urnengrab wünschen, gestiegen. Auch die Erwartungen an eine Trauerfeier haben sich gewandelt. Die Angehörigen möchten, dass der Verstorbene ausreichend gewürdigt wird, und nicht immer finden sie Trost in einem Requiem.

Viele Menschen könnten mit einer Eucharistiefeier nichts mehr anfangen, hat Pfarrer Josef Ahrens aus Hagen beobachtet. Selbst wenn der Verstorbene regelmäßiger Kirchgänger gewesen sei, treffe das nicht zwingend auf Angehörige zu. So könne es in einer Totenmesse zu Situationen kommen, in der die Angehörigen sich wegen ihrer Unkenntnis der Abläufe unwohl fühlen. Bei kirchenfernen Trauernden sei es besser, „einen Wortgottesdienst zu feiern, der stimmig ist“. Das erleichtere den Trauernden ein würdiges Abschiednehmen.

Elf Männer und Frauen aus dem Dekanat Osnabrück-Süd dürfen jetzt solche Trauerfeiern leiten, mit offizieller bischöflicher Beauftragung. Die hauptamtlichen Mitarbeiter sind als Pastoralreferenten, Gemeindereferenten und Klinikseelsorger im Dekanat Osnabrück-Süd tätig und haben eine Fortbildung als Leiter von Beerdigungen absolviert. Die Fortbildung wurde an zwei Wochenenden angeboten.

Im Praxisteil unter der Leitung von Andrea Schwarz und Pfarrer Ahrens erhielten die Teilnehmer die Aufgabe, eine Beerdigung zu leiten. Anonymisierte Angaben zu Verstorbenen, die aus Trauergesprächen stammten, dienten dazu, eine Rede zu schreiben und zu halten. Die Trauerrede sollte auf den Verstorbenen eingehen und dessen Leben würdigen. Zur Aufgabe gehörte außerdem, den Ablauf einer Trauerfeier zu planen und durchzuführen.

„Die Leute brauchen Zuwendung und Zeit"

In diesem Praxisteil, der in der Martinuskirche in Hagen stattfand, habe es dann sehr emotionale Momente gegeben, erzählt Pastoralreferentin Barbara Langhorst. Alle Kollegen, die an der Fortbildung teilnahmen, hätten berührende Reden verfasst und stimmige Gottesdienste gestaltet. Sie sei überzeugt, dass die Kollegen Beerdigungen durchführen werden, die bei den Angehörigen auf Zustimmung stoßen.

Barbara Langhorst ist als Klinikseelsorgerin in Bad Rothenfelde tätig und kann sich gut vorstellen, eine Trauerfeier für jemanden zu gestalten, den sie während seiner Krankheit begleitet hat. Für die Angehörigen sei es schön, wenn eine ihnen vertraute Person die Beerdigung leite. „Was die Leute brauchen, ist Zuwendung und Zeit“, sagt Langhorst. Mit der Beauftragung für den Beerdigungsdienst könne sie nun auch die Trauerfeier leiten. Die Toten zu bestatten, sei keine originär priesterliche Aufgabe, „es ist die Aufgabe der Gemeinde“, sagt Langhorst.

Dechant Michael Wehrmeyer, Pfarrer in Melle, sieht eine große Chance darin, dass elf hauptamtliche Mitarbeiter die Beauftragung für den Beerdigungsdienst erhalten. Es sei sehr sinnvoll, wenn Klinikseelsorgerinnen, die Sterbende begleiten, und Gemeindereferentinnen, die die Krankenkommunion bringen, Trauerfeiern leiten – denn oft seien sie es, die die Menschen gut gekannt und in ihren letzten Stunden begleitet hätten. In solchen Fällen sollten sie auch die Beerdigung übernehmen, wenn die Angehörigen dies wünschten.

Pfarrer Wehrmeyer hat in der Pastoralkonferenz im Dekanat Osnabrück-Süd als Leiter der „Arbeitsgemeinschaft Trauer“ an den Thesen zu einer „notwendigen Veränderung in der Trauerpastoral“ maßgeblich mitgearbeitet. In dem Papier kommen die Verfasser zu dem Schluss, dass die katholische Kirche auf die geänderte Bestattungskultur reagieren muss. Viele Verstorbene seien kirchenfern; getrauert werde nicht mehr öffentlich, sondern privat; Traditionen wie nachbarschaftliche Trauerhilfe fehlten. Die Erwartungshaltung an die Kirche sei groß, Trauerbegleitung nehme einen großen Stellenwert ein. Es sei wichtig, dass in einer gelungenen, individuell gestalteten  Trauerfeier die christliche Auferstehungsbotschaft als echte Hilfe empfunden werde.

Andrea Kolhoff