24.02.2017

Ökumenischer Weltgebetstag der Frauen

Zu Hause in zwei Ländern und Kulturen

„Kirche ist mein Leben", sagt Velma Jimenea-Landsiedel. Die auf den Philippinen geborene Katholikin engagiert sich leidenschaftlich ehrenamtlich. In diesem Jahr kocht sie beim ökumenischen Weltgebetstag der Frauen in Stuhr-Brinkum.

Velma Jimenea-Landsiedel vor der Bremer Propsteikirche St. Johann.
Dort besucht sie Gottesdienste in ihrer Muttersprache. Foto: Anja
Sabel

Velma Jimenea-Landsiedel ist geschätzte 1,55 Meter groß – und trotzdem nicht zu übersehen. Ohne Scheu geht sie auf andere Menschen zu. Wer sich mit ihr unterhält, hat nach zehn Minuten das Gefühl, sie schon ewig zu kennen. Sie ist offenherzig und direkt. Als sie zum Beispiel von der mitreißenden Musik, der Lebensfreude auf den Philippinen schwärmt, sucht sie nach Worten, um die Gottesdienste in Deutschland zu beschreiben. Meint sie vielleicht, dass es da steifer zugeht? „Ja, genau“, sagt sie und prustet los. Hält sich aber sofort die Hand vor den Mund, als sei es ihr ein bisschen peinlich, dass sie diesen Vergleich so lustig findet.

Heimat, das ist für Velma Jimenea-Landsiedel heute beides: die Philippinen, wo sie geboren und aufgewachsen ist, und Deutschland, wo sie geheiratet und eine Familie gegründet hat. Das verbindende Element ist der Glaube. „Kirche ist mein Leben“, betont die 62 Jahre alte Katholikin mehrfach. In ihrem Wohnort Stuhr-Brinkum, südlich von Bremen, hat sie drei Amtsperioden im Pfarrgemeinderat mitgearbeitet. In Bremen leitet sie eine Gebetsgruppe für Landsfrauen und tritt gern als Sprecherin auf, wenn die anderen sich nicht trauen. Und auch in Sachen ökumenischer Weltgebetstag hat sie philippinische Mitstreiterinnen gesucht, die etwas Landestypisches auf den Tisch bringen: Klebereis, Reissuppe, Glasnudeln und exotisches Gemüse.

Spinat aus der Packung – das schmeckt ihr gar nicht

Apropos: Wer unter asiatischem Essen scharfe Currys oder andere pikant gewürzte Speisen verstehe, der werde vom milden Geschmack eines philippinischen Mahls überrascht sein, sagt Velma Jimenea-Landsiedel. Grundlage aller Gerichte ist das Hauptnahrungsmittel Reis. Dazu wird entweder Fisch, Huhn oder Schweinefleisch serviert. Und natürlich frisches Gemüse wie der spinatähnliche kangkong oder sayote, eine milde Version von Kohlrabi. Wenn Velma Jimenea-Landsiedel zu Hause kocht, kauft sie oft im Asia-Geschäft ein, baut aber auch Grünkohl und Kartoffeln im Garten an. Was ihr überhaupt nicht schmeckt, ist Spinat aus der Packung. Da verzieht sie angewidert das Gesicht.

Ihre Kindheit und Grundschulzeit verbringt die Filipina auf der Insel Panay, die zur Inselgruppe der Visayas gehört. Die Frage, ob sie in einer großen Familie aufgewachsen sei, verneint sie. „Wir waren fünf Geschwister, drei Mädchen und zwei Jungen.“ Die Mutter hatte eine kleine Schneiderei, den Vater sahen die Kinder selten. Er arbeitete auf Guam, der größten und südlichsten Insel des Marianen-Archipels im westpazifischen Ozean – rund 2500 Kilometer Luftlinie entfernt. Ihre schönste Kindheitserinnerung: „Ich bin mit meiner Oma zur Kirche gegangen, immer in bunten Kleidern, die meine Mutter genäht hat. Unterwegs haben wir jeden gegrüßt, auch wenn wir ihn nicht kannten. In Deutschland ist das anders: Da sind die Menschen eher verschlossen und beobachten dich skeptisch. Daran musste ich mich erst gewöhnen.“

Später zieht die Familie um auf die südlichste und zweitgrößte Insel des Landes, Mindanao. Dort besucht Velma nicht nur das Gymnasium, sondern muss auch eine neue Sprache lernen. Die Philippinen sind ein Land der vielen Inseln – und auch ein Land mit vielen Sprachen. Rund 170 gibt es davon, wobei Tagalog die offizielle Landessprache ist, gefolgt von Englisch. Nach ihrem Universitätsstudium arbeitet die junge Frau als Chemie-Ingenieurin in einem Büro in der Millionenstadt Davao auf Mindanao – bis eine Freundin im fernen Deutschland sozusagen Schicksal spielt. Sie erzählt einem Arbeitskollegen von Velma Jimenea, der nun Interesse hat, sie kennenzulernen. Und auch sie ist neugierig auf den Deutschen. Ein Jahr lang schreiben sie sich Briefe, auf Englisch, dann lädt sie ihr späterer Mann zu einem Besuch ein, für drei Monate, so lange ist das Touristenvisum gültig. 

„Es hat gleich gefunkt.“ Velma Jimenea bleibt, wird auf dem Standesamt Frau Jimenea-Landsiedel und ist bald darauf mit dem ersten der beiden Söhne schwanger. Sie sind bereits zu dritt, als auf den Philippinen kirchlich geheiratet wird. Heute sind die Söhne 23 und 27 Jahre alt und reisen regelmäßig mit in die Heimat der Mutter. „Sie sollen beide Länder und Kulturen kennenlernen“, sagt Velma Jimenea-Landsiedel.

Mit der Drogenpolitik Dutertes einverstanden 

Anfangs tut sich die Filipina schwer mit der deutschen Sprache, will sie aber unbedingt lernen – allein, um sich mit den Schwiegereltern unterhalten zu können, die mit im Haus wohnen. Da sie nicht mehr in ihren Beruf einsteigt, engagiert sie sich ehrenamtlich, in der Kirchengemeinde, aber auch in einem Verein, der Einwanderinnen die deutsche Kultur näherbringt. Sich zu integrieren, sei wichtig, sagt sie. Das mache auch mutiger. Einmal sei sie auf der Straße beschimpft worden, habe aber nichts verstanden. „Heute würde ich mich zur Wehr setzen.“

Und was sagt sie über die politische Situation auf den Philippinen? Velma Jimenea-Landsiedel hat da ihre ganz eigene Meinung. Sie kennt den Präsidenten Rodrigo Duterte noch als Bürgermeister von Davao und wertet es als großen Erfolg, dass er in der Stadt „aufgeräumt hat“. Und sie ist auch jetzt mit der Politik des Hardliners im Kampf gegen Drogenkriminalität einverstanden. „Ich weiß, dass das im Ausland heftig kritisiert wird, aber für mich und viele andere Landsleute ist das in Ordnung.“

Anja Sabel

 

Weltgebetstag der Frauen

– Präsident Dutertes grausamer „Anti-Drogen-Krieg“ bringt die Philippinen immer wieder in die Schlagzeilen. Für Freitag, 3. März, laden philippinische Frauen ein, gegen diese und andere Ungerechtigkeiten aufzustehen: Der Inselstaat ist Schwerpunktland des Weltgebetstags 2017. Unter dem Motto „Was ist denn fair?“ kommen Christen aller Konfessionen zusammen, um mit Liedern, Gebeten und Aktionen für globale Gerechtigkeit einzutreten.

– Die Philippinen umfassen 7107 Inseln. Auf dem Archipel im Pazifischen Ozean finden sich neben Naturschönheiten und Weltkulturerbe auch zerstörerische Naturgewalten, interne Konflikte und von Menschen verantwortete Umweltkatastrophen. Es gibt eine krasse Ungerechtigkeit: Wohlstand, Macht und Einfluss konzentrieren sich auf wenige Familienclans. Große Teile der Bevölkerung leben in Armut. Wer sich für Menschenrechte, Umweltschutz, Landreformen oder die indigene Bevölkerung engagiert, lebt oft gefährlich.

– Die Philippinen sind das bevölkerungsreichste christliche Land Asiens, weit über 80 Prozent der Bevölkerung sind römisch-katholisch.

www.weltgebetstag.de