08.06.2022

Finanzkontrolle an einem gemeinsamen Standort

Das ökumenische Büro

Erstmals in der Geschichte der katholischen und evangelischen Kirche sind Prüfungseinrichtungen für die Finanzkontrolle an einen gemeinsamen Standort in Osnabrück gezogen. Das schafft Synergien und Sympathien.

Eine gute Atmosphäre herrscht in der neuen Bürogemeinschaft. Foto: Astrid Fleute

„Diese Zusammenarbeit wäre genial.“ Schon 2019 war Oberkirchenrat Sebastian H. Geisler die Idee gekommen, die Finanzkon­trollen der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover und des Bistums Osnabrück an einem Standort zusammenzuführen. „Wir arbeiten doch im Prinzip an den gleichen Themen und können voneinander profitieren“, betont der Leiter des Rechnungsprüfungsamtes der ev.-luth. Landeskirche Hannover.

Damals suchte er für das Büro der Regionalstelle Osnabrück-Aurich neue Räumlichkeiten – und stieß mit seinem Wunsch nach mehr Zusammenarbeit beim Bistum auf offene Ohren. Seit November arbeiten nun sieben Mitarbeiter der katholischen und evangelischen Kirche in einem ökumenischen Gemeinschaftsbüro an der Franz-Lenz-Straße in Osnabrück. Auch für Heike Dunkel, Leiterin der Abteilung Revision beim Bistum, ist dieser Umzug ein besonderer: „Wir sind eine kleine Abteilung. Nun haben wir die Möglichkeit, uns  vielfältiger auszutauschen, von- und miteinander zu lernen, Synergieeffekte zu nutzen“. 

Generalvikar Ulrich Beckwermert und die Präsidentin des Landeskirchenamtes, Stephanie Springer, weihten die neuen Räume jetzt offiziell ein. Erstmals in der Geschichte der Kirche und ihrer Kontrolle sind damit Prüfungseinrichtungen der katholischen und evangelischen Kirche unter ein Dach gezogen. Nicht nur Sebastian H. Geisler freut das: „Ökumenische Bürogemeinschaften an sich sind keine neue Idee. Aber dass beide Kirchen den Mut haben, ihre Kontrollin-stanzen für die Finanzen in einen Raum zu stecken, ist einmalig.“

Qualitativ gute Prüfungen und eine gute Begleitung

Dabei ist dieses Projekt so naheliegend, sind doch die Herausforderungen beider Kirchen die gleichen: Sie erheben Steuern und ihnen sind zur Erfüllung ihrer zahlreichen Aufgaben erhebliche Vermögenswerte anvertraut. Wer fremde Gelder verwaltet, muss darüber Rechenschaft ablegen.Damit ist es eine Kernaufgabe der Kirchen, das Finanz- und Rechtsgebaren aller kirchlichen Einrichtungen einer unabhängigen öffentlichen Finanzkontrolle zu unterziehen. Diese Arbeit leisten die Mitarbeiter von Revision und Rechnungsprüfung nun an einem „leistungsfähigen Standort kirchlicher Finanzkontrolle“ in Osnabrück. Geisler betont: „Angesichts der gestiegenen Anforderungen, des größeren Prüfungsumfangs und der zusätzlichen Prüfungsaufgaben gilt es, kreative Wege zu finden.“ Beide Kirchen seien auf Synergieeffekte und Unterstützungen angewiesen.

Jeder arbeite dabei schon für seine Kirche, betont Heike Dunkel, aber der Austausch sei von unschätzbarem Wert. Ziele beider Büros seien qualitativ gute Prüfungen, eine gute Begleitung und Beratung kirchlicher Einrichtungen und die Minimierung von Risiken. Auch eine gemeinsame Software wird es bald geben, die Mitarbeiter haben bereits gemeinsam eine Fortbildung absolviert – und schauen auch privat über den konfessionellen Tellerrand: „Das ist sehr interessant“, betonen sie. Vorbehalte gebe es nicht. Das sei vor 20 Jahren noch anders gewesen.

Astrid Fleute