17.06.2020

Kloster Frenswegen noch immer geschlossen

Das falsche Signal?

Andere Tagungs- und Bildungshäuser fahren ihren Betrieb wieder hoch, das Kloster Frenswegen in Nordhorn bleibt vorerst geschlossen. Förderverein und Studienleitung hoffen, dass der Vorstand bald seinen Beschluss überdenkt. 

 

Morgengebet unter freiem Himmel: Dazu hatte der Förderverein nach langer Pause kürzlich nach Frenswegen eingeladen.

 

 

„Es war ein Zeichen der Hoffnung“, sagt Helmut Ruschulte. Sichtlich froh erzählt der Vorsitzende des Fördervereins für das Kloster Frenswegen von einem Morgengebet kürzlich. Das erste seit zwei Monaten, draußen im Labyrinth und auf Abstand – aber trotzdem kamen über 40 Gäste. Für Ruschulte ein Indiz dafür, dass sich viele Menschen in der Grafschaft Bentheim wieder geistliches Leben im Kloster wünschen.  

Das Kloster ist wegen der Corona-Krise seit etwa Mitte März geschlossen – und soll es bis zum 31. August bleiben. Ruschulte respektiert diesen Beschluss des Stiftungsvorstandes, weil er um die finanziellen Probleme der Einrichtung weiß. „Das Haus ist von einer Stornierungswelle überrollt worden. Fast alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, die Aussichten für die Zeit nach der Krise sind düster“, sagt er. 

Aber trotzdem fragt sich der Vorsitzende des Fördervereins, ob die andauernde Schließung nicht das falsche Signal ist. Und er hofft, dass der Stiftungsvorstand die Lage bald neu bewertet. „In der Klosterkapelle hätten mit dem nötigen Abstand derzeit 44 Menschen Platz – das muss doch möglich sein“, meint Ruschulte. 

Um die zu erwartenden Defizite des Hauses auszugleichen, hatte der Förderverein im Mai eine Spendenaufruf gestartet. Dafür waren mit Hilfe von Sponsoren 1900 „Klosterbriefe“ mit Informationen über die prekäre Situation gedruckt und zum großen Teil von Hand verteilt worden – um Porto zu sparen. Das Ergebnis der Aktion ist beeindruckend. Fast 90 000 Euro haben  bis jetzt zahlreiche Menschen aus der Grafschaft und darüber hinaus für das Kloster gespendet: mal 20 Euro, mal mehrere 1000 Euro. „Da sind auch unsere Erwartungen übertroffen worden“, sagt Ruschulte. Der Förderverein legt aus vorhandenen Mitteln noch mal 50 000 Euro dazu. 

„Kloster muss ein Ort des Gebets bleiben – gerade in dieser Zeit“

Auch die Studienleitung, die für die inhaltliche Arbeit des Hauses zuständig ist, bezieht deutlich Position zum Thema. „Ich teile den Wunsch des Fördervereins und vieler anderer, die dem Kloster nahestehen, dass der Vorstand seinen Beschluss überdenken möge“, sagt die katholische Studienleiterin Stephanie van de Loo. Das Kloster muss ihrer Ansicht nach ein Ort des Gebetes und des Nachdenkens vor Gott in ökumenischer Verbundenheit bleiben, „gerade in dieser Zeit“. Sie hofft, dass die Kapelle zeitnah wieder geöffnet wird, dass sie tagsüber zugänglich ist und dass dort wieder geistliche Angebote stattfinden. „Das Kloster Frenswegen lebt aus seiner Spiritualität und die braucht Raum.“

Ihr Kollege, der lutherische Pastor Ulrich Hirndorf, erinnert an den Mut der Stiftungsgründer (siehe auch „Zur Sache“) – und vermisst diesen Mut in dem Beschluss des jetzigen Stiftungsvorstands. „Durch den Fokus auf die krisengebeutelte Finanzsituation drohen die Ziele der Stiftungsaufgabe aus dem Blickfeld zu geraten“, sagt er. Statt eines „ökumenisch-kräftigen Signals der Hoffnung“ werden seiner Meinung nach eher „Signale des Stillstands und ängstlichen Abwartens“ gesendet. „Ein Bärendienst für die ökumenische Gemeinde der Grafschaft“, findet er. 

Ähnlich äußert sich der reformierte Studienleiter, Pastor Reiner Rohloff. Er weiß, dass seit Bestehen der Stiftung immer wieder „Wolken“ über dem Kloster standen. „Aber so fundamental in ihrer Existenz bedroht schien mir diese Einrichtung in ihrer jüngeren Geschichte noch nie.“ Rohloff wünscht sich ein sorgfältiges Abwägen zwischen betriebswirtschaftlichen Erfordernissen und dem durch die fortgesetzte Schließung „wahrnehmbaren Reputationsverlust des Klosters“.

Gern würden Rohloff, Hirndorf und van de Loo geistliche Formate entwickeln, damit es weitergehen kann. Ideen für den Sommer haben sie bereits: „Draußenführungen“, Familienralleys, Auszeiten im Labyrinth, eine Urlaubskirche oder Andachten unter dem Sternenhimmel. Stephanie van den Loo berichtet zudem von einem Treffen mit Ehrenamtlichen, die die Studienleitung unterstützen. Auch dieser Kreis habe einstimmig ein Votum abgegeben, „dass es für ihn unvorstellbar ist, dass die Kapelle momentan noch geschlossen ist“. 

 

Das nächste Morgengebet gibt es am 6. Juli um 9 Uhr: im Labyrinth oder in der Klosterkapelle. 

 Text: Petra Diek-Münchow, Foto: Ulrich Hirndorf