13.01.2021

Katholische Erwachsenenbildung in Zeiten von Corona

Das ganze Land zu Gast

Juristisch gesehen durfte die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) bisher ihrer Arbeit nachgehen, praktisch ist sie aber doch eingeschränkt. Worauf sich Nutzer jetzt trotzdem freuen können, erläutert KEB-Direktor Frank Buskotte.

„Die Dynamik hat sich in den digitalen Raum verschoben.“: Viele Kurse der Erwachsenenbildung finden jetzt online statt. Foto: istockphoto/nensuria

„Die Welt zu Gast bei Freunden“, war 2006 der Slogan für die Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land. „Das ganze Land zu Gast“ könnte das abgewandelte Motto der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) im Bistum Osnabrück sein. Denn tatsächlich haben im vergangenen Jahr Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland an Seminaren der KEB teilgenommen. „Das ging von München bis Flensburg, von der holländischen Grenze bis Berlin“, sagt KEB-Direktor Frank Buskotte. Warum? Weil die meisten Seminare ins Internet verlagert wurden. So konnte jeder von zu Hause aus mitmachen, die Anreise war nicht notwendig. Eine Frau von der Insel Norderney habe diesen Service ausdrücklich gelobt, sagt Buskotte. „Sonst ist es für sie ja nicht einfach, für eine Abendveranstaltung die Insel zu verlassen.“ 

Buskotte macht trotzdem keinen Hehl daraus, dass die Arbeit der KEB stark eingeschränkt ist. „Juristisch gesehen durften wir bis Ende 2020 arbeiten, erst jetzt ist es wegen des neuen Lockdowns nicht möglich.“ So habe sich die Dynamik in den digitalen Raum verschoben – bei aller Begrenztheit. Wenn bei Vorträgen nur zugehört werden muss, sei das per Internet noch recht einfach. Und auch sogenannte Interaktionselemente seien gut einsetzbar, kleine Filme, schnelle Umfragen zum Beispiel. „Aber für uns sind auch immer offene Aussprachen wichtig, und die leiden doch unter den Bedingungen“, sagt er.

Für manchen sei es eben eine große Hürde, sich in eine solche Art von Diskussion einzuschalten und zu Wort zu melden. „Die Hemmschwelle wächst, die Kommunikation ist nicht so natürlich, als säßen alle im gleichen Raum“, sagt Buskotte. Manchmal sei auf dem Bildschirm die Mimik des anderen auch schwer zu deuten, fügt er hinzu. Und ein Online-Seminar sei auch nicht für jedes Thema geeignet: „Das Treffen einer Trauergruppe zum Beispiel kann ich mir auf diese Weise überhaupt nicht vorstellen.“

Besuch von Altbundespräsident Gauck unter Vorbehalt

Frank Buskotte ist aber auch ein humorvoller Mensch. Deshalb traut er sich zu sagen: „Unter den technischen Bedingungen wird unsere Arbeit aber auch nicht langweilig.“ Und er lacht dabei. „Wie wir unsere Arbeit angesichts der Einschränkungen gestalten, was wir von der Zukunft erwarten – das empfinde ich auch für uns als eine permanente Fortbildung.“ Und auch die Bandbreite der Themen habe sich geweitet: In diesen Tagen gab es zum Beispiel einen Vortrag, was Corona für unsere Gesellschaft bedeutet. 

Niemand weiß, wie lange Corona-Beschränkungen im Jahr 2021 nötig sein werden, trotzdem plant die KEB auf Bistumsebene mehrere analoge Veranstaltungen. „Die Überlegungen stammen zum Teil schon aus dem Jahr 2019“, sagt Frank Buskotte und erwähnt als Beispiel den Besuch von Altbundespräsident Joachim Gauck am 2. Juni in Osnabrück. „Natürlich steht das unter Vorbehalt, wir hoffen aber, dass es geht.“ Gute Erfahrungen hat die KEB mit sogenannten Hybridveranstaltungen gemacht, bei denen nur wenige Menschen vor Ort zuhören dürfen, viele weitere dann per Internet dazugeschaltet werden. 

Ab Februar stehen dann verschiedene Themen auf der Tagesordnung – natürlich ist auch hier die Veranstaltungsform offen: So geht es in Haus Ohrbeck um die Bibel, außerdem in weiteren Vorträgen über das Thema „Politik und Gesellschaft in Corona-Zeiten aus sozialethischer Sicht“ sowie um „Herausforderungen an die Liturgie in Corona-Zeiten“.

Matthias Petersen

Weitere Informationen zu den Kursen der Erwachsenenbildung