07.04.2021

"Buch des Lebens"

Den Impuls gab der Bundespräsident

Seit über einem Jahr finden Trauerfeiern nur im kleinen Kreis statt – oft ohne viele Angehörige und Freunde. In Osnabrück, St. Johann, haben Menschen bald die Möglichkeit, ihre Verstorbenen in ein „Buch des Lebens“ einzutragen.

Dechant Martin Schomaker zeigt das „Buch des Lebens“, das ab dem 18. April in Osnabrück, St. Johann, ausliegen wird. Foto: Thomas Osterfeld

Als er vor einem Jahr das „wunderbare große dicke Buch“ im Pfarramt von St. Johann in Osnabrück entdeckte, war für Martin Schomaker eine Idee geboren: Dieses Buch soll ein „Buch des Lebens“ werden mit den Namen der Verstorbenen aus der Pfarrei, von denen sich die Menschen aufgrund der Corona-Zeit nicht richtig verabschieden konnten. Denn seit einem Jahr fänden Trauerfeiern nur im kleinen Kreis statt, erzählt der Seelsorger. „Gesten von Nähe und Zuwendung sind schwierig, nicht einmal ein Handschlag ist möglich.“ 

Das „Buch des Lebens“ soll ein Ort für diese Trauer sein. Auch im Team und in den Gremien fand dieser Gedanke große Zustimmung. Seit einem Jahr trägt der Dechant die Namen der Verstorbenen bereits dort ein, bald können es die Gemeindemitglieder selbst übernehmen: Ab dem 18. April bekommt das Buch einen Platz auf dem Familienaltar im Eingangsbereich von St. Johann. 

Einmal im Monat wird die Schatulle geöffnet

Verwahrt wird es dort in einer geschlossenen Schatulle, um es vor Vandalismus zu schützen. Einmal im Monat wird die Schatulle geöffnet, dann können Menschen die Namen der Verstorbenen aus dem Familien- oder Freundeskreis eintragen. „Wir wollen einen Ort anbieten, an dem die Menschen trauern können. Wir sagen: Bei Gott sind die Namen der Verstorbenen verzeichnet. “

Ein solches Projekt ist ihm  nicht unbekannt: Schon in Bremen führte Schomaker in seiner Zeit als Propst ein „Buch des Lebens“ ein, das nach wie vor dort ausliegt. Anlass war eine Änderung im Bestattungsgesetz, die es erlaubte, die Asche der Verstorbenen anonym im Garten oder im Gelände auszuschütten. „In Bremen wird das sehr gut angenommen. Es ist sehr berührend, was die Menschen dort hineinschreiben“, erzählt er. Auch Namen von im Krieg Vermissten, totgeborenen Kindern oder Menschen, deren Gräber aufgelöst wurden, seien dort verzeichnet. 

Gesegnet werden sollen die Schatulle und das Buch am 18. April – dem Tag, an dem der Bundespräsident dazu eingeladen hat, der Corona-Opfer zu gedenken. Schomaker: „Wir greifen diesen Impuls auf und segnen in der Messe um 11 Uhr diesen Ort für das ,Buch des Lebens‘.“

Astrid Fleute