14.02.2020

Karneval im Überblick

Die Macht auf den Kopf stellen

Die fünfte Jahreszeit hat begonnen. Doch worum geht es eigentlich an den närrischen Tagen in Deutschland – jenseits von Schunkeln, Schnaps, Schlagermusik und Süßigkeitenjagd? Ein paar Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ein großes fröhliches Fest vor dem Beginn der Fastenzeit –
das ist der ursprüngliche Anlass des heutigen  Karnevals.
Foto: imago images/future Image

Woher kommt die Tradition?
Ohne Ostern, das höchste christliche Fest, gäbe es gar keine Fastnacht. Denn vor der Fastenzeit mussten früher Fleisch und verderbliche Lebensmittel – auch Bier – vernichtet werden. Hierzu wurde ein großes gemeinsames Fest gefeiert, der heutige Karneval. Die Fastenzeit als Vorbereitung auf das Osterfest beginnt am Aschermittwoch (in diesem Jahr am 26. Februar) und dauert vierzig Tage (ohne die Sonntage). Heute wird Karneval hauptsächlich in katholisch geprägten Regionen gefeiert.


Wann beginnt Karneval?
Die Karnevalssession wird am 11.11. um 11.11 Uhr eröffnet. Die Vorliebe der Narren für die Zahl 11 ist nicht eindeutig geklärt, lässt sich aber schon im 14. Jahrhundert belegen. Sie wird teils als Zahl interpretiert, die die Gleichheit aller Menschen unter der Narrenkappe symbolisiert. Ab dem „Elften im Elften“ finden Sitzungen mit Tanzgruppen, Reden und Musik statt. Die Veranstaltungen werden oft von einem „Elferrat“ geführt. Den Höhepunkt bildet im Frühjahr der Straßenkarneval: Sechs Tage lang, von Donnerstag bis Dienstag, wird gefeiert. Kleinere Umzüge und Sitzungen finden oft schon in den Vorwochen statt.


Wann ist der Spaß vorbei?
In der Nacht zum Aschermittwoch endet die närrische Zeit, vielerorts feierlich. In Köln wird eine Strohpuppe, der Nubbel, als Verantwortlicher für die Ausschweifungen während des Karnevals verbrannt, in Düsseldorf und am Niederrhein der Hoppeditz zu Grabe getragen. Auch in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht gibt es den Brauch, dass die „Fasnet“ – meist in Form einer Strohpuppe – verbrannt wird. Mancherorts wird auch der Narrenbaum, ein weiteres Symbol für die Fastnacht, ein Opfer der Flammen.


Was bedeuten die verschiedenen Namen?
Die fünfte Jahreszeit hat viele Namen: In Bayern, Österreich und Sachsen ist der Begriff „Fasching“ durchaus üblich. Er leitet sich vom „Fastenschank“ ab, also dem letzten Ausschank alkoholischer Getränke vor der Fastenzeit. In Teilen Bayerns, Südwestdeutschlands und der Schweiz wird dagegen „Fastnacht/Fasnacht“ gefeiert. „Karneval“ bezieht sich auf das Rheinland. Das Wort stammt wahrscheinlich vom Mittellateinischen „carne levare“, was „Fleisch wegnehmen“ bedeutet.

Auch die einzelnen Tage werden unterschiedlich benannt. Die Fastnachtswoche beginnt im schwäbisch-alemannischen Raum mit dem „schmotzigen Donnerstag“, im Rheinland dagegen mit der „Weiberfastnacht“ und im Harzer Land mit dem „Fetten Donnerstag“. Es folgen der „Nelkensamstag“, der „Orchideen“- oder „Tulpensonntag“, der „Rosenmontag“ und schließlich der „Veilchendienstag“, der auch „Fastnachtsdienstag“ genannt wird.


Welche Unterschiede gibt es zwischen den Regionen?
Im rheinischen Karneval spielt der Straßenkarneval mit vielfältigen, gern von Jahr zu Jahr neuen Kostümen eine zentrale Rolle. In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht behalten die Träger ihre Masken dagegen stets bei; teils ist es üblich, sie von Generation zu Generation zu vererben. Beide Formen stehen im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.


Warum verkleidet man sich?
Heute sind der Fantasie beim Verkleiden kaum Grenzen gesetzt. Ursprünglich spielte die Idee, in eine andere Rolle zu schlüpfen – und damit die Machtverhältnisse auf den Kopf zu stellen – eine entscheidende Rolle. Im 19. Jahrhundert ließen sich so Kontakte über Klassen- und Standesgegensätze hinweg knüpfen. Noch heute spiegeln sich manche Debatten in den Kostümen: 2014 etwa waren Verkleidungen als Bischof Tebartz-van Elst beliebt. Er war wegen überhöhter Baukosten  in die Schlagzeilen geraten und schließlich zurückgetreten. Auch nach Papstwahlen sind viele weißgewandete Jecken zu sehen.


Welche Umzüge sind besonders sehenswert?
Der erste Faschingsumzug fand 1397 in Nürnberg statt. Bis heute gibt es in der fränkischen Metropole einen Umzug. Heute ist der Kölner Rosenmontagszug mit einer Länge von fast sieben Kilometern einer der größten in Deutschland. Der Düsseldorfer Zug mit rund 5500 Teilnehmern ist nur wenig kleiner. Auch in der Mainzer Fastnacht ist der Rosenmontagszug das Highlight der Narren. Weniger bekannt ist der größte Faschingsumzug in Norddeutschland in Braunschweig, der am Sonntag vor Rosenmontag stattfindet.


Was hat es mit dem Prinzenpaar auf sich?
Der Prinz ist in vielen Regionen das Oberhaupt der Narren. Er regiert allein, mit einer Prinzessin, einem Zeremonienmeister oder in einem Dreigestirn. Die Analogie zum Adelstitel, die sich auch in einer festlichen Uniform spiegelt, deutet auf die Umkehrung der Verhältnisse hin: An vielen Orten „übernehmen“ die Tollitäten das Rathaus. Auch ist das Amt mit vielen repräsentativen Pflichten während der gesamten Session verbunden.


Wird sich der Karneval verändern?
Der klassische Sitzungskarneval ist eine bürgerliche Tradition. Nach Einschätzung mancher Experten wird er sich aber künftig stark verändern und eher einen Partycharakter bekommen – oder ganz verschwinden. Nach wie vor erfolgreich sind aber die kleineren, oft sehr individuellen Sitzungen. So gibt es eigene Veranstaltungen von Frauengruppen oder Kirchenchören, die eine gute Tradition haben. Auch richten Vereine und Karnevalsgesellschaften Sitzungen für kranke oder arme Menschen aus.

Paula Konersmann/kna