21.07.2021

Jonas Zechner und sein Blog "Raumrauschen"

Digitales Lagerfeuer

Jonas Zechner und sein Team pflegen die Erzählkultur des Glaubens. Sie berichten, wie ihnen Gott täglich begegnet. Und sie laden zur Nachahmung ein.

Jonas Zechner, Glaubenskommunikator aus dem Bistum Aachen
Jonas Zechner, Glaubenskommunikator aus dem Bistum Aachen

Von Dorothée Schenk

Unterschwellig begleitet es, ist eine Konstante, ein Grundton. „Ja, Grundton, das ist richtig“, bestätigt Jonas Zechner und meint „Raumrauschen“, einen Blog, in dem das Christsein die Tonart angibt. Hier schreibt ein 16-köpfiges Team darüber, wie ihnen Gott täglich in kleinen und großen Dingen begegnet. 

Eigentlich inspiriert sie alles: Geräusche, der Besuch am Grab des Vaters, der Abschied vom geliebten Haustier, das Entkorken einer Weinflasche, Gedanken im Schatten eines Kirchturms, ein Gespräch. Es sind Gegebenheiten, bei denen man erst auf den zweiten Blick entdeckt, dass sie etwas mit Glauben zu tun haben.

Erzählt werden sie von Menschen, „die nicht unbedingt fromm sein müssen. Sie müssen brennen und jemand sein, dem man gerne zuhört“, beschreibt Jonas Zechner die Aktiven. Sie sind Lehrerinnen und Gemeindereferentinnen, Pastoralreferenten, Schulsozialarbeiter, Hispanistin, Abteilungsleiter oder eben Glaubenskommunikatoren von Berufs wegen wie Zechner. Er trägt die Gesamtverantwortung für die Seite. 

Vor rund zwei Jahren übernahm er den Blog zusammen mit neuen Aufgaben im Bistum Aachen. „Hier schreiben Menschen, die ihr Leben auf der Folie ihrer christlichen Überzeugung sehen“, sagt er. Das passte perfekt zu seinem Aufgabenbereich: Glaubensverkündigung – digitale, wie Zechner stets ergänzt – und Katechese. 

Die Begeisterung für „Raumrauschen“ entstand allerdings zuerst bei Jonas Zechner, dem Leser, noch ehe er ahnte, dass  er einmal Teil des Projektes sein würde. „Es hat mich fasziniert, weil ich Storytelling und nichtgescriptete Geschichten mag, die mich ins Denken bringen, abholen und anstoßen. Das fand ich sehr schön und spannend“, sagt Zechner über seine Begeisterung und ergänzt: „Glauben kommt vom Hören, aber auch vom Erzählen und Teilen – in dieser Tradition steht die Seite.“

Vom Glauben erzählen statt theoretisieren

Geschichten sind es, die den gebürtigen Ludwigshafener von Kindesbeinen an anziehen. Das hat mit seiner Leidenschaft für die Pfadfinderei zu tun. „Das Momentum, das für mich ein zutiefst spirituelles ist, ist die Gemeinschaft am Lagerfeuer. Abends zusammensitzen – Alt und Jung – und das Sich-Erzählen. Das prägt Identität, prägt Gemeinschaft. Ich glaube, dass Raumrauschen ein Versuch ist, so ein digitales Lagerfeuer zu entzünden.“ 

Christliche Theologie, sagt Zechner, sei oft sehr rational, sehr gut reflektiert. Was manchmal fehle, sei Charme und Lebendigkeit. Zechner, der in Mainz und Luzern studierte und sich selbst auch als „leidenschaftlichen Theologen“ bezeichnet, betont: „Wissenschaftliche Fachsprache ist gut und notwendig, aber sie kann nicht Lagerfeuer-Sprache sein.“ 

Aus dem Lagerfeuer ein großes Leuchtfeuer zu machen, ist nicht das Ansinnen. „Ob mein Text 10, 15 oder 20 Likes hat, nehme ich zwar wahr. Aber wenn mir ein Autor oder eine Autorin sagt, dass er zwei intensive Gespräche nach seiner Veröffentlichung hatte, Menschen seinen Text ausgedruckt und verteilt haben, dann geschieht, was ich mit Raumrauschen will: Interaktion, Begegnung, Diskussion, Austausch.“ Qualitative Reichweite statt quantitative. Das Großartige am Netz: „Das Bistum Aachen hat keine digitale Grenze.“

Denn natürlich plant Jonas Zechner weiter. Man könnte es inhaltliche Reichweite nennen. Ein Audioformat ist in der Überlegung, vor allem aber geht es um eins: die Einbahnstraße in der Kommunikation aufzubrechen. „Raumrauschen“ will nicht nur Sender sein. Ausdrücklich eingeladen sind Gäste, ihre eigenen Beiträge einzusenden. „Es ist eine Überwindung zu schreiben“, sagt der Leser, der selbst zum Schreiber wurde, aus eigener Erfahrung. „Wenn man schreibt – wenn man es nicht akademisch macht – legt man etwas von sich rein und geht das Risiko ein, dass es nicht gefällt.“ Aber die Rückmeldungen seien berührend. „Ich bereue es nicht,“ betont Jonas Zechner. Eine Ermutigung zur Nachahmung. 

raumrauschen.de 
facebook.com/raumrauschen