24.07.2019

Historische Ausstellung

Ein Bischof geht auf Abschiedstour

Als der Osnabrücker Weihbischof Carl Clemens von Gruben im Sommer 1819 zu einer Firmreise in die Dekanate Wiedenbrück und Rietberg aufbrach, wusste er nicht, dass dieser Reise 200 Jahre später eine eigene Ausstellung gewidmet werden würde. Es war die letzte Firmreise eines Osnabrücker Bischofs in das Wiedenbrücker Land.

Ein Porträt von Bischof Clemens von Gruben für die Ausstellung im Klostermuseum Clarholz. Von links: Kirchenhistoriker Johannes Meier, Urszula Ornat und Hermann Queckenstedt vom Diözesanmuseum Osnabrück, Bischof Franz-Josef Bode, Dennis Poschmann sowie Gottfried Pavenstädt-Westhoff (Vorsitzender des Freundeskreises Propstei Clarholz). Foto: Judith Ahlke/Freundeskreis Propstei Clarholz

Danach wurde dieser Landstrich, nachdem er ein Jahrtausend lang zum Bistum Osnabrück gehört hatte, 1821 ins heutige Erzbistum Paderborn eingegliedert wurde.

Das Jubiläum jener Firmreise ist der Anlass für eine Ausstellung, die derzeit im Klostermuseum der Propstei Clarholz in Herzebrock zu sehen ist. Der Kirchenhistoriker Johannes Meier hat sie mitentwickelt. „Das Wiedenbrücker Land und Osnabrück verbindet eine lange Geschichte“, sagt er.

Bereits 805 habe der damalige Osnabrücker Bischof Wiedenbrück zu seinem Missionsgebiet erklärt und dort Kirchen und Klöster errichtet. Er wollte der Landbevölkerung Zugang zur Seelsorge verschaffen. Die daraufhin errichteten Dekanate Wiedenbrück und Rietberg gehörten rund ein Jahrtausend lang zum Bistum Osnabrück – bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts: In Folge der napoleonischen Kriege waren neue Grenzen innerhalb des deutschen Staatenbunds entstanden. Das Wiedenbrücker Land fiel an Preußen. Als Bischof von Gruben im Juli 1819 zu seiner Firmreise in die Dekanate Wiedenbrück und Rietberg aufbrach, stand bereits fest dass diese nicht weiter zum Bistum Osnabrück gehören konnten.

Die Mitra von Bischof von Gruben. Foto:
Diözesanmuseum Osnabrück

In den Gemeinden war der Besuch des Bischofs ein Großereignis – wegen des Kriegs hatte es dort 20 Jahre lang keine Firmung mehr gegeben. Innerhalb von zwei Wochen spendete  Bischof von Gruben mehr als 7000 Jugendlichen die Firmung. Über die Reise schrieb sein Sekretär: „Allgemein war es der herzlichste Wunsch, mögen wir doch weiterhin mit unserem verehrungswürdigsten Oberhirten vereint und nicht durch ein leidiges Verhängnis von der Osnabrück‘schen Diözese getrennt werden.“

Doch der Wunsch der Wiedenbrücker blieb ungehört: 1821 wurde ein neues Gesetz erlassen, das vorschrieb, dass die Bistümer innerhalb der Grenzen des deutschen Staatenbundes neu geordnet werden müssen. Die Dekanate Wiedenbrück und Rietberg wurden daraufhin Teil des Bistums Paderborn.

Sandra Röseler


Zur Sache

Die Ausstellung „Die Kirchen des Wiedenbrücker Landes und das alte Bistum Osnabrück“ ist bis 13. Oktober im Klostermuseum in Herzebrock-Clarholz, Propsteihof 24, zu sehen. Sie ist sonntags von 15 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet: Telefon 0 52 45/56 46.

Am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 8. September, hält Dennis Poschmann um 11 Uhr in der St.-Laurentius-Kirche in Clarholz einen Vortrag über die Firmreise von Bischof von Gruben.