03.04.2021

Ostern mit allen Sinnen erleben

Ein Klang wie Trompeten und Posaunen

In der Osternacht  soll sich das Orgelspiel hörbar verändern. Dann will Dominik Giesen „lautstärkemäßig wieder voll auffahren“. Um diesen Effekt zu erzielen, lässt der Organist in der Fastenzeit das komplette Zungenregister weg, das heißt, die Pfeifen mit schwingenden Metallzungen.

Dominik Giesen spielt auch in der Osternacht Orgel. Foto: Bistum Osnabrück

Durch den Anschlag der Metallzunge auf Metall erklingt ein metallisch scharfer Ton, der an den Klang von Trompeten, Oboen, Posaunen erinnert. 

Doch in diesem Jahr fehlt etwas Wesentliches: eine Gemeinde, die mit „auffährt“ und gegen die Orgel ansingen könnte. Es singen nur einige Kantoren, und damit diese Stimmen nicht untergehen, ist Fingerspitzengefühl gefragt. Giesen will auf jeden Fall das Festliche von Ostern aufrechterhalten. 

Der 26-Jährige ist neuer Regionalkantor für das südliche Emsland und Kirchenmusiker in St. Bonifatius, Lingen, und St. Alexander, Schepsdorf. Als einer der Kantoren singt er Tenor. „Notfalls auch den Bass, aber das klingt eher kläglich“, sagt er und lacht. Der Hauptteil seiner Arbeit ist das Orgelspiel in den Kirchen, außerdem betreut er drei Chöre – die aber wegen Corona nicht proben dürfen. Deshalb freut sich Dominik Giesen, dass ihn einige Chormitglieder als Kantoren unterstützen. 

Zu Ostern will er es „theoretisch mehrstimmig versuchen“. Vier Sänger plant er ein, sich selbst und drei andere. Schließlich soll am höchsten Fest der Christen auch musikalisch Stimmung aufkommen. „Wenn in der Osternacht das Gloria angestimmt wird, wird das dem ein oder anderen im Halse steckenbleiben“, vermutet Giesen. Um darüber hinwegzutrösten, dass die Gemeinde nicht singen darf, ruft er viel Neues auf den Plan. In der Fastenzeit gab es mehrere Orgelandachten, immer wieder spielt er auch in den Gottesdiensten aufwendigere Instrumentalstücke.

Ostern: "im wahrsten Sinne des Wortes unglaublich"

Sein liebstes Osterlied ist „Freu dich, erlöste Christenheit“ (Nr. 337 im Gotteslob). Weil jeder Einzelne angesprochen werde: „Freu dich und singe!“ heißt es da. Auch die musikalische Gestaltung sei toll, „das könnte man sehr inbrünstig singen“, sagt Giesen. Die einzelnen Strophen erzählen die Ostergeschichte – eine Geschichte, die „im wahrsten Sinne des Wortes unglaublich ist“. 

Das sei auch der Grund, weshalb zwar fast jeder textsicher bei Weihnachtsliedern ist, aber kaum ein Osterlied nennen kann. „Die Weihnachtsgeschichte hat die bessere PR-Abteilung“, sagt Dominik Giesen und lacht. Es ist die Geschichte der Geburt eines Kindes. Ostern mit der schrecklichen Hinrichtung Jesu wirkt dagegen erst einmal nur brutal. Dominik Giesen wird ernst und sagt: Der Tod sei in unserer heutigen Gesellschaft so weit weg, dass viele Menschen das Geheimnis des Glaubens einfach nicht begreifen könnten. Erst wer den Tod wieder bewusst ins Leben lasse, könne eine Auferstehung verstehen – und sie dann feiern und besingen.

Theresa Brandl