22.09.2022

Wertschätzung des Ehrenamts

Einfach mal Danke sagen

Fehlende Wertschätzung beklagen Ehrenamtliche in der Region Osnabrück. Das ergab eine nicht repräsentative Umfrage des Vereins „Rückenwind für Bürgerengagement“ zu den Rahmenbedingungen ehrenamtlicher Arbeit im Vorfeld der Landtagswahlen in Niedersachsen.

Mit dem Verein „Rückenwind“ unterstützt Peter
Klösener Ehrenamtliche. Foto: privat

Peter Klösener, Vorsitzender des Vereins, erklärt, was die Ergebnisse auch für den kirchlichen Bereich bedeuten.

Ehrenamtliche beklagen fehlende Wertschätzung – wie schlimm ist das?

Dieses Ergebnis hat uns in der Tat etwas erschreckt. Rund zwei Drittel der Befragten beklagten eine zu geringe Wertschätzung. Das ist tragisch. Die Leute engagieren sich unentgeltlich, oft zahlen sie finanziell sogar noch drauf, weil es mit der Kostenerstattung nicht immer funktioniert. Sie leisten neben ihrer Zeitspende also auch noch Geldspenden. Und dann sagt noch nicht mal jemand Danke ...

Ist die Kultur der Wertschätzung im kirchlichen Bereich besser? 

Nicht wirklich. 68 Prozent von allen Rückmeldungen beklagten eine zu geringe Wertschätzung, im kirchlich/religiösen Bereich waren es 67 Prozent. Das ist also nahezu identisch. Die Umfrage ist allerdings nicht repräsentativ, es haben 56 Vereine und Verbände aus der Region teilgenommen, davon sechs aus dem kirchlichen Bereich.

Das ist nicht viel ...

Ja, allerdings hatten wir auch 2011 bereits eine Umfrage im kirchlichen Bereich zu den Bedingungen des Ehrenamtes gestartet. Auch hier schnitt die Wertschätzung mit knapp befriedigend am schlechtesten ab. Hier müssen wir unbedingt sensibler werden. 

Wie zum Beispiel?

Eine große Wertschätzung ist es schon, wenn jemand nach einer Veranstaltung etwas sagt. „Einfach mal Danke sagen“, das war auch 2011 schon ein großer Wunsch der Ehrenamtlichen. Das kostet nichts, man muss nur daran denken. 

Das allein reicht?

Das ist auf jeden Fall wichtig. Natürlich müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen. Das Ehrenamt braucht Unterstützung durch Hauptamtliche. Einsatzbereiche werden umfangreicher und komplizierter, Zielgruppen nicht einfacher. Die Hauptamtlichen beraten, stellen Anträge, vermitteln Fortbildungen – und danken! Das alles kostet Zeit, trägt aber dazu bei, Menschen zu halten, neue zu gewinnen und ein positives Image zu vermitteln.

Wie wollen sich die Parteien einsetzen?

Eigentlich verstehen alle Parteien das Starkmachen für das Ehrenamt als Teil ihres Auftrages. Bei einer Diskussionsveranstaltung waren sich jetzt Kandidaten aus der Region einig, dass man etwas tun muss. Zum Beispiel bei fehlenden Räumlichkeiten, die einige Ehrenamtliche beklagt hatten. Wir brauchen mehr Bürgerhäuser, und Kirchengemeinden könnten ihre Pfarrheime öffnen, sie wurden ja schließlich oft auch aus kommunalen Mitteln mitfinanziert.

Gibt es noch mehr Ideen?

Auch die Ehrenamtskarte soll aufgewertet werden. Hier geht es um die vergünstigte Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs und die Anrechnung des Ehrenamtes auf Wartezeiten für einen Studienplatz, auf die Bezugsdauer des BAFÖG oder die Vergabe von Ausbildungsplätzen. Auch das alles ist Bestandteil von Wertschätzung.

Interview: Astrid Fleute