03.08.2022

Caritas hilft Benachteiligten

Energiekosten stärker berücksichtigen

Die Caritas setzt sich bei den niedersächsischen Sozialbehörden für die Belange der Menschen ein, die wegen hoher Energiekosten in eine Schuldenfalle geraten könnten. Im Land seien rund 1,3 Millionen Menschen betroffen.

Ohne finanzielle Hilfe können viele ohnehin in der Armutsspirale
gefangene Menschen ihre Heizkosten nicht mehr bezahlen. Foto:
imago/Andreas Berheide

Die Caritasverbände in den Bistümern Osnabrück und Hildesheim haben die Sozialbehörden in Niedersachsen aufgefordert, die Energiekosten für Menschen, die Sozialleistungen beziehen, stärker als bisher zu berücksichtigen. Familien dürften durch die hohen Energiepreise nicht in existenzielle Not geraten. Viele Familien im Land fürchteten Überschuldung und Obdachlosigkeit, weil sie die Energiekos­ten nicht aufbringen könnten. Dies meldeten die Sozial- und Schuldnerberatungen. Das Problem werde sich zum Winter weiter verschärfen, hieß es. Allein in Niedersachsen seien 1,3 Millionen Menschen von Einkommensarmut betroffen.

Der sozialpolitische Experte der Hildesheimer Caritas, Reinhard Kühn, forderte rasche Hilfen. „Es kann nicht sein, dass nur die Kosten des Vorjahres übernommen werden, wenn die Heizkosten allerorten explodieren. Sonst werden Menschen im Sozialleistungsbezug ihre Wohnungen verlieren, oder sie sitzen im Winter im Kalten.“ Das gelte auch für die Fälle, in denen Vermieter den Heizkostenabschlag verdreifachten, um die eigenen finanziellen Risiken abzusichern.

Strom im Regelbedarf zu niedrig bemessen

Maria Keiser-Scheer, Referentin für Allgemeine Soziale Beratung bei der Osnabrücker Caritas, erklärt: „Die Energiepreissteigerungen treffen vor allem Menschen im Grundsicherungsbezug hart, da der Strom im Regelbedarf deutlich zu niedrig bemessen ist.“ Die hohen Energiepreise würden in den kommenden Wochen und Monaten zu weiteren finanziellen Belastungen führen, wenn Nachforderungen gestellt und Abschlagszahlungen durch die Energieversorger angepasst würden. Geringverdiener, die nicht im Leistungsbezug des SGB II sind, könnten aufgrund hoher Nachzahlungen möglicherweise Anspruch auf Leistungsbezug erheben. Dafür müssten sie im fälligen Monat einen Antrag stellen. Hier könnten die Beratungsstellen der Caritas unterstützen. 

Insgesamt sei die Lage der Haushalte mit niedrigem Einkommen schwierig. Sie könnten die Mehrbelastungen durch die gestiegenen Energie- und Lebenshaltungskosten nicht auffangen, da sie oft über wenige Rücklagen verfügen. Ohne Unterstützung verstärke sich das Risiko einer Schuldenspirale. (kb/epd)