29.04.2019

Caritas-Aktionstag zur Wohnungsnot

Es geht um ein Zuhause

Ein Wohnzimmer auf dem Domplatz, ein Jugendzimmer auf dem Nikolaiort und vor dem Theater unübersehbar der Schlafplatz eines Obdachlosen: Mit einem Aktionstag machte der Osnabrücker Caritasverband auf die Wohnungsnot in Osnabrück aufmerksam.

Auf dem Osnabrücker Domplatz trafen sich (von links) Caritasdirektor Franz Loth, Caritas-Moderator Matthias Stockkamp, Bernhard Hövelmeyer, Geschäftsführer der Wohnbaugenossenschaft Osnabrück, und der Geschäftsführer des Heimstättenvereins Osnabrück, Jürgen Silies, zum Gespräch über Wohnungsnot. Foto: Caritas/Frauke Damerow

„Die Mieten steigen, und die Zahl der Sozialwohnungen geht in Osnabrück rapide zurück. Allein in den vergangenen fünf Jahren sind ein Viertel der Wohnungen in Osnabrück aus der Sozialbindung gefallen. Das muss aufhören. Hier ist die Politik gefordert“, appelliert der Osnabrücker Caritasdirektor Franz Loth. Wohnungsnot, betont er, sei die soziale Frage des 21. Jahrhunderts.

In den Beratungsdiensten der Caritas sei der Mangel an bezahlbaren Wohnungen seit langem auf der Tagesordnung berichtet Monika Schnellhammer, Geschäftsführerin des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Osnabrück: „In unserer Sozialberatung merken wir, dass viele unserer Klienten, vor allem Familien mit Kindern, Miete und Nebenkosten kaum noch aufbringen können. Wer ohnehin nicht viel hat, muss oft mehr als die Hälfte seines Einkommens für die Unterkunft ausgeben.“

Aus diesem Grund setzte der Caritasverband für die Diözese Osnabrück ein Signal: Im Open-Air-Wohnzimmer vor dem Dom wurden Bischof Franz-Josef Bode, der Vorsitzende des Caritasrates im Bistum Osnabrück Diakon Gerrit Schulte, Stadtrat Wolfgang Beckermann und weitere Ansprechpartner aus Wohnungsbauwirtschaft, Politik, Kirche und Caritas nach Lösungen befragt. Bode machte zunächst deutlich, dass Wohnen mehr ist, als eine Wohnung zu haben: „Es geht nicht nur um die eigenen vier Wände, es geht um ein Zuhause. Dazu gehören Kontakte und menschliche Begegnungen.“ Allerdings bestätigt der Osnabrücker Bischof das Grundproblem, dass bezahlbare Wohnungen immer schwerer zu finden sind. Mit der bischöflichen Wohnungsbaugesellschaft Stephanswerk und mit vielen Initiativen leiste das Bistum einen Beitrag für günstigen Wohnraum, erläuterte dann Stephanswerk-Geschäftsführer Johannes Baune.

Eine Idee: Wohnungsproblem mit sogenannten Mikrohäusern lösen

Bischof Franz-Josef Bode, Caritas-Moderator Roland Knillmann
und der Geschäftsführer des Stephanuswerks, Johannes Baune (v.l.),
diskutierten im Wohnzimmer auf dem Domplatz über Lösungsansätze
für die Wohnungsnot. Foto: Caritas/Frauke Damerow

In weiteren Gesprächsrunden kamen verschiedene Akteure zu Wort, die Lösungsansätze verfolgen. Stadtrat Wolfgang Beckermann stellte das Programm der Stadt Osnabrück vor, Stefan Wilker vom Osnabrücker Bündnis für bezahlbaren Wohnraum diskutierte mit Diakon Gerrit Schulte über die Möglichkeiten einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft und das Kolpingwerk Osnabrück stellte ein Wohngemeinschaftsprojekt in Osnabrück vor, das junge Menschen beim Start in ein selbständiges Leben begleitet.

Michael Strob, Geschäftsführer des SKM – Katholischer Verein für soziale Dienste, und Volker Bajus (Bündnis 90/Die Grünen) diskutierten über die Idee, mit sogenannten Mikrohäusern, den Tiny Houses, das Wohnraumproblem zu lösen, und die Geschäftsführer des Heimstättenvereins und der Wohnbaugenossenschaft Osnabrück erörterten mit Caritasdirektor Franz Loth unter anderem, dass Wohnungsbau am Gemeinwohl orientiert sein müsse.

Abgerundet wurde der Aktionstag durch Informationen des Beratungsangebotes von Caritas, Sozialdienst katholischer Frauen und SKM.