06.02.2020

Fairer Kindergarten

Fairness kann Kindern in die Wiege gelegt werden

Wie können Kindergärten fair werden? Dabei will die Osnabrücker Süd Nord Beratung künftig helfen. Ein Gespräch mit Fairhandelsberater Dirk Steinmeyer.

Dirk Steinmeyer, Fairhandelsberater bei der Süd Nord Beratung in
Osnabrück. Foto: Süd Nord Beratung/Max Ciolek

Es gibt schon viele faire Gemeinden. Warum sollten jetzt auch Kindertagesstätten „fair“ werden?

In den ersten Jahren der Kindheit werden die Weichen für viele spätere Lernprozesse gestellt. Wenn es also unser Ziel ist, ein gerechtes und friedliches Miteinander weltweit zu fördern, macht es Sinn, „Globales Lernen“ schon in die pädagogische Arbeit von Kindertagesstätten einzubinden. Der Blick über den Tellerrand, Weltoffenheit, Empathie, Solidarität und das Thema Fairness – all das kann den Kindern dort quasi in die Wiege gelegt werden. Aus den Reihen der fairen Gemeinden haben sich Kindergärten gemeldet, die diese Gelegenheit ergreifen möchten. Das Konzept für die fairen Gemeinden ist allerdings nicht 1:1 auf die Kindertagesstätten übertragbar. Zwar halten auch sie sich im Rahmen des Projekts an bestimmte ökologische und soziale Kriterien, im Vordergrund steht jedoch der Bildungsaspekt: Durch altersgerechte Angebote und Aktivitäten soll Kindern ein frühes Verständnis für globale Zusammenhänge, zum Beispiel in Bezug auf Konsumverhalten hier und Arbeits- und Lebensbedingungen anderswo, ermöglicht werden.

Was ist eine faire Kita und was muss jede Einrichtung dafür tun?

Eine „FaireKITA“ im Sinne des Projekts ist eine Einrichtung, die sich dem fairen Handel, der Bildung für nachhaltige Entwicklung und dem globalen Lernen widmet. Als Erstes muss die Einrichtung einen offiziellen Entschluss zur Teilnahme fassen. Es ist wichtig, dass möglichst alle Beteiligten mit im Boot sind, damit es gut und langfristig in den Kindergartenalltag verankert werden kann. Zweitens muss ein „Faires Team“ aus Eltern und Mitarbeiterinnen gebildet werden, das für die Einhaltung der weiteren Kriterien sorgt: Mindestens ein fair gehandeltes Produkt für die Kinder und ein weiteres für die Erwachsenen sollen dauerhaft eingeführt werden – natürlich gerne auch mehr. Den Kindern sollen regelmäßig Aktivitäten und Bildungsinhalte zum Thema angeboten werden, zum Beispiel über den fairen Umgang miteinander, Kinderrechte oder fairen Handel. Schließlich verpflichtet sich die Einrichtung darüber hinaus, das Engagement in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. 

Wie kann die Süd Nord Beratung den Kindertagesstätten dabei helfen?

Wir können in mehrfacher Hinsicht unterstützen: zum Beispiel durch eine Veranstaltung, in der das Projekt, der faire Handel und globales Lernen erläutert werden. Mit der Projektstelle in Dortmund können wir beraten und der Kita bei der Umsetzung helfen. Außerdem bekommen die Kita-Teams in unseren Fortbildungen das Handwerkszeug, um Kindern globale Zusammenhänge verständlich zu machen. Dabei wird Wert auf einen spielerischen Ansatz gelegt, der den Kindern einen „Blick über den Tellerrand“ ermöglicht. Wir verleihen auch kostenlos Bildungspakete wie die „Die Reise eines T-Shirts“, „Alles Banane?!“, „Der faire Fußball“ und „Wächst Schokolade auf Bäumen?“ sowie Materialien für die Bildungsarbeit mit Kindern.

Wie können Familien in den Prozess eingebunden werden?

Das Thema kann auf verschiedenen Wegen in die Familien getragen werden. Neben Elternabenden könnten in Kindertagesstätten Koch-Nachmittage mit Eltern und Kindern organisiert werden, bei denen über den fairen Handel informiert und natürlich mit fair gehandelten Produkten gekocht wird. Natürlich sind es auch die Kinder, die uns Erwachsene dann in die Pflicht nehmen: Warum sollte man das, was in der Kita gemacht wird, nicht auch zu Hause tun können? Damit das Thema aber nicht nur in einer Blase rund um die engagierte Kita und Familien hängenbleibt, ist eine engagierte Öffentlichkeitsarbeit wichtig. Dann kommen solche Aktionen auch in anderen Familien an.

Interview: Petra Diek-Münchow

Die Süd Nord Beratung in Osnabrück ist als entwicklungspolitischer Verein Anlaufstelle zum Beispiel für Weltläden und Gemeinden. Träger sind unter anderem die Bischöfliche Kommission für Mission, Entwicklung und Frieden sowie der Bund der Deutschen Katholischen Jugend in unserem Bistum. Weitere Infos: www.suednordberatung.de