19.02.2018

Anfrage

Selig, heilig, Gottesmutter: Einige Fragen zu Maria

Warum sprechen wir in Hochgebet und Schuldbekenntnis von der „seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ und im Ave Maria von der „heiligen Maria“? F.-U. B., Burgdorf, und H. F., Schaafheim

Warum sprechen wir überhaupt von der „Gottes“mutter, sie war doch die Mutter Jesu? G. F., Krefeld

„Selig“ steht in der biblischen Tradition zunächst für vollendetes irdisches Glück. Da wir aber glauben, dass menschliches Leben auf Unendlichkeit angelegt ist, ist Seligkeit erst dann erreicht, wenn der Mensch in der vollen Gemeinschaft mit Gott steht. Wenn also von Maria als „Selige“ gesprochen wird, meint dies, dass sie im Reich Gottes teilhat an der Gemeinschaft mit Christus und der Anschauung Gottes.

Heilig ist in der Bibel zunächst nur Gott. Durch die Beziehung zu ihm kann sich Israel ein „heiliges Volk“ nennen und kann Paulus die Christen als „Heilige“ anreden. Erst später entwickelte sich der besondere Begriff der Heiligkeit, der auch für Menschen gilt, die in amtlichen Verfahren heiliggesprochen werden. Von ihnen wird gesagt, dass sie ihr Heil bei Gott gefunden haben. Selige wie Heilige. Deshalb kann man über Maria beides sagen.

Egal ob selig oder heilig: Warum Gottesmutter? In den ersten Jahrhunderten wurde viel darüber diskutiert, wer Jesus war: Gott? Mensch? Beides? Verbunden damit waren Streitigkeiten über die Bedeutung von Maria. War sie eine Göttin? Eine eher unwichtige Adoptivmutter? Sollte man sie verehren?

Die ersten Konzilien wollten verschiedene Richtungen zusammenhalten. Auch durch Kompromisse. So entstand auch die Formel „wahrer Gott und wahrer Mensch“. Mit Auswirkungen auf Maria. Denn wenn Jesus Gott war, dann hat Maria nicht nur ein Menschenkind, sondern Gott selbst zur Welt gebracht.

Zunächst nannte man sie „Gottesgebärerin“. Das setzte sich aber nicht durch, denn die Aufgabe Mariens war mit der Geburt ja nicht beendet: Sie ließ Jesus aufwachsen, erzog ihn, liebte ihn, blieb ihm nahe bis zum Tod. Diese Beziehung drückt „Mutter“ viel besser aus als „Gebärerin“.

Gottesmutter ist daher vor allem eine Aussage über Jesus: Er war nicht nur Menschenkind, sondern Gott; Maria nicht nur Mutter Jesu, sondern auch Mutter Gottes.

Von Susanne Haverkamp