29.03.2019

Im Bistum Osnabrück zum ersten Mal

Frau übernimmt Leitung einer Pfarrei

Bad Iburg und Glane wird die erste Pfarreiengemeinschaft im Bistum Osnabrück, die von einer Frau als Pfarrbeauftragter geleitet wird. Das haben Vertreter des Bistums jetzt mit den Gremien beider Gemeinden besprochen. Christine Hölscher wird ihren Dienst am 1. Dezember antreten.

 

Christine Hölscher. Foto: bpo

Mit der Einführung der Gemeindeleitung durch hauptamtliche Laien – also pastoralen Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen, die nicht zum Priester geweiht sind – soll die weitere Zusammenlegung von Pfarreien zu noch größeren Einheiten im Bistum Osnabrück vermieden werden. Das Kirchenrecht ermöglicht diesen Schritt, wenn es nicht genügend Priester zur Leitung gibt. Der Pfarrbeauftragten steht in ihren Aufgaben ein moderierender Priester zur Seite, der nicht vor Ort lebt. Bad Iburg und Glane sind nach Gesmold und Wellingholzhausen die zweiten Standorte im Bistum, an dem dieses Modell umgesetzt wird. Der derzeitige Pfarrer von Bad Iburg, Heinrich Bernhard Kraienhorst, bleibt in diesem Amt bis zum 1. Oktober und wird ab dem 1. November als Pastor in Wallenhorst-Hollage tätig. Eine Frau in der Rolle einer Pfarrbeauftragten gibt es in Deutschland nur ganz selten.

„Frauen sollten den Spielraum auch nutzen“

Der Entscheidung ist ein langer Prozess vorausgegangen. Christine Hölscher, seit 2014 als Gemeindereferentin und pastorale Koordinatorin in der Pfarrei Christus König in Osnabrück tätig, freut sich, dass sie jetzt damit an die Öffentlichkeit gehen darf. „Das Kirchenrecht bietet diesen Spielraum, damit Laien Leitung übernehmen“, sagt sie im Gespräch mit dem Kirchenboten, „und diesen Spielraum sollten Frauen auch nutzen.“

In den vergangenen Wochen hat sie viele Gespräche geführt. Mit den beiden Priestern, mit denen sie zusammenarbeiten wird – Clemens Loth, bislang Pfarrer in Nordhorn, und mit Bernhard Brinkmann, zurzeit noch Krankenhausseelsorger in Bremen. Brinkmann wechselt im Laufe des Jahres nach Osnabrück und wird die Rolle des moderierenden Pfarrers übernehmen, Loth wird als Pastor in beiden Gemeinden leben. Geredet hat Hölscher auch mit Maria Feimann. Feimann stand ihr zur Seite, als sie 2015 und 2016 am sogenannten Mentoringprogramm der Deutschen Bischofskonferenz teilnahm, mit dem Frauen für Führungspositionen innerhalb der Kirche fit gemacht werden.

„Es ehrt mich auch, dass die Bistumsleitung mir diese Aufgabe zutraut“, sagt Hölscher. Und sie sei zuversichtlich, dass die Aufgaben gut verteilt würden. Sie absolvierte ihre Ausbildung zur Gemeindereferentin von 1988 bis 1991 in Hildesheim, war dann in Herzlake und Dohren aktiv, wechselte nach Haren und Altharen, schließlich im Jahr 2000 nach Bad Iburg und Glane. Aus der Zeit bestehen noch viele Kontakte, „deshalb freue ich mich jetzt auf die neue Herausforderung. Ich mag die Menschen in den beiden Gemeinden“, sagt Hölscher, die in wenigen Tagen 52 Jahre alt wird.

Hölscher ist die erste Frau, die zur Pfarrbeauftragten, also zur Gemeindeleiterin, berufen wird, doch neu ist die Situation im Bistum nicht. Mit Michael Göcking hat im Dezember 2018 der erste Laie eine solche Aufgabe übernommen. An diesem Sonntag (31. März) treffen sich die Pfarreien von Gesmold und Wellingholzhausen zur ersten Pfarrversammlung seit der Umgestaltung, um über die Veränderungen zu sprechen. Hölscher stammt aus Wellingholzhausen und sagt, sie habe schon viel Positives vernommen. Und demnächst wolle sie sich mal mit Michael Göcking zusammensetzen. Erfahrungen auszutauschen könne sicherlich hilfreich sein.

Hölscher hat in Bad Iburg und Glane Residenzpflicht, muss also umziehen. Eine Wohnung hat sie noch nicht, sagt sie. Aber auch in der Frage ist sie zuversichtlich.

Bernhard Brinkmann, bisher Krankenhauspastor in Bremen, freut sich ebenfalls auf die neue Aufgabe als moderierender Priester. „Dieses neue Gemeindemodell ist ein Stück von der Zukunft der Kirche. Und ich finde es spannend, daran mitarbeiten zu können“, sagte er dem Kirchenboten. „Und ich finde es auch toll, dass eine Fraue diese Position übernimmt.“ Er werde alles dafür tun, dass gute Erfahrungen gemacht werden, „und dass der Heilige Geist die Offenheit bekommt, hier zu wirken“.

Eine Veränderung ergibt sich auch für Clemens Loth, bislang Pfarrer in St. Augustinus Nordhorn. Seit der Fusion der Nordhorner Pfarreien leitet er St. Augustinus zusammen mit Pfarrer Ulrich Högemann. „Wir haben hier in den vergangenen drei Jahren die Aufgaben so verteilt, dass ich mehr und mehr Zeit hatte für die Liturgie und die Seelsorge“, sagt Loth. Deshalb könne er sich den nächsten Schritt gut vorstellen – noch weiter in die Rolle zu kommen, sich diesen Tätigkeiten zu widmen.

Verbunden mit diesen personellen Veränderungen wünscht sich die Bistumsleitung um Bischof Franz-Josef Bode für die Gemeinden in Bad Iburg und Glane einen Prozess der pastoralen Neuorientierung. Schon vor der Neubesetzung werden die Gremien, das bestehende Pastoralteam und die gesamte Gemeinde eingeladen, sich an diesem Prozess zu beteiligen und gemeinsam zu überlegen, wie das kirchliche Leben vor Ort zukünftig aussehen kann. Unterstützt und begleitet werden sie dabei durch Mitarbeiter des Bistums.

Matthias Petersen (mit bpo)