14.11.2018

Ökumenische Werkstätten zum Weltgebetstag

Frauen wollen den Himmel stürmen

Immer am ersten Freitag im März ist Weltgebetstag der Frauen. Schon Monate vorher bereiten sich Ehrenamtliche darauf vor, die Idee in die Gemeinden zu bringen. Mit einer besonderen Aktion wollen sie junge Leute ansprechen.

Die Teilnehmerinnen der Ökumenischen Werkstatt in Lingen freuen sich auf den Weltgebetstag der Frauen. Foto: Elisabeth Tondera

Es ist ein strahlender Samstagnachmittag. Vor dem Eingang des Ludwig-Windthorst-Hauses (LWH) in Lingen haben sich einige Frauen eingefunden, immer mehr kommen hinzu. Rita Stein­breder, Referentin für die Arbeit mit Frauen in den Sprengeln Osnabrück und Ostfriesland-Ems, hält die Fotokamera bereit. Sie lädt die Frauen ein, sich fotografieren zu lassen. Jeweils zwei Frauen sollen sich an den Händen halten, die Finger zu einer gemeinsamen Gebetsgeste falten, diese Gebetsfaust in Richtung Himmel heben und ihr nachschauen. Sobald sich ein Paar gefunden und die Position eingenommen hat, fotografiert Rita Steinbreder die Frauen von hinten. Anschließend prüfen alle drei, ob sie mit dem Ergebnis zufrieden sind.

„Wir wollen vor allem junge Frauen damit ansprechen“

„Occupy heaven“ („Stürmt den Himmel“) ist die Aktion überschrieben. „Dahinter steckt die Idee, den Weltgebetstag über die Sozialen Medien zu verbreiten, ihn damit bekannter zu machen und vor allem junge Frauen anzusprechen“, sagt Lydia Egelkamp, Referentin der Frauenseelsorge im Bistum. Auf den Seiten von Facebook und Instagram können die Bilder hochgeladen werden, damit die Aktion bekannter wird. Gertrud Möddel aus Lingen hat den Weltgebetstag in jungen Jahren kennengelernt, „und das hat mein Leben sehr bereichert. Aber heute haben wir kaum junge Frauen dabei“. 

Bei dem ökumenisch angelegten Treffen im LWH ist immer wieder der Wunsch nach Verjüngung des Weltgebetstags zu hören. „Es ist unsere Herausforderung, junge Frauen zu mobilisieren. Da ist noch ein Loch“, meint Gaby Göttsche aus Wallenhorst. Für Lydia Egelkamp steht fest: „Wir müssen nach neuen Wegen suchen.“ Das Teilen im Netz sieht sie als gute Möglichkeit, das Ziel zu erreichen. „Die Wege werden vielfältiger“, meint sie und fügt lächelnd hinzu: „In der Ökumenischen Werkstatt hier im LWH arbeiten wir ansonsten überwiegend klassisch.“ 

Klassisch bedeutet unter anderem, dass die Teilnehmerinnen sich mit dem Land auseinandersetzen, dessen Frauen die Liturgie des Weltgebetstages erarbeitet haben. Es ist Slowenien, ein Land, das mitten in Europa liegt und dennoch nicht sehr bekannt ist. Oft wird der EU-Staat mit zwei Millionen Einwohnern, der zwischen Italien, Österreich, Ungarn Kroatien und der Adriaküste liegt, mit der Slowakei verwechselt. Als unabhängiger Staat existiert Slowenien seit 1991. 

Laut slowenischer Verfassung sind Frauen und Männer gleichberechtigt, doch de facto seien die Frauen politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich aber benachteiligt, lernen die Frauen im LWH. Die katholische Kirche (rund 60 Prozent der Slowenen sind katholisch) sei extrem konservativ, immer wieder werde versucht, Frauen in traditionelle Rollenmuster zurückzudrängen. Der Weltgebetstag sei dort kaum bekannt. Mit ihrem Gottesdienst am 1. März 2019 wollen die Organisatorinnen ihr kleines Land weltweit bekannt machen und die Ökumene stärken. Sie laden dazu mit offenen Händen und einem reich gedeckten Tisch ein. „Kommt, es steht alles bereit“, lautet die Bibelstelle aus dem Lukasevangelium (14,17). Die slowenischen Frauen laden alle Menschen ein, besonders die benachteiligten, mehr Gerechtigkeit und Toleranz in ihre Gesellschaft zu bringen. 

Bibelarbeit wie bei Martin Luther zu Hause

Die Festtafel ist das wichtigste Zeichen im Gottesdienst aus Slowenien. Auch die Teilnehmerinnen der Ökumenischen Werkstatt im LWH setzen sich nach der Fotoaktion an eine große, festlich gedeckte Tafel im Gruppenraum zum Frauenmahl. „Es ist Bibelarbeit in ungewohnter Form, wie bei Martin Luther zu Hause“, sagt Rita Steinbreder. Einige Frauen verteilen Wasser in Krügen an die Teilnehmerinnen, es folgen drei Tischreden zum Text des Lukasevangeliums, nach jeder Tischrede sind die Frauen zu einer Gesprächsrunde eingeladen.

Gastfreundschaft spielt eine wichtige Rolle in Slowenien. Davon zeugen die Gaben des Landes, die Heike Jünemann vom evangelisch-lutherischen Frauenwerk auf einem Tisch arrangiert hat: Honig, Kürbisöl, Weintrauben, Rosmarin, Lavendel. Ein kleiner Drache bewacht die Präsentation. Er wirkt asiatisch, hat dies eine Bedeutung? „Der Drache ist das Wappentier der Hauptstadt Ljubljana, ich hatte keinen anderen“, sagt Heike Jünemann lachend. 

Im Laufe des Wochenendes erfahren die 30 Teilnehmerinnen mehr über das Land und die Situation der Frauen, erarbeiten das Thema und die Botschaft der Gottesdienstordnung, üben Lieder für den Gottesdienst ein, die slowenische Frauen ausgewählt haben. Gaby Göttsche ist begeistert: „So passend habe ich es noch nie erlebt.“ Sie und die anderen Teilnehmerinnen werden die Ergebnisse in ihre Gemeinden tragen.

Elisabeth Tondera 

 

Im Januar und Februar 2019 gibt es an mehreren Orten regionale Werkstätten zum Weltgebetstag. Die Termine:

11. Januar, (16 bis 20 Uhr) im Gemeindezentrum Christuskirche Bremen; 
11. Januar (14 bis 20 Uhr) im Kloster Frenswegen; 
Nordhorn, 12. Januar, (10 bis 18.30 Uhr) im Kloster Frenswegen, Nordhorn; 
12. Januar, (10 bis 16 Uhr) im Gemeindezentrum Christuskirch, Bremen; 
16. Januar, (14 bis 20 Uhr) im Jugendkloster, Ahmsen; 
18. Januar, (15 bis 21 Uhr) im Lutherhaus, Georgsmarienhütte;
19. Januar, (10 bis 17 Uhr) im evangelischen Gemeindehaus, Wissingen;
19. Januar, (8.30 bis 16.30 Uhr) im Gemeindehaus, Bersenbrück;
19. Januar, (9.30 bis 18 Uhr) im Mutterhaus der Diakonissen, Lemförde;
23. Januar, (14 bis 20 Uhr) im Ludwig-Windhorst-Haus, Lingen; 
1. Februar, (13.30 bis 19 Uhr) in der Franz-von-Assisi-Schule, Osnabrück

Nähere Infos dazu bei Lydia Egelkamp, Telefon 05 91/6 10 21 53; E-Mail: l.egelkamp@bistum-os.de