06.09.2021

Kriegerische Konflikte weltweit

Für den Frieden beten

Manchmal hilft nur noch beten. Engagierte Christen, die angesichts der kriegerischen Konflikte auf der Welt nicht verzweifeln wollen, besuchen Friedensgebete oder organisieren selbst welche, sogar in Schulen.

Für das Friedensgebet am Donnerstag versammelten sich Schüler der Katholischen Schule Altona im Mai während der Corona-Pandemie auf dem Pausenhof.

Kriegerische Auseinandersetzungen beherrschen viele Teile der Welt, ob in Syrien, im Jemen oder auch in Europa in der Ukraine: Dort ist der Waffenstillstand zwischen ukrainischen Truppen und den prorussischen Söldnern, die 2014 Gebiete in der Ukraine besetzt hatten, äußerst brüchig. Im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit steht derzeit aber Afghanistan, wo die islamistischen Taliban kurz vor dem Abzug der Nato-Truppen die Macht übernommen haben. Angesichts dieser Entwicklung fühlen sich viele Menschen ohnmächtig und bei Friedensgebeten wird für die Bevölkerung Afghanistans gebetet. 

Doch in manchen Gemeinden gibt es keine gemeinsamen Friedensgebete, denen man sich anschließen kann. Wie kann man solche Friedensgebete in der Kirche, in der Schule, in der eigenen Kolping- oder Frauengruppe etablieren? Dafür braucht es keinen Priester; jeder und jede Getaufte ist berufen, eine Andacht für den Frieden zu halten, Texte und Lieder auszusuchen und zum Mitbeten einzuladen. Hier einige Beispiele:


Ökumenisches Friedensgebet
In Osnabrück, der Stadt des Westfälischen Friedens (1648), hat die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Osnabrück (ACKOS) ein Friedensgebet etabliert. Es findet wöchentlich in der  evangelischen Kirche St. Marien statt, jeweils samstags um 11.30 Uhr, wenn in Osnabrück auch Markttag ist. Nach dem Friedensgebet gehen viele Gläubige noch auf den nahegelegenen Wochenmarkt.  

Das Friedensgebet in Osnabrück wird im Wechsel von verschiedenen christlichen Gemeinden und Gruppen gestaltet. Je nach Konfession werden verschiedene Schwerpunkte gesetzt, es soll aber  die Dauer von 15 bis 20 Minuten nicht überschreiten. Auch Franz-Josef Lotte von der Katholischen Friedensbewegung pax christi, Regionalverband Osnabrück/Hamburg hat es schon einige Male gestaltet. Für ihn gehören immer eine Begrüßung, ein Friedensgruß, ein Bibeltext und der Segen dazu. Auch das Vaterunser und ein Lied sollten nicht fehlen, meint Lotte, denn damit könne man alle Anwesenden aktiv einbinden. Als während der Corona-Pandemie die Auflagen das Singen nicht erlaubten, hätten manche ein Instrumentalstück vom CD-Player gespielt oder selbst musiziert. 


Gebetswache für den Frieden
Musik gehört auch für Elke Stolte aus Bohmte (Kreis Osnabrück) dazu, wenn sie in der Gemeinde St. Johannes der Täufer die „Gebetswache für den Frieden“ vorbereitet. Gerne greift sie dafür auf Lieder aus Taizé zurück, Psalmen und andere Texte findet sie im Gotteslob. Insgesamt sind es zehn Personen, die zu zweit ein Friedensgebet vorbereiten, das donnerstagabends um 18.30 Uhr beginnt. Es wurde eingeführt, um nicht nur für den Frieden in der Welt, sondern auch um Frieden unter den Menschen, in ihrer Nachbarschaft und Familie, zu bitten. Vorbereitet wird eine Gebetswache mit einer Dauer von 45 bis 60 Minuten.

Das Besondere in Bohmte ist, dass das Friedensgebet mit einer eucharistischen Anbetung verbunden ist. Zu Beginn erfolgt die Aussetzung des Allerheiligsten: Wenn das Eröffnungslied erklingt, wird die Monstranz aus dem Tabernakel genommen und auf den Altar gestellt. Gelesen wird das Evangelium des kommenden Sonntags, auch Mariengebete gehören dazu; die Gebetswache in Bohmte ist durch katholische Frömmigkeit geprägt. 


Aktion der Hamburger Schulen
An den katholischen Schulen in Hamburg wird regelmäßig für Frieden gebetet, an jedem Donnerstag um 9 Uhr, „egal, in welchem Fach oder bei welchem Lehrer“, erklärt Christoph Schommer, Sprecher  Schulen und Hochschulen im Erzbistum Hamburg: Das Friedensgebet sei ganz bewusst nicht auf den Religionsunterricht beschränkt. Auch in der Schulabteilung versammeln sich laut Schommer stets einige Kollegen und Kolleginnen donnerstags zum Gebet für den Frieden. 

Das Friedensgebet der katholischen Schulen geht auf die Aktion „Den Frieden ins Gebet nehmen“ zurück, welche 2017, als das Treffen der G-20-Regierungschefs in Hamburg stattfand, zur ökumenischen Aktion „Die Welt ins Gebet nehmen“ erweitert wurde. Erzbischof Stefan Heße und Pröpstin Astrid Kleist starteten damals die ökumenischen Friedensgebete, denn auch die evangelischen Bugenhagenschulen in Hamburg machen mit. 


Tradition I: Lingen
Das ökumenische Friedensgebet in der  evangelischen Kreuzkirche im emsländischen Lingen findet mittwochs um 9.30 Uhr statt. Es wurde 1983 begonnen, um gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen in Europa zu protestieren. Es war die Zeit des Kalten Krieges, der auf Abschreckung setzte: als die USA die Pershing-II-Raketen in der Bundesrepublik und die Sowjetunion die SS-20-Raketen in der DDR (zum Beispiel in Ohrdruf in Thüringen) stationierten. Dieses Friedensgebet wird vor allem von Frauen getragen, doch es machen auch einige Männer mit. 

Das Ehepaar Ursula (81) und Johannes Wiemker (83) hat das Friedensgebet in den vergangenen Jahren stets gemeinsam gestaltet, so ist im Laufe der Jahre eine dicke Kladde mit Texten für Friedensgebete zusammengekommen. Jetzt haben sich Wiemkers aus Altergründen zurückgezogen. Doch die Regel, dass das Friedensgebet nicht länger als eine halbe Stunde dauern sollte und die Impulstexte laut Wiemker „nicht zu belehrend“ sein sollten, gilt nach wie vor.


Tradition II: Leipzig
In Leipzig gebe es das Friedensgebet in der Nikolaikirche seit 1982, berichtet Waltraud Neuschäfer. Es gilt als Keimzelle für die Montagsdemos in der DDR und findet nach wie vor montags statt, Beginn ist um 17.30 Uhr. Das Friedensgebet wird von verschiedenen Gruppen und Initiativen gestaltet. Waltraud Neuschäfer ist als Ehrenamtliche dafür zuständig, dass die Gruppen ihre Texte rechtzeitig einreichen, damit die Organisten wissen, wann ihr Einsatz ist. Zum Leipziger Friedensgebet gehören das Vaterunser und Fürbitten. Neuschäfer weist die Gruppen darauf hin, dass ihre Impulstexte nicht zu lang sein sollten, „denn sonst hört am Ende keiner mehr zu“. 


Weltfriedenstag der Kirche
Die katholische Kirche feiert jährlich am 1. Januar den Weltfriedenstag. Der Bundesverband des BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) stellt Arbeitshilfen mit Beispielen für Gebete, Fürbitten und Lieder auf seiner Homepage zum Download bereit.

Andrea Kolhoff


Friedensgebet planen

Wer in seiner Gemeinde, Schule, Gruppe oder im Betrieb ein Friedensgebet etablieren möchte, sollte auf Folgendes achten:

- Suchen Sie sich Mitstreiter, damit die Vorbereitung auf mehrere Schultern verteilt wird.

- Legen Sie einen Termin fest und behalten Sie den Wochentag und die Uhrzeit bei.

- Überlegen Sie, ob das Friedensgebet ökumenisch oder sogar interkonfessionell gestaltet sein soll und laden Sie dann entsprechend weite Kreise ein.

- Ein Friedensgebet sollte eine Begrüßung, einen Bibeltext, und das gemeinsam gesprochene Vaterunser beinhalten, weitere Gebete, Texte und Lieder können je nach Thema des Tages ausgesucht werden.  

- Im Gotteslob finden sich gute Vorschläge für Andachten, zum Beispiel 680,2. Fangen Sie einfach damit an. 
- Franz-Josef Lotte von pax christi (Osnabrück/Hamburg) versendet Vorschläge für Friedensgebete, wer in den Verteiler aufgenommen werden will, kann ihm eine E-Mail schicken: os-hh@paxchristi.de