13.05.2020

Wallfahrt in Wietmarschen fällt aus

Gebetbuch als Mutmacher

Wie andere Großveranstaltungen auch, fällt die für den 17. Mai vorgesehene Familienwallfahrt in Wietmarschen wegen der Corona-Krise aus. Doch die St.-Johannes-Gemeinde hält für die Pilger kleine Alternativen bereit.

Erinnerung an 2019: Bei gutem Wetter kamen über 2000 Pilgerinnen und Pilger nach Wietmarschen. Dieses Jahr geht das nicht. Foto: Sebastian Hamel

Schon Mitte März hatte der Bischöfliche Beauftragte für die Wietmarscher Wallfahrt, Domkapitular Reinhard Molitor, der St.-Johannes-Gemeinde mitgeteilt, dass die Familienwallfahrt wegen der Pandemie nicht stattfinden kann. Natürlich ist das schade, sagt Pfarrer und Dechant Gerhard Voßhage, „aber die aktuellen Umstände lassen es eben einfach nicht zu.“ Und auch wenn nun viele Pilgerfahrten nicht stattfinden dürfen, der Leitgedanke für die Wallfahrtszeit im Jahr 2020 bleibt seiner Ansicht nach trotzdem ein Wort der Ermutigung. Er heißt: „Ich bin da, wo du bist.“ Und Voßhage findet es gerade jetzt aktuell: „Gott bleibt bei uns in allen Zeiten, auch im Leid.“

Die Gemeinde hatte ein langes Festprogramm geplant, weil ein Doppeljubiläum im Kalender steht. Vor 800 Jahren ist die als „Gnadenbild“ in der Kirche bekannte Marienstatue entstanden. Und 2021 wollen die Wietmarscher feiern, dass Bischof Wilhelm Berning vor 100 Jahren die Wallfahrt wiederbelebt hat. Die Familienwallfahrt am 17. Mai sollte der Auftakt zu den Feierlichkeiten sein – weitere Veranstaltungen wie ein Pfarrfest, ein Chöretag und ein Kommersabend sollten folgen. Ob die im Sommer und Herbst stattfinden können, weiß der Pfarrer noch nicht. „Das müssen wir von der Entwicklung abhängig machen.“

Gebetbuch von Autorin Irmgard Partmann

Trotzdem gibt es einige Aktionen, die der Jubiläumsarbeitskreis nicht aufgegeben hat – zum Beispiel die eigens gestalteten Kerzen und der Honig, den Wietmarscher Imker produzieren. Und das Gebetbuch, das die örtliche Autorin Irmgard Partmann für das Doppeljubiläum erdacht hat. Auf gut 20 Seiten enthält die mit Bildern aus der Wallfahrtskirche und der Marienkapelle illustrierte Broschüre Impulse und Texte zur Muttergottes sowie allgemeine Gebetstexte. „Unsere Welt befindet sich derzeit in einer Schieflage, geprägt von Ängsten und Sorgen, wie es wohl weitergehen mag. Mit meinen Texten in einer modernen, zeitgemäßen Sprache möchte ich Menschen Mut machen, damit sie daraus Kraft und Zuversicht schöpfen und den Blick wieder nach vorne richten können“, sagt Partmann. Ab Mitte Mai soll der Band in der Kirche zum Kauf ausliegen. 

Etwa zum gleichen Zeitpunkt sind in den Schaufenstern im Ortskern, bei der Kirche und auch in einem Fenster des Matthiasstiftes 18 Infotafeln zur Geschichte der Kirchengemeinde zu sehen. Der Wallfahrtsverein und der Heimatverein Wietmarschen haben das Projekt gemeinsam realisiert. Laut Louise Revermann, Vorsitzende des Heimatvereins, liegt der Schwerpunkt auf der Marienstatue und der Wallfahrt. Aber die Passanten bekommen in Text und Fotos auch Informationen über Bischof Berning und Dechant Rosemann, über Ereignisse während der Nazizeit, über die Karfreitagswallfahrt der Kolpingsfamilien und die Wallfahrtswege. Weiße Lilien als Symbol für die Muttergottes weisen auf dem Boden des Marktplatzes den Weg von Schautafel zu Schautafel.

2021 beide Jubiläen am 30. Mai feiern

Finanziell unterstützt wird die Aktion durch die Emsländische Landschaft im Rahmen von „Bi mi to Huus“ aus Mitteln des Förderprojekts LandKULTUR. Die Corona-Krise hat dabei auch dieses Projekt beeinflusst. „Die Schlusskorrekturen konnten wir nur per Telefon erledigen“, sagt Revermann. Im nächsten Jahr sollen nach jetzigem Stand beide Jubiläen an einem Tag gefeiert werden. Geplant ist bisher der 30. Mai, der Dreifaltigkeitssonntag. Die Stadtpfarrei St. Augustinus in Nordhorn, die bereits viel Zeit in die Gestaltung der diesjährigen Wallfahrtsmesse gesteckt hatte, will sich nach Worten von Pfarrer Voßhage auch in 2021 dafür wieder an die Arbeit machen. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt er.

Petra Diek-Münchow

Das Gebetbuch von Irmgard Partmann wird auch verschickt, Info: Telefon 0 59 25/2 26.