13.11.2019

Konfessionsverbindende Paare

Gemeinsam zur Kommunion

„Sprecht mit dem Herrn“ ist eine Broschüre überschrieben, die das Bistum jetzt an alle Gemeinden geschickt hat. Sie richtet sich an konfessionsverbindende Ehepaare – und zeigt Wege zum gemeinsamen Empfang der Kommunion.

Stefanie van de Loo ist Referentin für Ökumene im Bistum Osnabrück. Foto: Sebastian Hamel

Vor 2017, dem Gedenkjahr der Reformation, wäre diese Broschüre auf jeden Fall eine Sensation gewesen – und auch jetzt ist sie nah dran. Es geht darum, wie konfessionsverbindende Ehepaare gemeinsam die Eucharistie empfangen können. In den Gemeinden haben sich viele Paare längst dafür entschieden, diesen Weg zu gehen, allerdings bisher ohne den offiziellen Zuspruch durch die katholische Kirche. Das Reformationsjahr hat verschiedene Früchte hervorgebracht – unter anderem die Selbstverpflichtung beider großen Kirchen, etwas für die Ehepaare zu tun, in denen nur ein Partner katholisch ist. 2018 legte die Deutsche Bischofskonferenz eine sogenannte Orientierungshilfe vor, die Bischof Franz-Josef Bode für das Bistum Osnabrück in Kraft gesetzt hat. Mit einer Broschüre wird es jetzt konkret.

„Als Bischof von Osnabrück liegen mir die konfessionsverbindenden Ehen am Herzen“, schreibt er in der Broschüre. Und fügt hinzu: „Deshalb möchte ich Ihnen auf der Grundlage dieser Orientierungshilfe offiziell die Gemeinschaft am Tisch des Herrn ermöglichen, wenn Sie in Ihrem Gewissen zu dieser Entscheidung kommen.“ Dass Osnabrück hier keinen Sonderweg geht, wird in den folgenden Worten deutlich: Er wisse sich in enger Verbundenheit mit Papst Franziskus, so der Bischof. Der hatte 2015 in Rom einem Paar den Rat gegeben: „Eine Taufe, ein Herr, ein Glaube. Sprecht mit dem Herrn und geht weiter.“

Einladung zum Gespräch mit einem Seelsorger

„Geht weiter“ – auch diese Zeilen finden sich auf dem Titel der Broschüre, die jetzt erschienen ist. Stephanie van de Loo, Referentin für Ökumene im Bistum Osnabrück und Studienleiterin im Kloster Frenswegen, hat daran mitgearbeitet. Neben den Worten des Bischofs weist sie auf einen zweiten wichtigen Aspekt hin: die Einladung zum Gespräch. Diese richtet sich an den evangelischen Ehepartner, der aufgerufen ist, sich mit dem katholischen Ortspfarrer oder einer Seelsorgerin des Vertrauens zusammenzusetzen und einen Austausch zu suchen. Ein Ergebnis dieses Gesprächs kann die Gewissensentscheidung sein, dass auch der Protestant zur Kommunion geht. Und auch wenn das Paar eine solche Gewissensentscheidung bereits getroffen habe, heißt es in der Broschüre, werde dieser mit Wertschätzung begegnet.

Aus Sicht der katholischen Kirche ist die gemeinsame Eucharistie erst möglich, wenn eine vollständige Übereinstimmung im Glauben – etwa auch in der Amtsfrage – erreicht ist. Diese Auffassung steht bislang vor dem allgemeinen Kommunionempfang der Protestanten. Zumindest für Ehepartner dürfte sich das nach der Orientierungshilfe ändern. „Das ist ein großer Schritt für uns Katholiken“, sagt van de Loo, „aber es darf ökumenisch nicht der letzte sein“. Sollte eucharistische Gastfreundschaft eines Tages allgemein möglich sein, „dann wäre das sicherlich der große Durchbruch“.

Konfessionsverbindend? Eine Frage der Haltung

Konsequent benutzt die Broschüre den Begriff „konfessionsverbindende“ Paare und löst den  der „konfessionsverschiedenen“ Paare ab. Das sei eine Frage der Haltung, sagt van de Loo. „Das Verbindende soll in den Mittelpunkt rücken.“ Gegenseitig anerkannt sei zum Beispiel die Taufe, und auch in der Bibel und im Glaubensbekenntnis seien die Konfessionen verbunden.

In diesen Tagen erhalten die Kirchengemeinden des Bistums außerdem eine Einladung zu einem Tag im April 2020, zu dem konfessionsverbindende Paare eingeladen sind. Anlass ist eine Entscheidung von Papst Paul VI. vor 50 Jahren, mit der Ehen über die Konfessionen hinweg möglich wurden. „Das war ein wichtiger Türöffner in der ökumenischen Annäherung“, schreibt Martina Kreidler-Kos, Diözesanbeauftragte für Ökumene. Am 18. April 2020 gibt es in Osnabrück neun Workshops für Paare, zum Abschluss feiern Bischof Bode und Landessuperintendentin Birgit Klostermeier einen Gottesdienst und bieten einen Einzelsegen für die Paare an. In Workshops gibt es zum Beispiel einen Tanzkurs mit Weltmeister Michael Hull, ein Erzählcafé mit Sprachaktivistin Daniela Boltres, ein Projekt mit dem Künstler Mika Springwald oder Grundlagen der Eheberatung mit dem Psychologen Christoph Hutter.

Matthias Petersen

Die Teilnahme an dem Treffen ist kostenlos. Eine Anmeldung ist bis zum 13. März 2020 möglich im Bischöflichen Seelsorgeamt, Telefon 05 41/31 82 53.


Zitiert

„Wir schlagen vor, die Möglichkeit zum gemeinsamen Empfang der Kommunion offen zu vertreten und in Gottesdiensten, Predigten und Gesprächen zu vermitteln … Auch Vorbehalte und Bedenken der Gemeindemitglieder gegen den gemeinsamen Kommunionempfang sollen ernst genommen und offen angesprochen werden … Außerdem könnte eine Katechese zur Eucharistie vielen Katholikinnen und Katholiken näherbringen, was sie immer wieder feiern und empfangen.“

Empfehlung des Pfarrgemeinderates der Nordhorner Pfarrei St. Augustinus an das Seelsorgeteam der Kirchengemeinde