06.01.2020

Bistumsteilung vor 25 Jahren

Getrauert wurde nicht lange

Vor 25 Jahren wurde das Erzbistum Hamburg gegründet, das Bistum Osnabrück verlor seine Gebiete im Norden und im Osten. Viele mussten sich erst daran gewöhnen. Warum die Trauer trotzdem bald überwunden war.

So sah das Bistum Osnabrück vor der Teilung aus. Wer von Norden aus in die Bistumsstadt wollte, musste zunächst das Bistum Hildesheim durchqueren. Grafik: Bistum Osnabrück

„Deutschland wurde vereinigt, aber das Bistum wurde geteilt.“ Der emeritierte Osnabrücker Domkapitular Heinrich Jacob schüttelt ein wenig den Kopf, wenn er an den Beginn der 1990er Jahre denkt. So lange die DDR bestand, wollte der Vatikan die Bistumsgrenzen in Deutschland nicht verändern, denn das wäre nur über eine Anerkennung des zweiten deutschen Staates möglich gewesen. Die Gebiete im Osten waren den Bistümern im Westen zugeordnet, Mecklenburg gehörte zum Bistum Osnabrück. Es sei darüber geredet worden, nach dem Fall der Mauer die Grenzen aller Bistümer zu revidieren, den oldenburgischen Teil des Bistums Münster zum Beispiel Osnabrück zuzuschlagen. „Aber das scheiterte schnell am Einspruch aus Münster“, so Jacob, der damals das Seelsorgeamt leitete. Als dann die Pläne für ein neues Bistum im Norden auf dem Tisch lagen, „da ging es im Priesterrat hoch her“, erinnert sich Jacob. Es habe Ungewissheit geherrscht und Enttäuschung.

Dabei war eine zweite Enttäuschung noch gar nicht abzusehen: Osnabrück würde auch seinen Bischof ziehen lassen müssen, denn Ludwig Averkamp wurde vom Papst zum neuen Erzbischof ernannt. Am 7. Januar 1995 wurde er von Nuntius Lajos Kada in sein Amt eingeführt. Das flächenmäßig größte deutsche Bistum war Geschichte. Das Personal hatte sich aufgeteilt: Priester wurden in das Bistum aufgenommen (inkardiniert), auf dessen Gebiet sie zuletzt tätig waren. Gleiches galt für Pastoral- und Gemeindereferenten. Fünf Jahre danach hatten sie noch die Möglichkeit, einen Wechsel anzustreben. „Alle wussten rechtzeitig Bescheid, so haben wir dramatische Situationen vermieden“, sagt der emeritierte Hamburger Domkapitular Ansgar Hawighorst, damals Personalreferent.

Vor 25 Jahren: Nuntius Lajos Kada (rechts) führte den
neuen Erzbischof Ludwig Averkamp in sein Amt ein.
Foto: pa

Joachim Schnieders, seit 1992 Finanzdirektor des Bistums Osnabrück, war unmittelbar beteiligt, als es an die Aufteilung des Vermögens ging. Grundlage seien die Zahl der Katholiken und die Größe der Fläche gewesen, sagt er. Geteilt wurde alles, sei es nun um das Barvermögen auf den Konten oder Beteiligungen an Gesellschaften gegangen. Grundstücke und Gebäude wurden nach Belegenheit vergeben – zu dem Bistum, in dem sie lagen, sollten sie auch gehören. Auch der Bestand des Versorgungsfonds, aus dem die Pensionen der Priester gezahlt werden, sei nach dem gleichen Schlüssel aufgeteilt worden. „Das war alles unspektakulär und einvernehmlich“, erinnert sich Schnieders. Im Oktober 1995 unterschrieben Ludwig Averkamp als Hamburger Erzbischof und Theodor Kettmann als Osnabrücker Diözesanadministrator den „Vermögensauseinandersetzungsvertrag“ – übrigens im Beisein von Franz-Josef Bode, der bereits zum Bischof von Osnabrück ernannt, aber noch nicht ins Amt eingeführt worden war.

Der neue Bischof ging die synodalen Wege

Denn spätestens mit dem Tag der Errichtung des Erzbistums Hamburg hatte die Suche nach einem neuen Bischof für Osnabrück begonnen. „Die Mannschaft um den damaligen Generalvikar Heinrich Heitmeyer hat diese Zeit gut gestaltet“, sagt Heinrich Jacob heute. Im November 1995 wurde der Paderborner Weihbischof Franz-Josef Bode schließlich in sein Amt eingeführt. Heinrich Jacob ist voll des Lobes: „Er konnte ohne die Vorbelastung der Bistumsteilung starten, er war der jüngste Diözesanbischof in Deutschland, das brachte viele Pluspunkte ein.“

Heute: Das Erzbistum Hamburg feiert Jubiläum. Im Hintergrund
die Türme der Domkirche im Stadtteil St. Georg. Foto: Marco Heinen

Außerdem habe er sich dadurch ausgezeichnet, viele Menschen an seinen Entscheidungen zu beteiligen, so habe er sich schnell das volle Vertrauen erworben. Und er habe Dinge aufgenommen, die ohnehin schon geplant waren – zum Beispiel habe er die synodalen Wege befördert, die bereits angedacht waren. 1999 kam es zum ersten Pastoralen Zukunftsgespräch (ZUG), auf dem das inhaltliche Programm des Bistums besprochen wurde, weitere sollten folgen. „Wir haben nicht nur getrauert, sondern auch nach vorne geblickt“, sagt Heinrich Jacob. Das habe schließlich zur Überwindung der Enttäuschung beigetragen.

Matthias Petersen

 

Zur Sache

Was ist ein Erzbistum?
Mehrere Bistümer können vom Papst zu einer Kirchenprovinz (Metropolie) zusammengefasst werden. An der Spitze steht der Erzbischof. Die weiteren Bistümer der Kirchenprovinz, die jeweils eigene Diözesanbischöfe haben, bezeichnet man als Suffraganbistümer. Ziel ist es, so das Kirchenrecht, „ein gemeinsames pastorales Vorgehen der verschiedenen Nachbardiözesen entsprechend den persönlichen und örtlichen Umständen zu fördern und (…) die Beziehungen der Diözesanbischöfe untereinander besser zu pflegen“. Zur Kirchenprovinz Hamburg gehört außerdem das Bistum Hildesheim. (kb)