25.12.2021

Wie die drei Königsgaben heute genutzt werden

"Wunder gehen nur in Gold"

Gold, Weihrauch und Myrrhe: Diese drei Gaben brachten die Heiligen Drei Könige dem Jesuskind in der Krippe. Was diese Schätze bedeuten und wie sie heute noch genutzt werden, erklären Expertinnen und Experten.

Gold ist für die Nordhorner Künstlerin Julia
Siegmund ein ganz besonderer Werkstoff. Foto:
Sebastian Hamel

Dass die drei Könige aus dem Morgenland gerade diese Geschenke mit im Gepäck hatten, ist laut Pastoralreferentin Inga Schmitt kein Zufall. „Sie kamen, um dem König der Juden zu huldigen. Da bringt man nicht einfach irgendwas mit“, sagt die Referentin für Liturgie und Glaubenskommunikation im Bistum Osnabrück. Alle drei Gaben gelten als sehr wertvoll – bei Gold ist das ganz offensichtlich. Das Edelmetall steht laut Schmitt für Unvergänglichkeit und das Göttliche – „das in der Person von Jesus nun geerdet ist“. 

Weihrauch ist nach ihren Worten ein Sinnbild für das wirksame Gebet, das wie der Rauch zum Himmel aufsteigt und damit das Irdische mit dem Göttlichen verbindet: „Wie in der Geburt Jesu.“ Bei dem Gummiharz Myrrhe, das schon wegen seiner Heilkraft einen hohen Wert besitzt, liest Inga Schmitt noch etwas anderes aus der Bibelstelle heraus: einerseits den Verweis auf Jesus als Heiler, andererseits auf seinen Tod. Denn das arabische Wort bedeutet übersetzt „bitter“. Da schwingt für Schmitt die Bitternis des Lebens und das Ende am Kreuz mit. 

Heute spielen die drei Gaben der Könige in verschiedenen Bereichen eine wichtige Rolle. Die Künstlerin Julia Siegmund aus Nordhorn arbeitet mit Gold in einigen ihrer Werke. Aber nicht um der Dekoration willen, sondern um die Aussage einer Wort-Installation, einer Skulptur, einer Grafik zu unterstützen. Zum Beispiel, wenn sie zum Thema Märchen arbeitet und ein Happy End oder wundersames Geschehen visualisieren möchte. „Ich habe mich immer gefragt, wie ich dieses ‚sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende‘, das wir als tiefe Sehnsucht in uns tragen, zeigen kann“, sagt sie. Siegmund entscheidet sich dann für das Edelmetall mit seinem durch nichts zu ersetzenden Schimmer: „Wunder gehen nur in Gold. Das steht für das Licht, die Sonne, das Göttliche und das Ewige. 

„Weihrauch hat etwas Erhebendes“

Mit Weihrauch kennt sich der Papenburger
Küster Werner Hatting seit vielen Jahren gut
aus. Foto: Klaus Dieckmann

In diesen Wochen entsteht gerade eine  Außenskulptur aus Cortenstahl am Bonifatius-Hospital in Lingen, eine der Stationen des neuen „Tugendweges“. Das Kunstwerk soll die „Hoffnung“ symbolisieren: Eine Faltung entwickelt sich dabei aus Höhen und Tiefen aufwärts. „Und die letzte schmale kleine Kante, die zum Himmel zeigt, soll mit Blattgold belegt werden“, erklärt Siegmund. Nur ein kleines Detail, aber vielsagend.

Den Duft von Weihrauch schätzt der Papenburger Küster Werner Hatting. Seit 27 Jahren arbeitet er in der St.-Antonius-Gemeinde, ist zugleich für die Verwaltung des Friedhofs zuständig. Wenn bei Beerdigungen, Prozessionen, sakramentalen Andachten oder Hochfesten der Qualm des Weihrauchs aufsteigt, hat das für den 60-Jährigen „immer etwas Feierliches und Erhebendes“. 

Beim Umgang damit in der Sakristei lässt er viel Sorgfalt walten. Zuerst werden Kohletabletten in die Glutpfanne eingelegt, entzündet und dann werden später die Harzkörner aus dem Schiffchen dazugegeben. „Etwa drei Teelöffel, dann fängt es richtig an zu dampfen“, sagt Hatting. „Und je mehr geschwenkt wird, desto größer ist der Effekt.“ Pro Jahr braucht seine Gemeinde etwa 1,5 Kilogramm von der Substanz. Unter den vielen Sorten hat er sich für zwei entschieden: „Vatikan“ mit duftig-frischem Geruch und das mild aromatische „Drei König“. Letzteres mag der Küster persönlich am liebsten.

Schon Hippokrates kannte die heilende Wirkung von Myrrhe

Getrocknete Myrrhe zeigt Gerd Uffelmann
in seiner Apotheke. Kunden fragen nach Tinkturen
und Dragees. Foto: Sebastian Hamel

Mit Myrrhe kennt sich der Nordhorner Apotheker Gerd Uffelmann gut aus. „Das haben wir bei uns in der Schublade.“ Er mischt die getrockneten Körner unter die „Schwedenkräuter“, ein altes Hausmittel aus der Naturheilkunde gegen verschiedenste Beschwerden. Und natürlich weiß er viel über die heilende Wirkung von Myrrhe zu erzählen, die schon seit altersher bekannt ist. „Das wusste schon der griechische Arzt Hippokrates.“ Das Gummiharz, das meist aus afrikanischen Balsamsträuchern gewonnen wird, schützt die Schleimhäute, hilft bei Entzündungen im Mundraum und unterstützt die Darmgesundheit. 

Er hat immer wieder Kunden, die nach Salben, Dragees oder nach einer Tinktur aus Myrrhe fragen. Die eignet sich besonders für eine Gurgellösung: „Fünf Milliliter in einem Glas aufgelöst.“ Auch in der Aromatherapie wird laut Uffelmann dieser Stoff gerne eingesetzt, weil er eine klärende und reinigende Wirkung haben soll. Ein bisschen schade findet der zweite Vorsitzende der Katholische Familienbildungsstätte in Nordhorn daher, dass zwar viele Menschen Myrrhe aus der Weihnachtsgeschichte kennen, aber nicht mehr um ihre Heilkraft wissen. „Denn die ist wirklich gut.“

Petra Diek-Münchow